Dokumente : Panorthodoxe Gremien


Grußwort von Metropolit Augoustinos zum 25jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen

Liebe Brüder und Schwestern in Christo,

alle Teilnehmer an dieser festlichen Versammlung möchte ich mit meinen herzlichen Segenswünschen grüßen. Ein Gedenken an gemeinsame ökumenische Arbeit wird sowohl Rückblick als auch Ausblick in sich schließen. Dabei darf man im Blick auf den Weg der Kirche durch die Jahrhunderte das 20. Jahrhundert mit Recht als das Jahrhundert der Ökumene bezeichnen. Am Ende des ersten Jahrtausends war die christliche Kirche auf dem Weg zur Spaltung: Ost und West hatten sich auseinandergelebt und auch innerlich voneinander getrennt. Am Ende des zweiten Jahrtausends aber können wir feststellen, daß uns die Chance gegeben ist, als Christen wieder zueinander zu finden.

In unserer Epoche entstand eine ökumenische Bewegung, die inzwischen alle christlichen Kirchen umfaßt. Sicherlich hat es im Lauf der letztvergangenen Jahrzehnte auch manche Probleme gegeben. Wir müssen uns hüten vor dem Enthusiasmus, der vorhandene Spaltungen einfach überspringen will, auch vor einer Politisierung des ökumenischen Gedankens oder vor möglichen soziologischen Mißverständnissen der kirchlichen Einheit und vielleicht auch vor theologischer Ignoranz bei der Überwindung kirchlicher Gegensätze, die nun einmal vorhanden sind. Die Hoffnung, dem Ziel der christlichen Einheit wirklich näherzukommen, kann nur wachsen, wenn Widersprüche nicht einfach zugedeckt, sondern ernst genommen werden. Nur dann ist ein fruchtbarer Dialog zwischen uns möglich.

Einer der großen und leidenschaftlichen Ökumeniker unseres Jahrhunderts, der Ökumenische Patriarch Athenagoras I., betonte stets, daß der ökumenische Dialog nur ein "Dialog in Liebe und Wahrheit" sein kann und muß. Dies ist ein notwendiges und großartiges Wort in einem Jahrhundert, das Liebe und Mitmenschlichkeit in zuvor kaum vorstellbarer Weise pervertierte, das die Wahrheit mißachtet und verachtet hat und der Lüge in bestimmten Gesellschaftssystemen über Jahrzehnte zur Herrschaft verhalf.

Für uns Christen auf dem Weg zur Einheit ist ein Gespräch und ein Zusammenarbeiten in Liebe und Wahrheit unerläßlich. So lesen wir es bereits im Epheserbrief, wo Paulus im 4. Kapitel schreibt: "So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Gottessohnes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen. Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in der Liebe aufgebaut" (Eph 4,13-16).

Fünfzig Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen - fünfundzwanzig Jahre Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen - laßt uns auf diesem Weg zur Einheit fortschreiten, indem wir aufsehen auf Christus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, unsere Trägheit und unsere Bedenken überwinden und unserem Herrn nachfolgen, um im Glauben die Gliedschaft an seinem Leibe auszuleben. Das Ziel: die wahre Einheit in der Liebe in Christus steht unverrückt vor uns. Die Verheißung Gottes, die Liebe seines Sohnes und die Kraft des Heiligen Geistes werden mit uns sein.


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