Bistümer: Rumänische Orthodoxe Kirche

Patriarch Teoctist in Deutschland
von Nikolaj Thon

Pastoralbesuch und ökumenische Begegnung
Als 1970 der Patriarch der Rumänischen Orthodoxen Kirche Justinian Deutschland besuchte, kam eine anvisierte Begegnung mit dem damaligen Kölner Kardinal Höffner nicht zu Stande, weil dieser sich weigerte, wegen der Aufhebung der unierten griechisch-katholischen Kirche in Rumänien mit dem orthodoxen Patriarchen zusammenzutreffen.
Wie sehr sich seitdem das Klima verändert hat, zeigte der Besuch des jetzigen Vorstehers der weltweit 20 Millionen Mitglieder zählenden Rumänischen Orthodoxen Kirche vom 8. bis 14. Mai 2003: Der ehrfurchtgebietende greise Patriarch, der aber trotz seines hohen Alters mit ungebrochener und beeindruckender Kraft ein Mammutprogramm absolvierte, in dem jeder der wenigen Tage seines Deutschlandaufenthaltes bis zum Rande mit Terminen und Begegnungen gefüllt war, war ein überall gern gesehener Gast - und konnte den Unterschied sicher gut vermerken, war er doch beim Besuch Patriarch Justinians selbst, damals noch als Bischof von Arad, Mitglied der Delegation gewesen.
Maßgeblich dafür ist zum einen sicher die Tatsache, dass - besonders römisch-katholischen Gesprächspartnern - seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. in Rumänien im letzten Jahr und dem Gegenbesuch des Patriarchen in Rom die Rumänische Kirche und ihr Vorsteher zu Hoffnungsträgern für viele in Rom und anderswo geworden sind, denn in keinem anderen traditionell orthodoxen Land hat der römische Pontifex eine auch nur annähernd vergleichbar herzliche Aufnahme gefunden - nicht nur bei der Hierarchie, sondern auch beim Volk. Zum andern ist es aber mit Sicherheit nicht weniger die überzeugende Gestalt des Patriarchen als eines Mannes, der die gestaltgewordene orthodoxe Spiritualität verkörpert - in seiner monastischen Bescheidenheit, seinen geistlichen Rat-schlägen, seinem ganzen würdevollen und doch nie pomphaften Auftreten. Dies ermöglicht es ihm, auch klare Worte zu sprechen, auch im Feld der Ökumene; denn so überzeugend und echt sein ökumenisches Engagement - wie auch das seiner Kirche - ist, so wenig verbirgt Patriarch Teoctist seine Überzeugungen um eines ökumenischen "Seid-nett-zu-einander"-Kurses ohne geistlichen Tiefgang wegen.
So war dieser Besuch beides: ein Pastoralbesuch des Vorstehers der nach der Mitgliederzahl zweitstärksten orthodoxen Kirche der Welt bei ihrer zentraleuropäischen Metropolie, deren Herde inzwischen rund eine halbe Million Menschen zählt, davon an die 300.000 in Deutschland, und ein ökumenisches Ereignis in der Begegnung von führenden Vertretern der westlichen Kirchen mit einem außergewöhnlichen Menschen.

Der Lebensweg des Patriarchen
Vieles an der Persönlichkeit des Patriarchen erschließt sich aus seiner bewegten Biographie: Am 7. Februar 1915 im Dorf Tocileni, Kreis Botosani (Provinz Moldau) im Nord-Osten Rumäniens als zehntes Kind der Familie geboren, wurde er auf den Namen Toader getauft. Bereits am Alter von 13 Jahren trat er 1928 als Novize in das Kloster Sihastria Voronei im gleichen Heimatkreis ein. Von 1932 bis 1940 besuchte er das Spezielle Theologische Gymnasiums im Kloster Cernica bei Bukarest. Bereits am 6. August 1935, also als 20-Jähriger, legte er im Kloster Bistrita-Neamt die Mönchsgelübde ab und erhielt bei seiner Mönchsweise den Namen Teoctist. Am 4. Januar 1937wurde er dann zum Diakon geweiht. Nach Beendigung des Gymnasiums folgte bis 1944 das Studium an der Theologischen Fakultät der Universität Bukarest. Nach erfolgreichem Abschluss desselben wurde er am 25. März 1945 zum Priestermönch geweiht und tat seinen Dienst an der Metropolitankathedrale in Iasi (Jassy). Von 1946, da er schon zum Archimandriten erhoben wurde, bis 1950 war er Bischofsvikar der Metropolie Iasi und studierte zugleich 1946/47 an der Fakultät für Literatur und Philosophie der Universität der Stadt. Am 28. Februar 1950 wählte die Heilige Synode der Rumänischen Orthodoxen Kirche den jetzt gerade 35-Jährigen zum Weihbischof der Patriarchie und verlieh ihm den Titel "von Botosani (Botoseanul)". Am 5. März 1950 fand dann die Weihe zum Bischof statt. In den nächsten vier Jahren amtierte Bischof Teoctist auch als Rektor des Höheren Theologischen Instituts Bukarest. Am 28. Juli 1962 wurde er dann zum Diözesanbischof gewählt, und zwar zum Bischof von Arad (Transilvanien). Zugleich war er verantwortlich für das Vikariat von Gyula (Ungarn) und für zwei rumänisch-orthdoxe Gemeinden aus dem serbischen Teil des Banats. Im April 1963 wählte ihn der Kongress des Orthodoxen Bistums aus den U.S.A. zum Bischof von Detroit. Die Heilige Synode erkannte die Wahl an und ernannte ihn zum Erzbischof. Da allerdings in dieser Zeit des Kalten Krieges von Seiten der Vereinigten Staaten keim Visum erteilt wurde, konnte Teocist die effektive Führung des Rumänischen Orthodoxen Bistums für die U.S.A. und Kanada nicht wahrnehmen. Stattdessen warteten bald andere wichtige Aufgaben in der Heimat auf ihn. So hatte er 1969/70 die zeitweilige Führung des Bistums Oradea Mare (Großwardein, Transilvanien) inne. Am 28. Januar 1973 wurde er dann zum Erzbischof von Craiova (Krajowa) und damit zum Metropoliten von Oltenien gewählt. Allerdings hatte er diesen Sitz nur vier Jahre inne, denn schon am 25. September 1977 wurde er zum Erzbischof des wichtigen Sitzes von Iaºi und Metropoliten der Moldau (Moldova) und Bukovina (Buchenland) im Nord-Osten Rumäniens gewählt. Von Juli 1980 bis Januar 1982 war er zeitweiliger Bischof von Sibiu (Hermannstadt) und Metropolit von Transilvanien. Am 9. November 1986 erfolgte dann seine Wahl zum Patriarchen der Rumänischen Orthodoxen Kirche und am 19. November 1986 die Einsetzung in der Kathedrale des Heiligen Patriarchats in Bukarest durch die Metropoliten des Landes im Beisein der Patriarchen von Jerusalem und von Bulgarien, der Vertreter aller Orthodoxen Kirchen, der Römisch-Katholischen Kirche, der Protestantischen Kirchen sowie der rumänischen Staatsmacht.
In den Jahren seines Wirkens sind ihm mehrere akademische Auszeichnungen zuteil geworden, so im Dezember 1999 die Berufung zum Ehremnitglied der Rumänischen Akademie und zuletzt am 7. November 2000 die Promotion zum Doctor Honoris Causa der Katholischen Universität Lublin (Polen), übrigens sein viertes Ehrendoktorat.

München
Dies also war nun der ersten Pastoralbesuch von Patriarch Teoctist in Deutschland, der von mehreren ranghohen Bischöfen der Rumänischen Orthodoxen Kirche begleitet wurde, nämlich den Metropoliten Daniel (Ciobotea) von der Moldau, der nach Bukarest ranghöchsten Diözese des Landes, Teofan (Savu) von Oltenien (Südrumänien) und Serafim (Joanta) von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa sowie Erzbischof Andrei (Andreicut) von Alba Julia,.
Den Auftakt bildete am Donnerstag, dem 8. Mai 2003, und am folgenden Tag der Aufenthalt in der bayerischen Landeshauptstadt München, wo der Patriarch und seine Delegation Gäste des römisch-katholischen Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, waren. Entsprechend hatte der Kardinal dem Patriarchen auch seine Kathedrale, den Münchner Liebfrauendom, für einen Vespergottesdienst am Ankunftstag um 18.30 h zur Verfügung gestellt. Der Gottesdienst wurde überwiegend in deutscher Sprache gefeiert. Teilnehmer waren vor allem die Mitglieder der zwei zum Patriarchat gehörenden rumänisch-orthodoxen Gemeinden aus dem Raum München, die etwa 4.000 Personen zählen, aber auch zahlreiche ökumenische Gäste, besonders aus der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern (AcK). Bei der Vesper rief der Patriarch zu einem gemeinsamen Zeugnis der Christen vor allem im Prozess der europäischen Einigung auf. Die Kirchen müssten entschiedene Förderer einer "Heiligung" des europäischen Kontinents sein und dazu beitragen, dass Europa seine christlichen Werte wieder entdecke. Dazu müsse der ökumenische Dialog fortdauern und vertieft werden. In diesem Zusammenhang verwies der Patriarch auf seine Kontakte mit Papst Johannes Paul II. Sie hätten gemeinsam gezeigt, dass dies der Weg sei, die Einheit zu suchen.
Kardinal Wetter betonte in einer herzlich gehaltenen Begrüßung, Rumänien sei das Land im Osten Europas, wo Christen verschiedener kirchlicher Tradition, auch verschiedener Konfession, mit Menschen anderer Religion und Kultur seit Jahrhunderten in guter Weise vorbildlich zusammengelebt hätten. Dies sei für das Land wie für den ganzen Kontinent eine große Bereicherung und auch heute ein Zeichen dafür, dass Europa in einem guten Geist zusammenwachsen könne. Die Rumänische Orthodoxe Kirche leiste in einem zusammenwachsenden Europa einen entscheidenden Beitrag. Sie könne mit Stolz und Recht sagen, dass die Geburt des Christentums und die Geburt einer rumänischen Nation zusammengehörten. Die Kirche des Patriarchen Teoctist sei eine Brücke zwischen Ost und West, nicht zuletzt deshalb, weil Rumänien als eine romanische Nation eine besondere Affinität zur lateinisch geprägten Welt habe. Zwischen der römisch-katholischen Diözese München und der Rumänischen Orthodoxen Kirche gebe es schon eine lange Beziehung. So erinnerte Kardinal Wetter an den Besuch seines Amtsvorgängers Kardinal Julius Döpfner in Rumänien im Jahr 1971. Döpfners damalige Vision von einem Abbau der Trennmauern zwischen Nationen, Rassen und Klassen sei erst Jahrzehnte später im politischen und gesellschaftlichen Leben in ganz Deutschland wie auch in Rumänien Realität geworden. Man müsse heute dankbar an diejenigen denken, die in dunklen Jahren unter oft schwierigsten und leidvollen Umständen das Evangelium Christi verkündet und die heiligen Mysterien gefeiert hätten. Namentlich erwähnte Wetter den im Münchner Liebfrauendom begrabenen lateinischen Erzbischof von Bukarest, Joseph Schubert, der unter kommunistischer Herrschaft zweimal zu lebenslänglicher Kerkerhaft verurteilt, dann freigelassen und am Karfreitag 1969 in München gestorben war. Kardinal Wetter erwähnte bei der Begrüßung noch eine besondere Gemeinsamkeit zwischen Bayern und Rumänien. Papst Johannes Paul II. habe 1999 bei seinem Rumänienbesuch im Blick auf die vielen der Muttergottes geweihten Kirchen das osteuropäische Land einen "Garten der Muttergottes" genannt. Dieser ehrende Namen treffe auch auf Bayern zu, sagte der Kardinal, der dabei unter anderem auf die Münchner Mariensäule als das älteste Friedensdenkmal der Stadt und die älteste Mariensäule überhaupt wie auch auf die zahlreichen Pilger zu den bayerischen Marienwallfahrtsorten hinwies. In marianischem Geist heiße er somit Patriarch Teoctist als das Oberhaupt der Rumänischen Orthodoxen Schwesterkirche von ganzem Herzen willkommen.
Zuvor war der Patriarch schon um 17.00 Uhr von Münchens Bürgermeisterin Dr. Gertraud Burkert im Rathaus der Landeshauptstadt empfangen worden, wo er sich in das Goldene Buch Münchens eintrug. Vom Rathaus zum Dom ging dann der Patriarch in Begleitung des Kardinals zu Fuß, um einen Eindruck von München zu gewinnen. Im Anschluss an die Vesper suchte der Patriarch die Begegnung mit den Hunderten rumänischer orthodoxer Christen, die zu dem Gottesdienst gekommen waren. Am Abend des ersten Besuchstages empfing Kardinal Wetter den hohen Gast aus Rumänien im kleinen Kreis.
Am Freitag, 9. Mai, traf der Patriarch dann auch mit dem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich, im Landeskirchenamt zusammen. Dabei würdigte der Patriarch ausdrücklich die Verbindungen der Rumänischen Orthodoxen Kirche mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Den "substantiellsten theologischen Dialog" führe seine Kirche mit der EKD. Im Rahmen dieses Dialogs gebe es beachtliche Annäherungen im Blick auf die Lehre und das geistliche Leben beider Kirchen. Einerseits sei deutlich, dass es noch viele Unterschiede in der Lehre vom Wesen der Kirche gebe, andererseits würden beide Kirchen bekennen, dass sie durch diesen Dialog in einer Gemeinschaft des Gebets und des theologischen Gesprächs stünden. Sie würden "daran arbeiten, zur vollen Einheit im Glauben zu kommen, was allein die Abendmahlsgemeinschaft zwischen den Kirchen erlauben würde".
Anschließend begab sich Patriarch Teoctist um 10 Uhr in die Ludwig-Maximilians-Universität und erteilte dort den Studierenden und Professoren der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie, der einzigen Studienmöglichkeit dieser Art an einer staatlichen Universität im westeuropäischen Raum, seinen Segen. Aus diesem Anlass wurde er im Senatssaal der Universität feierlich empfangen und sprach über "Die ökumenische Bewegung aus der Sicht der Orthodoxen Kirche Rumäniens". In diesem Vortrag behandelte Teoctist I. auch die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche "auf höchster Ebene". Die "Rückkehr zu den Wurzeln", zur Praxis der Kirche des 1. Jahrtausends, sei der gemeinsame Bezugspunkt, der die Perspektiven und Haltungen zwischen der katholischen und orthodoxen Christenheit radikal geändert habe. Der theologische Dialog, der in den letzten Jahren eine Periode der Krise durchlaufe, die hoffentlich bald überwunden sei, habe "eine gemeinsame Vision" in Richtung einer Theologie der Gemeinschaft entstehen lassen. Dadurch sei in kurzer Zeit wieder viel von dem gut gemacht worden, was im 2. Jahrtausend verloren gegangen war. "Die katholische und die orthodoxe Kirche erkennen sich wechselseitig an in ihrer Eigenschaft als Schwesterkirchen", zitierte der Patriarch das Dialogdokument von Balamand im Libanon von 1993. Das Dokument habe die lang erwartete Wende im Verstehen und der Haltung zueinander ermöglicht.
Die Beziehungen seiner Kirche zur römisch-katholischen Kirche hätten sich in den letzten Jahren "auch in der Bildung einer echten persönlichen Freundschaft zwischen den Kirchenführern der beiden Kirchen konkretisiert". Sie entwickelten sich aus der Überzeugung, dass die christlichen Kirchen ihre Energien bündeln und darauf konzentrieren müssten, "der Heiligung der Menschen und der Welt zu dienen und Christus der Welt zurückzugeben". Die Kirchen könnten angesichts der Konflikte in der gegenwärtigen Welt nicht gleichgültig bleiben. Sie müssten ihre Stimmen vereinen, um vor der Welt die christliche Botschaft des Friedens und des Wohlergehens unter allen Menschen zu bezeugen.
Anschließend wurde für den Patriarchen und seine Delegation ein Empfang in der Bibliothek der Ausbildungseinrichtung (Ludwigstraße 29, Erdgeschoss) ausgerichtet, bevor er nach Nürnberg, den Sitz der rumänischen Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa weiterreiste.

Nürnberg
Nach seiner Ankunft in der Metropolitankirche und deren Besuch wurde er offiziell vom Stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsidenten, Innenminister Dr. Günther Beckstein, in Nürnberg empfangen; daran schloss sich um 18.30 Uhr der Empfang beim Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly an.
Am nächsten Tag leitete der Patriarch die Diözesanversammlung der Metropolie, der die Priester der Gemeinden und je zwei Laien angehören. Die versammlung begann mit der Feier der Göttlichen Liturgie. Wichtigster Punkt der Versammlung waren die Verabschiedung des Statuts der Metropolie zur Erlangung der Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts in Deutschland und die offizielle Nominierung des neuen Weihbischofs der Metropolie in der Person von Archimandrit Sofian, dessen Weihe am Tag darauf, nämlich am Sonntag, dem 11. Mai, erfolgte.
Der neue Weihbischof der Metropolie, der den Titel "von Brasov (Kronstadt)" trägt, ist am 22. Juli 1970 im Dorf Bacel, Kreis Covasna (Transilvanien), geboren worden. Von 1984 -1988 besuchte er das Gymnasium in Sfîntu Gheorghe (Transilvanien) und leistete dann vom Januar 1989 bis Februar 1990 seinen Militärdienst. Unmittelbar danach trat er am 27. Februar 1990 als Novize, in das Kloster Brãncoveanu in Sîmbata de Sus (Transilvanien) ein, wo er drei Jahre später, am 20. April 1993 die Mönchsgelübde ablegte und schon drei Tage später am 23. April 1993 zum Diakon geweiht wurde. Einen Monat später, am 30. Mai 1993 folgte die Weihe zum Priestermönch. In den Jahren 1992 bis 1996 absolvierte Vr. Sofian sein Studium an der Theologischen Fakultät "Andrei Saguna" in Sibiu (Hermannstadt, Transilvanien). 1997 bestand er die Prüfung mit der Lizenziatsarbeit "Das Pentekostarion und die Orthodoxe Spiritualität", im Rahmen des Lehrstuhls für Liturgik. Von Dezember 1995 bis Juni 1998 war er Stipendiat der (römisch-katholischen) Theologischen Schule in Chur (Schweiz) und arbeitete an der Übersetzung der Lizenziatsarbeit in die deutsche Sprache, die inzwischen beim Verlag "Der Christliche Osten" in Würz- burg unter dem Titel "Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit. Kommentar zum Pentekostarion" veröffentlicht worden ist. Von Oktober 1999 bis April 2003 setzte Priestermönch Sofian sein Studium an der Fakultät für Theologie an der Aristotelis-Universität in Thessaloniki fort, das er mit der Magisterarbeit zum Thema "Märtyrer, Martyrium und Bekenntnis beim Heiligen Basilius dem Großen" beendete. Inzwischen begann er seine Doktorarbeit über "Die Vorstellung über den Priester bei den kappadokischen Vätern". Am 11. Mai 2002 erfolgte seine Wahl zum Weihbischof durch das Plenum der Diözesanversammlung der Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa, die am 3. Juli 2002 durch die Heilige Synode der Rumänischen Orthodoxen Kirche bestätigt wurde.
Gespendet wurde die Weihe dem neuen Bischof von Patriarch Teoctist zusammen mit den Bischöfen seiner Delegation und jenen Hierarchen, die sich zu diesem hohen Festtag ebenfalls in Nürnberg eingefunden hatten, nämlich dem rumänischen Metropoliten von West- und Südeuropa Iosif (Pop), der seinen Sitz in Paris hat, dem Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa des Ökumenischen Patriarchats Augoustinos (Lambardakis), dem serbischen Bischof für Mitteleuropa Konstantin (Dokiç), dem Erzbischof von Prag und der tschechischen Lande Kryõtof (Pulec) sowie dem Erzbischof von Detroit und Vorsteher der rumänischen Gemeinden der Orthodoxen Kirche in Amerika Nathaniel (Popp). Neben den insgesamt 11 Bischöfen amtierten an die 90 Priester und Diakone. An der Weihe nahmen auch zahlreiche ökumenische Gäste teil, darunter der Primas der armenisch-apostolischen Kirche in Deutschland, Erzbischof Karekin Begdschian, und der römisch-katholische Bischof von Hildesheim, Josef Homeyer. Letzterer überbrachte die Grüße des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und würdigte in seinem Grußwort die besondere Rolle der Rumänischen Orthodoxen Kirche im ökumenischen Dialog. Die evangelische Kirche repräsentierte der Regionalbischof von Nürnberg Dr. Karl-Heinz Röhlin. Besondere Aufmerksamkeit fand die Tatsache, dass auch der ukrainische unierte griechisch-katholische Bischof von Deutschland Petro Kryk sowohl bei der Liturgie wie auch beim anschließenden Essen anwesend war.
In seiner Ansprache während des Gottesdienstes würdigte Metropolit Serafim von Zentral- und Nordeuropa eingehend die Persönlichkeit und Lebensgeschichte des Patriarchen. Dieser habe seit seinem Eintritt ins Kloster mit 13 Jahren in den 88 Jahren seines Lebens Gott und dem rumänischen Volk mit starkem Glauben und Beharrlichkeit in der Kirche gedient, seit 1950 als Bischof, seit 1973 als Metropolit und seit 1986 als Patriarch. Ausdrücklich äußerte sich Metropolit Serafim auch zum Wirken von Patriarch Teoctist unter der kommunistischen Herrschaft. Die Kirche sei trotz aller Verfolgungen und Erniedrigungen, trotz aller Kompromisse, die von Hierarchen und vielen Priestern geschlossen worden seien, während der ganzen Zeit der atheistischen Diktatur das Refugium und die einzige Hoffnung des gläubigen Volkes geblieben. So habe der Glaube gerettet und weitergegeben werden können. Nach der Volkszählung von 1992 haben sich nach Angaben des Metropoliten nur zwei Jahre nach der kommunistischen Diktatur 99,8 Prozent der Einwohner Rumäniens für gläubig erklärt, 87 Prozent als orthodox.
In seinem Hirtenwort würdigte der Patriarch besonders die Schwierigkeiten des pastoralen Dienstes in der Diaspora, denn "hier in der Diaspora ist das Kreuz des Hirtenamtes, der Priesterschaft und die Mission der Christusverkündigung noch schwerer als zu Hause in Rumänien, wo wir eine traditionelle orthodoxe Kirche haben, wo fast alle in einem bestimmten Maße der Lehre Christi folgen. In der Heimat gehen die Gläubigen üblicherweise zu ihren Pfarrern, hier muss der Pfarrer zu seinen Gläubigen gehen, von denen einige dabei sind, ihre geistliche Identität zu verlieren. Die Mission der Pfarrer in den rumänischen Diasporagemeinden ist folglich sehr schwer und mühsam. Sie müssen die Arbeit der Apostel neu ausführen, auf unterschiedlichsten Wegen diejenigen zu re-evangelisieren, die kein Verlangen mehr nach der Gegenwart eines Seelsorgers verspüren und die oft sogar die geistliche Hilfe verweigern, die ihnen angeboten wird".
Der Neugeweihte dankte in seiner Antwort dem Patriarchen und seinem Metropoliten wie auch allen anderen Personen, die ihn geformt haben, und bekundete eine Bereitschaft zu eben diesem aufopferungsvollen Dienst: "Als lebendiges Abbild Christi ist der Bischof gerufen, durch sein Beispiel und sein Wirken den Menschen zu helfen, immer mehr Gott selbst zu sehen und Ihn zu lieben sowie sich nach Ihm zu sehnen. Der Hirte der ihm anvertrauten Herde, der Bischof des 21. Jahrhunderts, hat die Mission, den von Gott und seinen Nächsten entfremdeten Menschen zu suchen und ihn zu den wahren Werten hinzuführen. Eine extrem schwierige Aufgabe unter den gegenwärtigen Bedingungen, da viele Schafe aus der Herde abgeirrt sind, und besonders erschwert unter den Bedingungen der Diaspora, in der wir uns hier befinden".

Regensburg
Am folgenden Tage, Montag, dem 12. Mai 2003, besuchte der Patriarch das von der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz für Begegnungen und Kontakte mit den orthodoxen und orientalischen Kirchen in Regensburg geschaffene Ostkirchliche Institut. Er betonte auch dort, heute suche der Kontinent mühsam nach seiner Einheit. Es sei notwendig, sich an die 1000-jährige Einheit der ungeteilten Kirche zu erinnern, als auch Europa noch geeint gewesen sei. Patriarch Teoctist würdigte insbesondere den Direktor des Instituts, Monsignore Albert Rauch, als einen "Brückenbauer der Ökumene". Das Institut war 1967 nach einem Besuch des damaligen Regensburger Bischofs Rudolf Graber in Konstantinopel beim Ökumenischen Patriarchen Athenagoras ins Leben gerufen worden. Im gleichen Jahr entsandten orthodoxe Bischöfe zum ersten Mal Theologiestudenten aus ihren Kirchen zum Studium an Katholische Fakultäten in Deutschland. Seither haben zahlreiche Theologen, von denen viele später auch Bischöfe wurden, an Studienprogrammen und Symposien des Instituts teilgenommen. Patriarch Teoctist sprach von mehr als 180 Theologen allein aus Rumänien, die den ökumenischen Geist des Instituts in ihre Heimat gebracht hätten. Durch das Ostkirchliche Institut werden übrigens auch römisch-katholische Theologen des lateinischen Ritus auf Theologische Fakultäten der Orthodoxen Kirche, so in Athen, Thessaloniki, Sofia, Belgrad und St. Petersburg, vermittelt, die dort eine unmittelbarere Erfahrung der Orthodoxie in ihrer angestammten Heimat gewinnen sollen.

Berlin
Die nächsten Tage des Besuches führten den Patriarchen nach Berlin, wo einmal Begegnungen mit politischen Persönlichkeiten, darunter ein Empfang bei Bundespräsident Johannes Rau, sodann aber auch Begegnungen mit Erzbischof Feofan (Russische Orthodoxe Kirche) und Bischof Konstantin (Serbische Orthodoxe Kirche) sowie ein Empfang in der neuen rumänischen Botschaft stattfanden.
Am Mittwoch, dem 14. Mai, stand ein Treffen mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf dem Programm stand. An dem Gespräch nahm auch der Auslandsbischof der EKD, Rolf Koppe, teil. Zwischen der EKD und der Rumänischen Orthodoxen Kirche finden bekanntlich seit langen Jahren regelmäßige Konsultationen und theologische Gespräche statt - offensichtlich nach Ansicht der evangelischen Seite zu deren vollster Zufriedenheit. Jedenfalls meinte Bischof Koppe - augenscheinlich auch im Blick auf andere orthodoxe Kirchen - überzeugt: "Der theologische Dialog mit der Rumänischen Orthodoxen Kirche ist am weitesten fortgeschritten". Dennoch gebe es weiterhin Bedarf an aktuellem Austausch, erläuterte Oberkirchenrätin Antje Heider-Rottwilm, die Leiterin der Europa-Abteilung im Kirchenamt der EKD. "Wir wollen mit dem Patriarchen über die Entwicklungen im europäischen Integrationsprozess sprechen." Außerdem stehe die Zusammenarbeit von evangelischen und rumänisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland und Rumänien auf dem Programm sowie Themen aus der Diakonie. "Das ist natürlich in Rumänien ein ganz wichtiger Bereich", so Heider-Rottwilm. Auch die Umsetzung der Charta Oecumenica, der von den römisch-katholischen europäischen Bischofskonferenzen und der - aus evangelischen und orthodoxen Mitgliedern bestehenden - Konferenz Europäischer Kirchen gemeinsam erarbeiteten Leitlinien für eine wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa, interessierte die Vertreter der EKD. "Die orthodoxe Kirche in Rumänien ist auf dem Gebiet sehr aktiv." Man werte auch den Besuch bei der EKD als ermutigend, besonders angesichts des sehr engen Programm des 88-jährigen Patriarchen. Antje Heider-Rottwilm dazu: "Umso mehr freuen wir uns darüber, dass er die Möglichkeit gefunden hat, zu uns zu kommen."
Diese Freude teilen mit ihr sicher Hunderttausende Rumänen und die ganze Orthodoxe Kirche in Deutschland.

 


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