Kirchliches Leben : Diakonia


Die orthodoxe Kirche vor der Herausforderung von AIDS

von Metropolit Christodoulos von Demetrias
(jetzt: Erzbischof von Athen und Ganz Griechenland)

Die neuesten Zahlen der weltweiten Verbreitung von AIDS sind alarmierend und entmutigend. Sie sind alarmierend, insofern sie den starken Anstieg der Zahl der Opfer dieser unheilbaren Krankheit zeigen; sie sind entmutigend, da sie aufweisen, daß die Wissen-schaft immer noch nicht diese Geißel bewältigen kann, die die Menschheit heimsucht. Es scheint so, als haben Pasteurs und Flemmings Entdeckungen nichts ihresgleichen heutzutage in Bezug auf AIDS. So hat sich also der Glaube der Nachkriegszeit an die Allmacht des Menschen als illusorisch erwiesen. Wieder scheint der Tod unbesiegbar zu sein. Dennoch geben alle Staaten und internationale Organisationen ihr Bestes, um Wis-senschaftler zu unterstützen, die von medizinischer, psychologischer und sozialer Seite an die Situation herangehen und versuchen, die Ursachen dieser Krankheit und Mittel zum Schutz vor ihr zu entdecken. Dank dieser Bemühungen wissen wir eine Menge über Übertragung und Schutz. Wir hören nicht auf zu beten für den Sieg der Wissenschaft über AIDS und um die Entdeckung eines Impfstoffs, der Millionen von Menschen, besonders unschuldige Babys und Kinder, vor dem sicheren Tod rettet. Dennoch müssen wir uns gründlich mit der Situation beschäftigen und alle ihre Aspekte bedenken. Ich meine damit, in theologischer Sichtweise an die Situation heranzugehen und zu sehen, wie unsere Kirche ihr begegnet. Das wäre interessant, denn verschiedene Kirchen weltweit verkünden ihre Ansichten zu AIDS. Ich glaube, daß die Stellungnahme der Orthodoxen Kirche eine unschätzbare Hilfe wäre für Menschen bei ihrem Verhalten in ihrem Sexualleben sowie in ihrer Betrachtungsweise der großen Probleme, die durch die Existenz und die Verbreitung dieser Krankheit verursacht werden. Gemäß dem hl. Basileios betrachtet das christliche Denken das Phänomen der Krankheit philosophisch und entdeckt die verborgene Welt eines fruchtreichen und kreativen Wettbewerbs zwischen dem Vergänglichen und dem Ewigen, zwischen Leben und Tod.

1. Das erste, das man von einem Kirchenvertreter zu hören erwartet, ist, daß diese Krank-heit eine Strafe Gottes sei, die Folge seines Zornes über den Ungehorsam der Menschen gegenüber seinem Gesetz. Viele Prediger haben hierzu beigetragen, indem sie sündhafte Menschen anklagen, sie würden gerechtermaßen bestraft. Nach ihrer Anschauung straft Gott, er vergilt, haßt Sünder und läßt sie in der Hölle schmoren. Das kann nicht wahr sein. Gemäß dem Evangelium wird Gott nicht zornig, er übt keine Rache, er findet keinen Gefal-len an menschlichem Leid. Gott ist nicht verantwortlich für dieses Leiden, denn er ist gü-tig, barmherzig und vergebungsvoll. Gott ist Liebe. Der Sünder selbst ist verantwortlich für sein Leid. Es ist seine freie und unbeeinflußte Entscheidung zu sündigen - da Gott nicht in die menschliche Angelegenheiten eingreift. Der Sünder selbst hat entschieden, Gottes Gnade und Erleuchtung zurückzuweisen. Derjenige, der läuft, puntet und mit einer Arm-banduhr am Handgelenk schwimmt, der zerstört diese. Und der, der Gottes Gesetz bricht, verdammt sich selbst zur Bestrafung.

2. Zuerst erschien es so, als sei AIDS eine Krankheit, die nur homosexuelle Menschen betrifft. Die Wissenschaft bewies, daß sich bisexuelle und heterosexuelle Menschen eben-falls infizieren können, wenn ihr Sexualverhalten keine Grenzen kennt. Menschen, die ihre Partner wechseln und ihre Instinkte mißbrauchen, um ihr Fleisch zu befriedigen, sind in Gefahr. Unter der Maske der "sexuellen Befreiung" wurden Perversionen von vielen Menschen akzeptiert. Die Gesetze der Natur werden von den Menschen übertreten, die im Gegenzug dafür bestraft werden. Die Natur übt ihre Rache, z.B. ist das ökologische Un-gleichgewicht die Folge der Zügellosigkeit im menschlichen Verhalten. Die Kirche weist Sexualität nicht zurück, sondern betrachtet sie als Gottes Geschenk an uns. Die Kirche lehnt aber die Trennung zwischen Fleisch und Geist ab. Sexualität ist nicht die sofortige Befriedigung des Fleisches. Sie ist verbunden mit beiden Teilen der menschlichen Natur: der körperlichen und der geistigen. Sie bringt sie beide zusammen und hilft so, die Be-deutung des Lebens zu entdecken. Die Kirche lehrt, daß wahres Sexualleben hinzielt auf die Teilhabe an allen Qualitäten des Partners, was sowohl zu körperlicher als auch zu geistiger Vereinigung führt, d.h. zu menschlicher Perfektion. Die Befriedigung des Fleisches ist nur ein Bild der wahren Sexualität; sie ist unbefriedigte Leidenschaft, eine ein-seitige und inkompatible Beziehung mit psychopathologischer Unausgewogenheit. Inner-halb der Kirche ist die Vereinigung zweier Menschen in den Augen Gottes gesegnet. Dabei zielt die Kirche auf die Transformation der Person und die Regeneration der Partner, will sie von der Selbstbezogenheit abbringen, die vom Fleisch genährt wird. Ein wahres Sexualleben beinhaltet nicht nur nehmen, sondern auch geben; es ist hauptsächlich geben. Die Sexualität wurde von den anderen grundlegenden Seiten unseres Lebens isoliert, und das Ergebnis ist AIDS. Unsere Gesellschaft unterstützt und verzeiht flüchtige und voreheliche sexuelle Beziehungen, sogar Ehebruch. Wir würden unsere Mission als Diener der Kirche verraten, wenn wir angesichts dieses Phänomens still blieben, wenn wir nicht den Wert von Liebe und Treue innerhalb der Ehe unterstrichen, wenn wir nicht Menschen zu Enthaltsamkeit und Respekt vor ihrem Körper wie vor ihrem Partner aufriefen; für uns Christen ist unser Leib der Tempel Gottes, er ist ein Teil des Leibes Jesu. ...

3. Griechische Menschen wurden ihrer traditionellen Lebensweise durch ausländische Lebensmuster entfremdet. Ausländer sind nicht dafür zu kritisieren, daß sie ihren eigenen Lebensstil haben. Es liegt in unserer Verantwortung, und vor allem in der des Staates, daß unsere traditionelle Kultur von der europäischen unterminiert wurde, daß unser Volk schließlich glaubte, daß der westliche Lebensstil besser sei als der griechische. Junge Menschen schlucken alles, was modern und westlich ist. Die Massenmedien zeigen das Hedonistische, das Amouröse, das Unmoralische. Dadurch sind die Menschen versucht zu glauben, daß dies das Wahre ist; aber Menschen aus dem Westen sind nicht so verderbt, wie sie in den Massenmedien erscheinen. Alle
Elemente unserer Tradition werden zerstört - wenn auch in einem langsamen Tempo. Institutionen wie die Familie werden für altmodisch gehalten. Wir wären scheinheilig, wenn wir AIDS oder Drogen bekämpften, aber tolerierten, daß unsere Tradition allmählich zerstört wird. Auf der einen Seite versuchen wir, den Feind zu bekämpfen. Auf der anderen Seite lassen wir unsere Rücken-deckung offen. Die Kirche ist nicht konservativ, sie lehnt den Fortschritt nicht ab. Sie ist nur der Wächter einer Tradition, die immer passend und lebendig ist. Da AIDS aufgetreten ist, muß nun jeder zu einem moralischen Leben zurückkehren, d.h. zur Institution der Familie. Die sexuelle Revolution ist nicht die Lösung des Problems, sie ist Zersetzung; sie zeigte den Menschen Illusionen, Menschen, die nun in Gefahr sind. Die Lösung ist die Rückkehr zur Familie, der monogamen und klugen sexuellen Beziehung. Die Menschen sollten zu ihrem Guten bereuen, nicht zur zeitweilig. Das ist keine einfache Sache. Sie werden sich den Umständen anpassen und zu einem moralischen Leben zurückkehren - bis AIDS heilbar geworden ist; dann werden sie wieder ihre "Unabhängigkeit" erklären - bis eine neue Krankheit sie wieder zu Sinnen bringt. Aber ist das das Verhalten von freien Menschen? Ist es klug, daß wir nur einen strafenden Gott fürchten?

4. Auf einem Faltblatt aus Frankreich ist ein kleines Kind zu sehen, das zu einem anderen sagt: "Ich habe AIDS! Willst du mit mir spielen? Bitte, sag Ja!" Dies spricht die Frage an, wie die Gesellschaft mit HIV-positiven Menschen oder AIDS-Kranken umgeht. Verschiede-ne Symptome einer Massenhysterie sind aufgetreten. AIDS-Patienten verlieren ihre Arbeitsplätze, Ärzte verweigern Untersuchungen, Familien werfen sie hinaus und manche schlagen vor, sie in ein Ghetto zu stecken. Dies ist eine ausgesprochen unchristliche und inhumane Form des Rassismus. Die Europäische Union hat bereits medizinische Test an den Grenzen verboten, da dies bedeuten würde, daß Menschen abgewertet würden. Neue Untersuchungen haben ergeben, daß nicht nur Homosexuelle infiziert sein können; daher dürfen sie nicht stigmatisiert werden. Keiner kann über den anderen urteilen, da jeder selbst in Gefahr ist. Wir müssen alle dem Beispiel der heiligen Väter der Kirche folgen und einen geistlichen Zugang zu Schmerz und Krankheit entdecken. Das wird uns dazu führen, Kranke richtig zu behandeln. Unsere eigennützige Gesellschaft behandelt die Tragödien anderer Menschen mit Unmenschlichkeit; sie versucht Opferlämmer zu finden, um so die eigenen Sünden loszuwerden. Kranke sind nicht verdammt, und ihre Krankheit ist nicht nur ihre eigene Schuld. Sie sind unsere Brüder und Schwestern und sie bedürfen unserer Liebe und Gefühle. Außerdem: "Derjenige unter euch, der ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Viele Kranke werden richtige Philosophen, wenn sie dem Tod näherkommen; Antony Perkins sagte kurz vor seinem Tod (13.9.1992): „Viele Menschen denken, daß AIDS eine Strafe Gottes sei. Ich glaube, daß es geschickt wurde, damit Men-schen lernen einander zu lieben, Mitleid und Verständnis zu haben. Ich habe mehr über Liebe und Uneigennützigkeit von Kranken gelernt als irgendwo sonst in dieser wettbewerbsorientierten und gnadenlosen Welt". Er drückte die wahre Menschlichkeit und Soli-darität aus, die Menschen als ein Resultat ihrer Krankheit haben. Der hl. Gregorios der Theologe sprach über die Leprakranken seiner Zeit; er nennt sie "unglückliche Körper", "ein furchtbarer und elender Anblick", "lebende Tote" und "einsam und isoliert" von anderen Menschen, die damals dachten, daß Krankheit schlimmer wäre als schlechte Absich-ten. "Diese Leprösen haben das Bedürfnis, an der Liturgie teilzunehmen". Wir sehen die Ähnlichkeit zu AIDS-Patienten. Sie sind isoliert und verachtet. Manche kehren um zu Gott und hoffen. Andere hassen die Gesellschaft, die sie für verantwortlich halten, daß sie Kranke sind. Unsere Gesellschaft wich zurück vor AIDS und hat sich als selbstsüchtig und egozentrisch erwiesen und unfähig zum Verständnis der Tragödie eines Menschen. Die heiligen Väter der Kirche aber zeigen ihre Liebe. Der hl. Basileios behandelte nicht nur seine Patienten persönlich, sondern er küßte auch ihre Geschwüre. Andere Mönche lebten mit Leprakranken in ihrer Zelle zusammen, so daß sie diese bis zu ihrem Tod behandeln konnten. Es gibt Beispiele wie diese auch heute; Ärzte und Schwestern behandeln AIDS-Patienten mit Aufopferung, Liebe und menschlichem Verständnis. Die öffentliche Meinung sollte empfindsamer sein; aber wir dürfen nicht enttäuscht sein. Wir brauchen viel Zeit und Kampf um zu wissen, wie man ein christliches Leben führt. Menschen preisen Gesundheit und preisen Krankheit. Gregorios predigt: "Bewundere nicht die Ge-sundheit und verdamme nicht die Krankheit". Oftmals führt Gesundheit zur Sünde und Krankheit zum Heil. Nach dem ersten Schock setzten sich AIDS-Patienten mit dem Gedankenan den Tod auseinander, kommen näher zu Gott und bitten um seine Gnade. Ein AIDS-Patient mag mehr Gnade Gottes besitzen als ein Gesunder; er ist dem Tod näher, muß ihn überwinden. ...

5. Die Gesunden haben die Verantwortung, Menschlichkeit und Solidarität gegenüber den Kranken zu zeigen, die im Gegenzug dafür verantwortlich sind, die Gesunden zu schützen. Die Tatsache, die Zeitungen aufdeckten, daß ein Kranker absichtlich gesunde Men-schen infizierte, um sich so an der Gesellschaft zu rächen, war tragisch. Der Respekt vor dem Leben und der Gesundheit ist ein essentieller moralischer Wert. Die französischen Bischöfe sagen: "Kranke haben die Verantwortung vorsichtig zu sein, so daß sie andere nicht anstecken. Wir rufen jeden dazu auf, sich das Gewicht vor Augen zu führen, das diese Menschen sich aufgeladen fühlen. Sie fühlen, daß ihr eigenes Leben in Gefahr ist. In den kommenden Jahren werden tausende Menschen HIV-positiv sein. Das Problem ist, ob sie die Stärke finden werden, Hoffnung und andere Zeichen von Gottes Zuwendung zu treffen". Es ist erwiesen, daß Kranke oder HIV-Positive psychologische Probleme haben, während die Gesellschaft immer noch unfähig ist, die Gezeichneten anzunehmen und ihnen zu helfen. Das vergrößert den Schmerz der Kranken und erschwert es ihnen noch mehr, ihre Angst zu überwinden. Zuerst sind die Kranken in Panik, aber dann finden sie sich mit ihrem Zustand ab. Sie müssen ihre geistigen Kräfte mobilisieren und mit Hilfe anderer Menschen kämpfen, obwohl nichts Optimismus zu rechtfertigen scheint. Aber die Hoffnung, die ein Mensch trägt, ist genauso unbegrenzt wie sein Wille.

6. Nun kommen wir zum Schutz. Die Handlungsweise unseres Staates basiert auf dem Motto: "Sag Ja´ zur Liebe, Nein zu AIDS", und das Kondom scheint das Schutzmittel ge-gen die Krankheit. Ich denke, dies führt zu einem toten Punkt: AIDS mit Kondomen zu bekämpfen ist wie Lungenkrebs mit Zigarettenfiltern zu bekämpfen. Wir sollten diese Art der Lösungen nicht an unser Volk weitergeben und sie ein unmoralisches Leben führen lassen. Es wäre besser, wir lehrten unseren Kindern die verantwortliche, traditionelle, moralische und christliche Lebensweise. Vor wenigen Jahren gab es eine Fernsehserie, de-ren Held ein Bankräuber war, der immer erfolgreich war. Ich denke, daß unser Staat ähn-lich versucht, die Kinder zu lehren, sich gegen AIDS zu schützen: "Benutze ein Kondom, und du wirst sicher sein". Aber das kann unmöglich das Ziel eines Staates sein. Wir können Menschen nicht dazu ermutigen, ein verkehrtes Sexualleben zu haben, das das Geistige vom Biologischen trennt und Sexualität zu einer automatischen und mechanischen Handlung degradiert und das Menschen davon abhält, die wahre Einheit zu erreichen. ... Wir schlagen nicht die Abschaffung des Kondoms vor. Wir sind nur nicht der Meinung, daß dafür geworben werden sollte nach dem Motto: Man kann durchaus flüchtigen Sex haben mit Fremden ohne die Gesundheit zu riskieren! Die Kirche kann diesem Vorschlag nicht zustim-men, der ´a priori´ die monogame Beziehung innerhalb der traditionellen Ehe ausschließt. Wir fordern nicht, daß der Staat Moral lehrt; aber das Wenigste, was er tun kann, ist, den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu folgen: "Der beste Weg zu vermei-den, sich AIDS durch Sex zuzuziehen, ist, eine monogame Beziehung mit einem treuen gesunden Partner zu haben oder überhaupt kein Sexualleben zu führen. Wenn nicht, so muß Sex mit Prostituierten oder Menschen, die viele Sexualpartner hatten, vermieden werden. Jemand, der Sex mit irgendjemandem hat, der infiziert sein könnte, muß während des gesamten Verkehrs ein Kondom benutzen". Die WHO schlägt neue Ideen zum Schutz vor. Monogamen Beziehungen wird mehr Wert zugesprochen; auch zur Abstinenz von Sex und schließlich zum Gebrauch von Kondomen durch jene, die sich nicht enthalten können. Die WHO stimmt der Kirche zu. Unser Staat hat diesbezüglich andere Ansichten. Sogar Fernsehkomiker machen Satire über monogame Beziehungen. Es ist höchste Zeit, daß wir der Jugend sagen: "Die beste Weise des Schutzes sind Enthaltsamkeit und Se-xualität nur innerhalb der Ehe!" Dies ist der einzige Weg, den Stier bei den Hörnern zu packen. Das Kondom muß als letzte und äußerste Art des Schutzes betrachtet werden, da es diesen nicht absolut gewährleisten kann. Der beste Schutz ist, wenn Menschen geistlich erwachsen werden und jedem erlauben, das Bild Gottes in des anderen Gesicht zu sehen. Die Existenz von AIDS ist das Ergebnis der sozialen Unfähigkeit  und der Krise moralischer Prinzipien und Ansichten. Ehrliche Information und Sexualerziehung  kann Menschen helfen, den Wert der Sexualität zu finden. Die Kirche sagt nicht einfach nur ´nein´ zu einem bestimmten Verhalten, sondern sie schlägt auch einen neuen bedeutungsvollen Lebensstil vor, ein neues Ideal. Wenn wir dieses Ideal akzeptieren, werden wir klar sehen, daß die menschliche Würde beleidigt wird, wenn eine Kampagne gegen AIDS weit entfernt von der wirklichen Bedeutung von Sexualität wurzelt und schließlich zu sozia-ler Korruption führt. Sokrates sagte, daß es falsch sei, Gesundheit von Vernunft zu trennen.

7. Neueste Untersuchungen zweifeln an, daß der Virus für die fatale Krankheit verantwortlich ist. Man sagt, daß es eine riskanter Lebensweise sein könnte, die zum Tod führt. Da-her sollte jeder über diese Lebensweise informiert sein. Kondome und Einwegspritzen können die Übertragung von Hepatitis und anderen Krankheiten stoppen, aber sie schützen nicht jeden vor Immunschwächen, die durch Heroin, Kokain und Antibiotika-Mißbrauch verursacht werden. Kondome und Spritzen anzupreisen ohne dabei auf die Gefahr dieser Lebensweise hinzuweisen hat daher die Verbreitung dieser Krankheit zur Folge. Es ist höchste Zeit, daß wir diejenigen anklagen, die Menschen auf den falschen Weg führten. Es ist die Kirche, die die Wahrheit vorschlägt: Ein Wechsel des Lebensstil gemäß Gottes Willen ist vonnöten. Medikationen können Leben nur verlängern. Ein sinn-loses verlängertes Leben ist ein fürchterliches Gefängnis. Wir müssen den Tod überwinden, nicht einfach nur das Leben verlängern. George Bush lehnte kostenlose Kondome für sein Volk ab: "Das werde ich niemals tun. Es ist nicht recht, eine Lebensweise, die Institution der Familie, alle grundlegenden Werte aufzugeben".

8. AIDS ist ein Problem für die Kirche. Die Kirche muß handeln mit Blick auf die Gesunden wie die Kranken, auf die Gesellschaft und die Jugend. Sie muß den Schwierigkeiten ins Auge blicken und die Kranken zur Hoffnung anspornen, ihr Gefährte sein und in das Zentrum des Rassismus treffen. Sie muß AIDS zu einem Symptom eines entfremdeten Lebensstils erklären. Sie muß die Selbstsucht überwinden und das wahre Sexualleben lehren. Sie muß Freiwillige mobilisieren, den unglücklichen Opfern Mut und Hoffnung zu geben, sie vor dem Stigmatisiert-Werden zu bewahren und die Angst zu bekämpfen. Sie muß jeden lehren, daß es so etwas wie "sicheren Sex" nicht gibt, und jedes Mitglied der Kirche muß ein Pionier im Kampf gegen AIDS werden, so wie die vielen Kleriker aus Los Angeles, die sich freiwillig meldeten, neue Medikationen gegen AIDS zu testen. Die Kirche ist heute Zuflucht der Kranken. Jesus gibt ihnen Hoffnung und Stärke. Ein 26jähriger griechischer Kranker erzählte: "Ich mochte keine andauernden Beziehungen, da ich keine Verpflichtungen wollte. In den Sommerferien hatte ich viele ´Abenteuer´ mit griechischen und ausländischen Mädchen. Ich hätte gelacht, hätte ein Freund mich auf AIDS ange-sprochen. Ich war frivol, unreif und undankbar zum Leben und zu Gott". Aber warum erwähnt er Seinen Namen so oft? "Ich bin zu Gott zurückgekehrt. Ich verbringe viele Stun-den, damit, das Evangelium zu lesen. Welch eine Liebe und Stärke es birgt. Welche Botschaften! Wenn man es glaubt, dann macht es das Herz froh. Warum sollte ich nun Seine Größe kennen, da es so spät ist ... Ich bin sehr traurig, daß ich es noch nicht geschafft habe, Stärke und Hoffnung von Gott zu bekommen, so daß ich ohne Angst leben kann und Seinem Namen für jeden Moment des Lebens, den Er mir schenkt, danke".

Die Kirche hat immer den Kranken und jedem, der leidet, beigestanden. Nun fühlt sie, daß sie gerufen ist, selbst mit der neuen Tragödie der Menschen fertigzuwerden. Sie hört die Opfer sagen: "Ich will leben". Wir hören die Jugend sagen: "Wir wollen das wahre Leben leben". Wir hören andere sagen: "Wir werden das Problem mit Scharlatanerie lösen". Wir hören auch den hl. Paulus sagen: "Die Wahrheit in Liebe sagen .. ". Und schließlich antworten wir: "Es gibt Hoffnung! Überwindet eure Ängste mit Liebe! Ihr jungen Menschen, seid erwachsen und verantwortlich! Wir brauchen eine neue Orientierung. Bei Jesus ist Sicherheit und Würde und das Leben ist bedeutungsvoll. Laßt AIDS uns alle lehren einander zu lieben, einer mit dem anderen die Schmerzen zu teilen und mit Verständnis fürein-ander zu leben. Es liegt an uns, den Fluch zu wenden in eine Gelegenheit, unsere Spiri-tualität und Menschlichkeit zu offenbaren!"

Übersetzung aus dem Englischen von Kerstin Keller


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