Dokumente : Serbische Orthodoxe Kirche


Stellungnahme der Bischofssynode der Serbischen Orthodoxen Kirche zur Situation in Serbien

Die Heilige Bischofssynode der Serbischen Orthodoxen Kirche hat bei seiner Sondersitzung in dem Gebäude des Serbischen Patriarchates in Belgrad am Tage des hl. Ignatios des Gottesträgers und des hl. Danilo, des Serbischen Erzbischofs, am 20. Dezember 1996 [a.St.] bzw. am 2. Januar 1997 [n.St.] die neuesten tragischen Ereignisse in Serbien mit großer Aufmerksamkeit untersucht.

Dabei erörterte man die ganze Situation, die seit dem 17. November entstanden ist, nachdem sich das regierende Regime in drastischer Weise über den Willen des Volkes, wie er sich bei den Kommunalwahlen bekundete, hinweggesetzt hat. Daher ist die Heilige Bischofssynode der Ansicht:

  1. Daß es sich hier nicht allein um eine rein politische oder parteigebundene Angelegenheit handelt, sondern vor allem um eine ethische und existentielle Frage für unser Volk.

  2. Die Serbische Orthodoxe Kirche erwartet, daß die Vernunft obsiegen und dazu führen wird, daß die Realität akzeptiert und der Volkswille des Volkes und die Würde anerkannt werden, und hat mit großer Geduld zum Herrn, dem Fürsten des Friedens gebetet, daß Christi Friede unter den Serben herrschen möge. Bislang ist dies allerdings noch nicht eingetreten, ja es ist sogar nach einigen Wochen zahlreicher friedvoller Demonstrationen in den Straßen von Belgrad und anderen Städten und Orten in ganz Serbien zur Anwendung von Gewalt von seiten des regierenden Regimes gekommen, um so die freie Willensbekundung des Volkes zu ersticken: Das Blut der unschuldigen Opfer, das wie einst dasjenige Abels nach Hilfe vom Himmel ruft, nötigt den Synod, das Wort zu ergreifen.

  3. Die Serbische Orthodoxe Kirche verurteilt schärfstens die Verfälschung der Wahlentscheidung des Volkes, die Unterdrückung politischer und religiöser Freiheiten (wie die Nichtzulassung des Religionsunterrichtes in den Schulen, die Ausschließung des hl. Sava aus den serbischen Schulen, die Nichtzurückgabe und Zerstörung von beschlagnahmtem Kircheneigentum, den Verkauf von vor einigen Jahrhunderten der Kirche gestifteten Gebäuden, was nicht einmal von den Okkupanten getan worden ist, die Nichtfreigabe der Matrikelbücher, welche die Wurzeln des serbischen Volkes bergen, die Mißhandlung des Klerus und der Gläubigen, die ihre Unzufriedenheit über die Unterdrückung der Freiheiten des Volkes laut zum Ausdruck bringen wollen), und besonders das Verprügeln und den Mord am Volk auf den Straßen des einst freiheitlichen Belgrad und in ganz Serbien.

  4. Die Heilige Bischofssynode verurteilt die Machthaber, die nicht allein den Wahlwillen des Volkes unbeachtet lassen, sondern vor allem unsere ruhmreiche und leidvolle Geschichte entwürdigt haben, ganze Jahrhunderte, das völkische Andenken, das Ehrgefühl, die Würde, die kyrillische Schrift, die geistlichen und nationalen Werte und Heiligtümer, die die westserbische Krajina weggegeben haben, die die Nation und den Staat in einen totalen Zusammenbruch führen und das Volk an den Bettelstab gebracht haben, die uns in ein Zerwürfnis mit der ganzen Welt geführt haben und jetzt noch sich bemühen, uns zu verführen und untereinander zu zerstreiten und mit Blut zu beflecken, nur um sich an der Macht zu halten. Die Heilige Bischofssynode der Serbischen Orthodoxen Kirche als jahrhundertealte Hüterin der Heiligtümer und Werte des Volkes brandmarkt dies energisch und offen und verurteilt das Verhalten des herrschenden Regimes. Die serbischen Bischöfe meinen und sind überzeugt, daß nur der Respekt vor den demokratischen Prinzipien und den Menschenrechten und die Anerkennung der Wahlen vom 17. November Hoffnung für eine bessere Zukunft und ein friedliches Leben für das ganze serbische Volk und die anderen Bürger Serbiens bringen können.

Am Vorabend der Geburt Christi, des Gotteskindes, der uns jenen Frieden brachte, den diese Welt weder geben noch uns nehmen kann, beten wir zum neugeborenen Herrn, daß Er uns den so sehr herbeigesehnten Frieden, Eintracht und Liebe gewähre.

Der Friede Gottes sei mit euch - Christus ist geboren!

( Der Text ist unterzeichnet vom Serbischen Patriarchen Pavle und 34 weiteren Bischöfen mit den Metropoliten von Zagrab-Ljubjana, Montenegro und der Küste, Mittelwestamerika, Neu-Graæanica und Bosnien an der Spitze.)


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