Dokumente : Ökumenische Dialoge


Schlusserklärung der 8. Vollversammlung der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den Theologischen Dialog zwischen der Römisch-Katholischen und der Orthodoxen Kirche

Die 8. Plenarsitzung der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den Theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche ist im Mount Saint Mary's College and Seminary in Emmitsburg, Maryland, USA vom 9. bis 19. Juli 2000 abgehalten worden. Gastgeber war der Erzbischof von Baltimore, Kardinal William Keeler, mit Unterstützung des Präsidenten, des Rektors und anderer Mitarbeiter des Mount Saint Mary's College and Seminary. Den Ko-Vorsitz des Treffens führte Kardinal Edward Idris Cassidy, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Erzbischof Stylianos von Australien aus dem Ökumenischen Patriarchat. Die römisch-katholischen Teilnehmer waren Erzbischöfe, Bischöfe und Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten, Italien, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Griechenland, Israel, dem Libanon, Polen und Rumänien. Die orthodoxen Teilnehmer waren Metropoliten, Bischöfe und Wissenschaftler aus dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, den Patriarchaten von Alexandrien, Antiochien, Moskau und Rumänien und den Kirchen von Zypern, Griechenland, Albanien, Polen, Finnland und Estland. Während der Verhandlungswoche besuchten die Mitglieder der Kommission mehrere Gottesdienste, darunter eine Gebetsfeier in der Basilika zur hl. Elisabeth Seton, eine Doxologie in der griechisch-orthodoxen Verkündigungs-Kathedrale in Baltimore, eine Eucharistiefeier in der katholischen Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale in Baltimore und eine Heilige Liturgie in der griechisch-orthodoxen Kathedrale zur Hl. Sophia in Washington. Bei allen diesen Anlässen wurden die Kommissionsmitglieder mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft vom lokalen Klerus und Volk aufgenommen.

Das Thema,das bei der Vollversammlung diskutiert wurde, lautete "Ekklesiologische und kanonische Implikationen des Uniatismus", ausgehend vom Vorbereitungsdokument, das vom Koordinationskomitee der Kommission 1998 in Ariccia bei Rom erarbeitet wurde; ein Thema, das mit den Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa während der vergangenen zehn Jahre besondere Wichtigkeit erlangte.

Die Gemeinsame Internationale Kommission ist seit ihrer 6. Vollversammlung 1990 in Freising (Deutschland) und ihrer 7. Vollversammlung 1993 in Balamand (Libanon) ausführlich mit dieser Frage befasst. Dokumente zu theologischen Aspekten und auch zu praktischen Richtlinien wurden bei diesen Treffen von der gemeinsamen Kommission verabschiedet. Obwohl die Reaktionen darauf generell positiv ausfielen, sind diese Dokumente auf Vorbehalte und ausdrücklichen Widerstand gestoßen, gelegentlich von beiden Seiten. Dabei wurde es als nötig erachtet, die Beratungen der Gemeinsamen Kommission dazu fortzuführen, um eine Verständigung in dieser äußerst heiklen Frage zu erreichen.

Die Diskussionen dieser Vollversammlung waren weit reichend, intensiv und gründlich. Sie berührten viele theologische und kirchenrechtliche Fragen, die mit der Existenz und der Tätigkeit der katholischen Ostkirchen zusammenhängen. Da jedoch keine Übereinkunft über den grundlegenden theologischen Begriff des Uniatismus erreicht werden konnte, wurde entschieden, derzeit keine gemeinsame Stellungnahme abzugeben. Diesbezüglich werden die Kommissionsmitglieder ihren Kirchen Bericht erstatten; diese werden anzeigen, wie dieses Hindernis für eine friedliche Fortsetzung des Dialogs überwunden werden kann.

Die Kommission erachtet es für notwendig, die theologischen, pastoralen, historischen und kanonischen Fragen, die mit diesem Thema verbunden sind, weiter zu erforschen. Sie weiß sehr genau um die Kompliziertheit der Probleme, die gelöst werden müssen, und ebenso um die Wichtigkeit dieses Dialogs für die Kirchen. Trotz aller Schwierigkeiten hofft die Kommission, dass sie durch diesen Prozess ihre Suche nach voller Gemeinschaft zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche voranbringen kann, einen Prozess, der bereits beachtenswerte Fortschritte erzielt hat in den Vollversammlungen von München (1982), Kreta (1984), Bari (1986 und 1987) und Valamo/Finnland (1988). In diesem Jahr, zwei Jahrtausende nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus, feiert die Gemeinsame Kommission den 20. Jahrestag des Beginns ihrer Arbeit auf Patmos und Rhodos 1980.

Das ist eine wunderbare Gelegenheit, Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist für das zu danken, was in diesen zwei Jahrzehnten gemeinsam erreicht wurde. Die Kommission spricht den Mitarbeitern der Erzdiözese Baltimore und des Kollegs und Seminars den Dank für ihren Einsatz aus, der das erste Treffen auf dem nordamerikanischen Kontinent so angenehm gestaltet hat. Auf besondere Weise dankt sie allen Personen und Gemeinschaften, die ihre Arbeit mit ausdauerndem Gebet begleiteten.

Emmitsburg - Baltimore, 19. Juli 2000

( Übersetzung der Katholischen Nachrichtenagentur )


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