Dokumente : Ökumenischer Dialog


Besuch Papst Johannes Pauls II. von Rom in Athen

Ansprache des Erzbischofs von Athen und ganz Griechenland Christodoulos

Eure Heiligkeit, Papst Johannes Paul II. von Rom, wir heißen Sie willkommen !

Wir empfinden es als eine besondere Ehre, dass der Primas der Kirche von Rom den Wunsch geäußert hat, uns, den Primas der Orthodoxen Kirche in Griechenland, zu besuchen, während er sich auf einer Pilgerfahrt in unserem Heimatland befindet. Besonders bewegt uns die Tatsache, dass im Zentrum der Pilgerfahrt die Gestalt des Apostels Paulus steht, des Gründers unserer Kirche. Seine Lehre, die er den Athenern brachte, legte die Basis für die spirituelle Identität aller christlichen Völker, besonders jener Europas. Durch seine Lehre wurde uns die Gabe der Liebe Gottes und der Erlösung in Christus offenbart. Sicherlich  "waren wir noch Sünder, da Christus für uns gestorben ist. Doch wurden wir gerechtfertigt durch sein Blut und werden durch ihn vor dem Zorn gerettet. Wenn wir nämlich schon, da wir Feinde waren, versöhnt worden sind mit Gott durch den Tod seines Sohnes, werden wir als Versöhnte umso mehr gerettet durch sein Leben" (Röm 5, 8-10).

Erstmals in der Geschichte besucht ein Papst von Rom Athen. Dieses Ereignis bedeutet für uns eine Freude. Unsere Freude wird jedoch von der Tatsache unserer Trennung überschattet. Dogmatische und ekklesiologische Gründe, die seit einem Jahrtausend existieren, vergiften die Atmosphäre und negieren die notwendigen Bedingungen, die es erlaubt hätten, dass Ihr Besuch fruchtbringend gewesen wäre und Ergebnisse gezeitigt hätte. Die Anathemata sind dank der Gnade Gottes aufgehoben worden - die Ursachen, die sie zustande gebracht haben, aber nicht.

Im Geiste des vorher Gesagten möchte sich die Kirche von Griechenland durch mich an Sie wenden mit einem Wort der Liebe und der Wahrheit, das auf konventionelle Höflichkeitsfloskeln verzichtet, denn nur, wenn wir "die Wahrheit in Liebe sagen" (Eph 4,15) und unsere Irrtümer zugeben, können wir auch hoffen, zur Einheit im Glauben zu gelangen.

Eure Heiligkeit, verständlicherweise opponiert ein großer Teil des gläubigen Volkes (Pleromas) der Kirche von Griechenland gegen Ihre Anwesenheit hier, obwohl der hl. Markos von Ephesos unsere Tradition zum Ausdruck brachte, als er 1438 in Ferrara an Papst Eugen IV. gewandt sagte: "Unser Haupt, Christus, unser Gott ... wird nicht dulden, dass das  Band der Liebe gänzlich von uns genommen werden kann" (PO XVII, 198).

Wir möchten die Reaktionen dieser Menschen erklären, insofern ja Ihr Besuch in der Stadt Athen als ein ungewöhnlicher Anstoß zur "Bereinigung des kirchlichen Gedächtnisses" von traumatischen Erfahrungen dient, die aus dem unbrüderlichen Verhalten der westlichen christlichen Welt gegenüber den orthodoxen Völkern während des zweiten Millenniums seit dem Großen Schisma von 1054 erwachsen sind.

Diese Reaktionen drücken nicht allein eine explizite Verurteilung der unannehmbaren Gewaltakte aus, die immer wieder gegen orthodoxe Völker erfolgt sind, sondern auch die Forderung des orthodoxen Bewusstseins nach einer formalen Verurteilung der Ungerechtigkeiten, die gegen sie vom christlichen Westen geschehen sind. Dies würde die Erlangung des Geistes eines konstruktiven Dialogs in unseren bilateralen Beziehungen erleichtern. Das orthodoxe griechische Volk verspürt mehr als andere orthodoxe Völker in seinem religiösen Bewusstsein und seinem nationalen Gedächtnis die traumatischen Erfahrungen, die als offene Wunden seinem Leib, wie alle wissen, durch die zerstörerische Besessenheit der Kreuzfahrer und der Periode der Lateinerherrschaft wie auch durch das gesetzlose Proselytieren der lateinischen Union zugefügt worden sind. Doch ist bis heute noch keine einzige Vergebungsbitte zu hören gewesen.

In der Tat hat unser Volk mit Bitterkeit bei vielen Gelegenheiten unserer Geschichte feststellen müssen, dass die mächtige Kirche von Rom es in seinen schwierigen  Momenten im Stich ließ, dass sie häufig sein kirchliches Bewusstsein unterdrückte und dass sie es sogar im Hinblick auf wesentliche Inhalte von nationalem Belang täuschte. Es wäre wohl nutzlos für uns, eine Auflistung jener Ereignisse zusammenzustellen, sowohl derer, die der Vergangenheit angehören, wie auch jener, die als wunde Stellen am historischen Leib der Kirche bleiben. Das Problem der Unionen beispielsweise stellt den wichtigsten Grund für die Blockade des römisch-katholisch/orthodoxen Dialogs dar. So ist es von großer Bedeutung, dass wir ein mutiges Wort erwarten, das von Ihren Lippen kommt, das Wort eines christlichen Bischofs, der zu unseren Herzen spricht. Dieses Wort muss den Grundstein legen, auf dem Verständnis, Vergebung und Versöhnung gebaut werden können.

Sicherlich wird Ihr offenes Wort nicht automatisch unsere dogmatischen und ekklesiologischen Differenzen lösen. Dies wird mit der Gnade Gottes durch einen ernsthaften theologischen Dialog erreicht werden, wie er trotz aller Hindernisse bereits in den letzten zwei Jahrzehnten stattgefunden hat. Der Dialog der Wahrheit zwischen der Römisch-Katholischen und der Orthodoxen Kirche muss auf dem gemeinsamen apostolischen Glauben der ungeteilten Kirche der sieben Ökumenischen Konzilien und unserer patristischen Tradition basieren. Zusammen mit unserem hl. Vater Markos von Ephesos "suchen wir nach und beten für unsere Rückkehr zu der Zeit, da wir vereint waren und die gleichen Dinge und kein Schisma zwischen uns existierte" (Acta Graecorum, 53).

Bei dieser gemeinsamen Sache haben wir als ein leuchtendes Beispiel die gotttragenden Väter der Kirche des ersten Jahrtausends sowohl im Osten wie im Westen. Sie haben sowohl durch ihr Wort wie ihre Tat den spirituellen Gang der Kirche in der Welt erleuchtet und erleuchten ihn weiterhin. So erwiesen sie sich nicht nur als strahlende Beispiele von Männern, die das größere Interesse der Kirche Gottes vor alle persönlichen oder weltlichen Bedürfnisse gestellt haben, sondern ebenso auch als das diachronisch festgelegte Kriterium für eine fortgehende Festigung des gesunden Funktionierens des kirchlichen Gedächtnisses.

Eure Heiligkeit repräsentieren die zwei Jahrtausende der historischen Entwicklung der westlichen Christenheit und Sie sind sich wohl bewusst des unschätzbaren Beitrages der griechischen heiligen Väter des Ostens für die Ausformung des geistlichen Erbes der christlichen Welt im Westen, so beispielsweise der hll. Athanasios des Großes, Basileios des Großen, Gregorios des Theologen, Johannes Chrysostomos, Kyrillos von Alexandreia, Irenaios von Lyon oder Maximos des Bekenners. Ohne sie wäre die Ausbildung der westlichen Tradition in ihrer Fülle schwieriger, wenn nicht unmöglich gewesen. Dies lässt sich leicht ersehen aus den Erklärungen über die Beziehungen der römischen Katholiken zur Orthodoxen Kirche, die das Zweite Vatikanische Konzil (1961-1965) gemacht hat. Ebenso haben Eure Heiligkeit in der jüngeren Enzyklika "Ut unum sint" vorgeschlagen, dass alle Differenzen, die die Communio in sacris unterbrochen haben, auf der Basis der patristischen und der sonstigen kirchlichen Tradition des ersten Jahrtausends behandelt werden sollen.

Eure Heiligkeit werden sich ebenso bewusst sein, dass die Orthodoxe Kirche, die sich fest an die gemeinsame Tradition des ersten Jahrtausends gehalten hat, das ganze Mysterium der göttlichen Heilsökonomie in Christus lebt und erfährt, besonders der hl. Eucharistie, und zwar nicht allein als ein Gedächtnis, sondern als fortdauernde Manifestation des Heiligen Geistes, der die ganze Einrichtung der Kirche zusammenfügt und erhält. In ihr ist auch die klingende Stimme der westlichen Väter bewahrt worden, so  beispielsweise der hll. Cyprian von Karthago, Ambrosius von Mailand, Augustinus von Hippo, Leo von Rom, Gregorius des Dialogen, Martinus des Bekenners, Papstes von Rom und anderer. Durch ihre Stimmen wurde die Gemeinschaft im Glauben im Band der Liebe gestärkt. Wir sehnen uns daher, zu dieser Einheit zurückzukehren. Daher "bemühen wir uns zu bewahren die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens", damit wir alle den Punkt erreichen, da wir bekennen "einen Leib und einen Geist, wie auch wir alle berufen sind in einer Hoffnung auf Grund unserer Berufung: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist" (Eph 4, 3-6).

Aufrichtig möchten wir mit dem Segen des Herrn für die  Bildung eines vereinten Europas wirken. Wir begrüßen Ihre Entscheidung, die erleuchtende und zivilisierende Mission unserer griechischen Heiligen Kyrillos und Methodios von Makedonien aus in Europa anzuerkennen. Die Zeit ist gekommen, da wir zusammenarbeiten müssen, um die slawischen,  baltischen und anderen europäischen Völker, sowohl jene, die orthodox sind, wie auch jene, die es nicht sind, und auch Zypern im Schoß des Vereinten Europa zu begrüßen.

Es sollte vermerkt werden, dass die apostolische Insel Zypern, obwohl sie schon seit einem Vierteljahrhundert als Folge einer barbarischen Teilung leidet, als ein Opfer brutaler ethnischer Säuberung, obwohl sie Hekatomben von toten und vermissten Martyrern für die Freiheit zu erdulden hatte und fortgesetztem Vandalismus und Plünderungen seiner schönsten christlichen Monumente ausgesetzt ist, bislang noch keine einzige Sympathieerklärung von Eurer Heiligkeit vernehmen konnte, obwohl Sie häufig und nachweislich zu Gunsten verschiedener Völker unseres Planeten interveniert haben.

Die Zeit ist gekommen, unsere Anstrengungen zu vereinen, um sicherzustellen, dass Europa ein christliches Land bleibt, unbeschadet der offensichtlichen Tendenz, seine Nationen in laizistische Staaten umzuwandeln und ihre christliche Identität zu verneinen. Die Zeit ist für uns gekommen, für ein vereintes Europa zu wirken, dass seine Minderheiten ebenso respektiert wie die Freiheit jedes einzelnen seiner Völker, seinen Glauben, seine Sprache, seine Kultur und seine Tradition zu bewahren, mit anderen Worten, seine geistliche Identität.

Indem wir immer den Willen des Herrn vor Augen haben, sollten wir weder dafür arbeiten, den Einfluss der einen Kirche auf Kosten der anderen zu vermehren, noch dafür, unsere Überlegenheit auf der Grundlage weltlicher Kriterien zu verstärken, die unserer Spiritualität fremd sind, sondern dafür, dem unersättlichen Appetit der Ungerechtigkeit entgegenzutreten, das Leiden der Kinder Gottes zu mildern, dem Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts das eine Evangelium des Lebens, der Gnade und der Freiheit zu bringen, die Hoffnung des Glaubens weiterzureichen an den Menschen der Gegenwart, der trotz aller erlangten materiellen Güter und technologischen Fortschritte so sehr leidet an dem Fehlen von Hoffnung, innerem Frieden und Sicherheit.

Eure Heiligkeit, von ganzem Herzen wünschen wir Ihnen einen gesegneten Aufenthalt in unserem Heimatland. Mehr noch: Wir wünschen, dass Ihr Besuch den Anbeginn einer positiven Entwicklung in der großen Sache der Einheit aller bedeute und dass er zur Ehre Gottes gereiche.

Amen!

Ansprache Papst Johannes Pauls II.

Eure Seligkeit,
ehrwürdige Glieder des Heiligen Synods,
verehrte Bischöfe der Orthodoxen Kirche von Griechenland,

Christos anesti!

  1. In der Osterfreude grüße ich Sie mit den Worten des Apostels Paulus an die Kirche in Thessaloniki: "Der Herr des Friedens gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise" (2 Th 3, 16).
      
    Es erfüllt mich mit großer Freude, Eure Seligkeit am Sitz des Primas der Orthodoxen Kirche von Griechenland zu treffen. Ich erbiete den Gliedern des Heiligen Synods und allen Hierarchen herzlichste Grüße. Ich grüße den Klerus, die monastischen Gemeinschaften und die Gläubigen im Laienstand in diesem gesamten vortrefflichen Land. Friede sei mit Euch allen!

  2. Als erstes möchte ich Ihnen die Zuneigung und Achtung der Kirche von Rom ausdrücken. Wir teilen gemeinsam den apostolischen Glauben an Jesus Christus als Herrn und Heiland; wir haben gemeinsam das apostolische Erbe und das sakramentale Band der Taufe; und darum sind wir alle Glieder der Familie Gottes, dazu berufen, dem einen Herrn zu dienen und der Welt das Evangelium zu verkünden. Das Zweite Vatikanische Konzil rief die Katholiken dazu auf, Glieder der anderen Kirchen "als Brüder und Schwestern im Herrn" (Unitatis Redintegratio, 3) zu betrachten, und dieses übernatürliche Band der Brüderlichkeit zwischen der Kirche von Rom und der Kirche von Griechenland ist stark und beständig.
      
    Sicherlich, wir tragen die Last von vergangenen und gegenwärtigen Kontroversen und beständigen Missverständnissen. Aber diese können und müssen im Geiste der gegenseitigen Liebe überwunden werden, denn dazu hat der Herr uns aufgerufen. Es ist eindeutig, dass ein Bedürfnis nach einem befreienden Prozess der Bereinigung der Erinnerung besteht. Für die vergangenen und gegenwärtigen Anlässe, bei denen Söhne und Töchter der Katholischen Kirche durch Taten oder Unterlassungen gegen ihre orthodoxen Brüder und Schwestern gesündigt haben, möge der Herr uns Vergebung gewähren, das erbitten wir von ihm.
      
    Einige Erinnerungen sind besonders schmerzlich, und einige Ereignisse der ferneren Vergangenheit haben bis zum heutigen Tag tiefe Wunden in den Gemütern und Herzen der Menschen hinterlassen. Ich denke an die verhängnisvolle Einnahme der kaiserlichen Stadt Konstantinopel, die so lange die Bastion des Christentums im Osten war. Es ist tragisch, dass die Angreifer, die ausgezogen waren, um freien Zugang für Christen zum Heiligen Land zu sichern, sich gegen ihre eigenen Glaubensbrüder wandten. Die Tatsache, dass es sich um Lateinische Christen handelte, erfüllt Katholiken mit großem Bedauern. Wie könnten wir es versäumen zu sehen, dass hier das mysterium iniquitatis in den Herzen der Menschen wirkt? Gott alleine ist der Richter, und daher vertrauen wir die schwere Bürde der Vergangenheit seiner unendlichen Gnade an und flehen ihn an, die Wunden zu heilen, die noch immer Leiden im Geist des griechischen Volkes verursachen. Gemeinsam müssen wir an dieser Heilung arbeiten, wenn das gegenwärtig entstehende Europa seiner Identität treu sein will, die untrennbar vom christlichen Humanismus ist, den Ost und West teilen.
      

  3. Bei diesem Treffen möchte ich Ihnen,  Eure Seligkeit, auch versichern, dass die Kirche von Rom mit echter Bewunderung auf die Kirche von Griechenland bezüglich der Weise, in der sie ihr Erbe des Glaubens und christlichen Lebens bewahrt hat, blickt. Der Name Griechenland ertönt, wo immer das Evangelium verkündet wird. Die Namen der Städte sind Christen überall durch die Lesungen aus der Apostelgeschichte und den Briefen des hl. Paulus bekannt. Von der apostolischen Zeit an bis heute war die Orthodoxe Kirche von Griechenland eine reiche Quelle, von der auch die Kirche des Westens für ihre Liturgie, Spiritualität und ihr Recht geschöpft hat (vgl. Unitatis Redintegratio, 14). Die Väter, auserwählte Ausleger der apostolischen Tradition, und die Konzilien, deren Lehren ein bindendes Element des ganzen christlichen Glaubens sind, sind ein Erbe der gesamten Kirche. Die universale Kirche kann niemals vergessen, was die griechische Christenheit ihr gegeben hat, oder aufhören, für den beständigen Einfluss der griechischen Tradition zu danken.
      
    Das Zweite Vatikanische Konzil weißt Katholiken auf die orthodoxe Liebe zur Liturgie hin, durch die die Gläubigen "in Gemeinschaft mit der Heiligsten Dreieinigkeit treten und Teilhaber an der göttlichen Natur werden" (Unitatis Redintegratio, 15). Indem sie durch die Jahrhunderte gottgefällige liturgische Anbetung dargebracht hat, indem sie das Evangelium auch in dunklen und schwierigen Zeiten verkündet hat, indem sie unfehlbare didaskalia dargeboten hat, die von der Heiligen Schrift und der großen Tradition der Kirche inspiriert ist, hat die Orthodoxe Kirche von Griechenland eine Schar von Heiligen hervorgebracht, die für das gesamte Gottesvolk vor Gottes Gnadenthron eintreten. In den Heiligen sehen wir die Ökumene der Heiligkeit, die uns schließlich mit Gottes Hilfe in volle Gemeinschaft bringen wird, welche weder Absorption noch Fusion ist, sondern eine Zusamenkommen in Wahrheit und Liebe (vgl. Slavorum Apostoli, 27).
     

  4. Schließlich, Eure Seligkeit, möchte ich die Hoffnung ausdrücken, dass wir gemeinsam auf den Wegen des Reiches Gottes gehen mögen. 1965 haben der Ökumenische Patriarch Athenagoras und Papst Paul VI. in einem gemeinsamen Akt die Verurteilung der Exkommunikation zwischen Rom und Konstantinopel aus der Erinnerung und dem Leben der Kirche beseitigt und gestrichen. Diese historische Geste steht als ein Aufruf für uns, noch leidenschaftlicher an der Einheit, die der Wille Christi ist, zu arbeiten. Die Trennung zwischen den Christen ist eine Sünde vor Gott und eine Schande vor der Welt. Sie ist ein Hindernis bei der Verbreitung des Evangeliums, weil sie unsere Verkündigung weniger glaubwürdig macht. Die Katholische Kirche ist davon überzeugt, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun muss, um "den Weg des Herrn zu bereiten" und "seine Pfade zu ebnen" (Mt 3, 3); und sie weiß, dass dies in Gemeinschaft mit anderen Christen getan werden muss - in brüderlichem Dialog, in Kooperation und im Gebet. Wenn bestimmte Vereinigungsmodelle der Vergangenheit nicht mehr dem Impuls zur Einheit entsprechen, den der Heilige Geist in jüngster Zeit in Christen überall erweckt hat, müssen wir um so offener und aufmerksamer dem gegenüber sein, was der Geist nun zu den Kirchen sagt (vgl. Off 2, 11).
      
    In dieser österlichen Zeit wenden sich meine Gedanken der Begegnung auf dem Weg nach Emmaus zu. Ohne es zu wissen gingen die beiden Apostel mit dem auferstandenen Herrn, der ihr Lehrer wurde, als er ihnen die Schrift "ausgehend von Moses und allen Propheten" (Lk 24, 27) auslegte. Aber sie verstanden seine Lehre zuerst nicht. Erst als ihre Augen geöffnet wurden und sie ihn erkannten verstanden sie. Da erkannten sie die Macht seiner Worte an und sagten zu einander: "Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg und uns die Schrift öffnete?" (Lk 24, 32). Die Suche nach Versöhnung und voller Gemeinschaft bedeutet, dass auch wir in der Schrift suchen müssen, um von Gott gelehrt zu werden (vgl. 1 Th 4, 9).

Eure Seligkeit, im Glauben an Jesus Christus, "den Erstgeborenen von den Toten" (Kol 1,18), und im Geiste brüderlicher Liebe und lebendiger Hoffnung möchte ich Ihnen versichern, dass die Katholische Kirche unwiderruflich dem Weg der Einheit mit allen Kirchen verpflichtet ist. Nur in dieser Weise wird das eine Gottesvolk in der Welt als Zeichen und Instrument der innigen Vereinigung mit Gott und der Einheit des gesamten Menschengeschlechts erstrahlen (vgl. Lumen Gentium, 1).


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