Kirchliches Leben : Aus der Geschichte der Kirche


Der historische Weg der Orthodoxen Kirche in Deutschland

von Nikolaus Thon

Zur Familie der Orthodoxen Kirche in Deutschland gehören derzeit acht Bistümer, die ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben (oder wenigstens mit einigen Gemeinden dort vertreten sind, auch wenn sich ihr Sitz im Ausland befindet bzw. ihr jeweiliges Territorium über ein größeres Gebiet erstreckt). Gemeinsam repräsentieren sie die Gesamtheit der orthodoxen Christen in diesem Lande.

Ihre Existenz ist nicht die Folge einer einheitlichen Planung, sondern das Ergebnis eines mehrhundertjährigen dynamischen Prozesses der Zuwanderung und Ansiedlung von Orthodoxen in Deutschland, auf Grund dessen die Orthodoxie heute mit gut 1,2 Millionen Gläubigen die drittstärkste christliche Konfession des Landes ist.

Alle diese Bistümer stehen einerseits in einer jurisdiktionellen Bindung an die jeweiligen autokephalen Kirchen in der alten Heimat, haben aber andererseits in den letzten Jahren zunehmend enge Strukturen der Zusammenarbeit in Deutschland entwickelt, die nunmehr, genauer gesagt seit 1994, in einem Verband aller kanonischen Diözesen verwirklicht wird, der den Namen trägt "Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland / Verband der Diözesen".

Die Anfänge - Temporäre Gemeindebildungen

Erste Kontakte zwischen den Christen Deutschlands und der Orthodoxie ergaben sich schon am Ende des Mittelalters, allerdings sehr sporadisch, vor allem, wenn Gesandtschaften aus orthodoxen Ländern, zumeist aus Russland, deutschen Reichstagen beiwohnten und dort auch ihre Gottesdienste feierten. Vereinzelt kamen auch Geistliche aus dem Orient, die Unterstützung für ihre Gemeinden und Klöster unter osmanischer Herrschaft erbaten.

Erste orthodoxe Gemeindebildungen gehören erst dem ausgehenden 17. bzw. dem 18. Jahrhundert an und tragen zumeist auch noch einen temporären Charakter, so etwa jene für die Sänger eines russischen Chores, den Kaiser Petr I. dem preußischen König schenkte und für den 1718 eine Kapelle in Potsdam errichtet wurde, oder für die griechischen Kaufleute auf der Leipziger Messe, denen mit entsprechendem königlichen Privileg schon im 18. Jahrhundert die Einrichtung einer Gottesdienststätte dort erlaubt wurde, der etwa hundert Jahre später eine für die Rumänen folgte.

Selbst noch im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert trägt die Mehrzahl der orthodoxen Gottesdienststätten in Deutschland einen eher temporären Charakter, auch wenn inzwischen an die Stelle der provisorischen Einrichtungen teils architektonisch sehr gelungene Bauten getreten sind, die bis heute Sehenswürdigkeiten der entsprechenden Städte darstellen: Dies gilt für die zahlreichen russischen Kirchen an Badeorten ebenso wie für die Grabkapellen rumänischer oder russischer Fürstlichkeiten, die in Deutschland bestattet wurden. Oft wurden hier nur während der Sommermonate oder zu besonderen Gedenktagen Gottesdienste gefeiert. Bezeichnenderweise verfügten die beiden größeren hauptstädtischen orthodoxen Gemeinden, nämlich die russische in Berlin und die griechische in München, nicht über eigene Sakralbauten, sondern benutzten eine spätgotische, ehemals römisch-katholische Kirche, die ihnen der bayerische König zur Verfügung stellte, bzw. Räumlichkeiten in der Kaiserlich Russischen Botschaft.

Allerdings gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts Pläne zur Errichtung repräsentativer Kirchen in einigen Großstädten, etwa einer Kathedrale in Berlin, die dann der I. Weltkrieg zunichte machte. Im Verlaufe des Krieges, zumeist schon an seinem Beginn, wurden fast alle orthodoxen Gläubigen und Geistlichen, die den "Feindstaaten" Russland und später Rumänien angehörten, ausgewiesen und oft die Kirchen von deutscher Seite requiriert.

Sprunghafter Anstieg - Die Gemeinden der Emigranten

Hatte der Ausbruch des I. Weltkrieges das orthodoxe Leben kurzfristig fast zum Erliegen gebracht, so bedeutete sein Ende, vor allem die bolschewistische Machtübernahme in Russland, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche Flüchtlinge aus dem ehemaligen Russischen Reich nach Deutschland strömten. Zu Beginn der 20er Jahre lebten zeitweilig mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge russischer Staatsangehörigkeit in Deutschland.

Wenn auch die meisten von ihnen bald in andere Länder abwanderten, blieben doch genug, um einige neue orthodoxe Gemeinden zu gründen und die alten Kirchen mit einem bis dahin ungekannten Leben zu erfüllen. Der russischen Emigration ist auch die Gründung des ersten orthodoxen Bistums in Deutschland zu verdanken, das 1927 in Berlin unter der sogenannten "Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland" entstand, die selbst in Deutschland nur einen kleineren Teil der Emigranten umfasste und der damals schon sowohl das Ökumenische Patriarchat wie auch das Moskauer ihren Segen entzogen hatten.

Allerdings erfreute sich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 die russische Auslandskirche des besonderen Wohlwollens der neuen Reichsregierung, die ihrer deutschen Diözese 1936 als erster orthodoxer Einrichtung den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes verlieh und durch ein vom "Führer und Reichskanzler" Adolf Hitler persönlich unterzeichnetes Gesetz 1938 den russischen Kirchenbesitz in Deutschland übertrug. Damit war ein Prozess der Gleichschaltung eingeleitet; dieser betraf zuerst die Mehrzahl der russischen Gemeinden in Deutschland, die dem Ökumenischen Patriarchat unterstanden, seit sich 1931 Metropolit Evlogij (Georgievskij) und das von ihm geleitete Erzbistum der russischen orthodoxen Gemeinden in Westeuropa, das Anfang der 20er Jahre als westeuropäische Diözese des Moskauer Patriarchats gegründet worden war, dem Ökumenischen Patriarchen unterstellt hatte. Doch sollten später auch andere orthodoxe Gemeinden in Deutschland und den von diesem besetzten Gebieten in die Jurisdiktion der Auslandskirche teils mit Gewalt gezwungen werden: So wurde etwa der Pfarrer der griechischen Gemeinde an der Salvator-Kirche in München, der sich gegen ein solches Ansinnen wehrte, ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen.

Als einem Verbündeten Deutschlands zugehörig, blieben von der Gleichschaltung ausgenommen lediglich die rumänischen Gemeinden in Baden-Baden und in Berlin, wo 1939 bis 1945 eine rumänische Gemeinde bei der Botschaft existierte.

Die deutsche Okkupation großer Gebiete Ost- und Südosteuropas während des II. Weltkrieges hatte direkte Auswirkungen auf das orthodoxe Gemeindeleben in Deutschland: So kamen etwa mit der Verschleppung serbischer Kriegsgefangener auch die ersten serbischen orthodoxen Geistlichen. Am 6. Mai 1941 hielt Priester Milan Javanoviç unter offenem Himmel die erste Liturgie im Offizierslager in Osnabrück; zum Osterfest 1945 wurde im Konzentrationslager Dachau ein orthodoxer Gottesdienst von inhaftierten Serben, Griechen und Russen gefeiert.

Zahlreiche sogenannte "Ostarbeiter" aus der Ukraine, Weißrussland und Russland, sodann sowohl Kollaborateure wie Zwangsverschleppte aus zahlreichen von den Deutschen besetzten Ländern, auf deutscher Seite kämpfende einheimische Truppenteile und schließlich 1945 die aus den deutschen Lagern befreiten Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und Häftlinge ließen die Zahl der orthodoxen Christen im Reichsgebiet bzw. in den alliierten Besatzungszonen gegen Kriegsende und kurz danach erneut sprunghaft ansteigen. Auch jetzt versuchten zwar die meisten dieser "displaced people", so rasch als möglich Deutschland zu verlassen und nach Möglichkeit in die USA einzuwandern, aber es blieb doch eine genügend große Zahl in diesem Land, nunmehr nicht nur aus den Gebieten der UdSSR, sondern auch aus Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien, so dass nun rasch vor allem serbische Gemeinden an verschiedenen Orten entstanden, so zuerst in München, dann bis 1969 noch in Hannover, Düsseldorf und Osnabrück.

Das Moskauer Patriarchat konnte auf Grund der geänderten politischen Verhältnisse 1945 ein Bistum von Berlin und Mitteleuropa errichten, das zuerst das Territorium ganz Deutschlands umfasste, wenn es auch erst 1958 die erste Gemeinde des Moskauer Patriarchats in Westdeutschland gab. 1971 wurde dann die Berliner Diözese aufgeteilt in ein eigenes Bistum für Baden und Bayern, ein weiteres von Düsseldorf für die übrigen Bundesländer und das von Berlin, das nunmehr nur noch für das Gebiet der damaligen DDR und West-Berlin zuständig war. Nach dem Beitritt der DDR in die Bundesrepublik Deutschland wurden 1991 diese drei Bistümer dann wieder zu einem einzigen, der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, zusammengeschlossen, die dann im Lande Berlin auch den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes erlangen konnte, und in Düsseldorf eine Ständige Vertretung der Russischen Orthodoxen Kirche eingerichtet.

Als Gäste gekommen, als Bürger geblieben - Die Gemeinden der "Gastarbeiter"

Zu Beginn der 60er Jahre hatte sich das orthodoxe Gemeindeleben in Deutschland einerseits konsolidiert, andererseits trat ein gewisser Schwund der Gläubigen durch Überalterung und Abwanderung der Emigranten ein.

Doch begann Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts ein neues Kapitel der Migration orthodoxer Christen nach Deutschland. Denn ab jetzt erfolgte eine neue Zuwanderungswelle durch die als sogenannte "Gastarbeiter" nach Deutschland kommenden ausländischen Arbeitnehmer aus Griechenland und dann wenig später auch aus Jugoslawien. Während man in diesem Zusammenhang zunächst an eine zeitlich begrenzte Anwesenheit von Arbeitskräften dachte, erwies sich die Anwerbung einer so großen Anzahl von Arbeitnehmern orthodoxen Glaubens als die Grundlegung einer bleibenden Orthodoxen Kirche in Deutschland.

Insbesondere die bislang wenig zahlreichen griechischen orthodoxen Gemeinden nahmen binnen weniger Jahre so zu, dass das Ökumenische Patriarchat seine bislang für ganz West- und Mitteleuropa zuständige Erzdiözese von Thyateira mit Sitz in London auf mehrere Metropolien aufteilte. So wurde 1963 auch die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland / Exarchat von Zentraleuropa (zunächst: Exarchat von Dänemark und Holland) gegründet, die sich bald zum größten und bestorganisiertesten orthodoxen Bistum des Landes entwickelte, was sie mit 58 Kirchengemeinden und über 150 Gottesdienststätten sowie knapp einer halbem Million Mitgliedern insbesondere griechischer, aber auch rumänischer Herkunft bis heute geblieben ist. 1974 wurde sie als Körperschaft des öffentlichen Rechts zunächst in Nordrhein-Westfalen, später in allen alten Bundesländern anerkannt.

Auch die bis dahin fast ausschließlich aus Emigranten bzw. "Displaced People" des II. Weltkrieges bestehenden serbischen Gemeinden nahmen in Folge der Gastarbeiterzuwanderung aus Jugoslawien zahlenmäßig rasch zu: Am 12. März 1969 wurde eine eigene Diözese für Westeuropa gegründet, die zuerst ihren Sitz in London hatte. Ab Frühjahr 1972 begann eine verstärkte missionarische Seelsorgearbeit unter den in Deutschland lebenden serbischen Gastarbeitern. Aus diesem Grunde wurde der Bischofssitz zuerst nach Düsseldorf, dann 1979 nach Hildesheim bei Hannover verlegt, von wo er im August 2000 nach München transferiert werden soll.

Teils ebenfalls als Gastarbeiter, teils aber auch als Asylanten aus der Türkei und Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg im Libanon kamen wenig später die meisten der derzeit gut 10.000 arabischsprachigen Gläubigen des Patriarchats von Antiochien nach Deutschland.

Neue Perspektiven - Zuwanderer aus Osteuropa

Seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Osteuropa durchläuft auch die Orthodoxe Kirche in Deutschland eine noch keineswegs abgeschlossene Entwicklung, die man wohl ohne Übertreibung als umbruchartig kennzeichnen kann - einmal im Hinblick auf die bedeutende Zunahme der Anzahl orthodoxer Christen in diesem Lande, vor allem aber wegen deren immer tieferen Verwurzelung in Deutschland: Während die vorstehend beschriebenen ersten großen Wellen orthodoxer Zuwanderung nach Deutschland aus Personen bestanden, die gewillt waren, dieses Land so rasch als nur möglich wieder zu verlassen und sich ihren Aufenthalt hier nur als zeitweilige Gäste vorstellen wollten und konnten, kommen nun immer mehr orthodoxe Christen nach Deutschland, die hier eine neue Heimat suchen und finden - anders als die Emigranten, die nach der bolschewistischen Machtergreifung im Russischen Reiche 1917 bzw. auf Grund des nachfolgenden Bürgerkrieges in Deutschland Zuflucht fanden, oder die "displaced people", die am Ende des II. Weltkrieges aus Osteuropa und vom Balkan in dieses Land verschlagen worden waren, anders auch als die griechischen und dann die serbischen Arbeitnehmer, deren Bezeichnung als "Gastarbeiter" zwar nie unproblematisch war, aber doch erkennen lässt, dass weder sie selbst noch ihre deutschen "Gast-", richtiger Arbeitgeber an einen langfristigen Aufenthalt gedacht haben.

Zwar ist in vielen dieser Fällen - wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen! - oft aus dem geplanten kurzen "Gastaufenthalt" ein langfristiger Wohnsitz geworden, hat eine Reihe dieser Menschen in Deutschland de facto, sogar gegen ihre eigene ursprüngliche Intention eine neue Heimstatt gefunden, aber nichtsdestoweniger blieben ihre psychologischen Bindungen an die alte Heimat dominierend, was sich nicht zuletzt auch in ihren Erwartungen an die Kirchengemeinden ausdrückte und teils noch immer ausdrückt: Diese sichern einen wesentlichen Teil ihrer nationalen und ethnischen Identität, stellen gleichsam heimische Inseln in der deutschen Alltagswelt dar, in die diese Menschen ansonsten mehr und mehr integriert wurden.

Für viele der in den letzten Jahren neu aus Ost- und auch aus Südosteuropa nach Deutschland gekommenen Menschen stellt sich jedoch die Situation anders dar: Sie sind - mit Ausnahme der Flüchtlinge vor dem postjugoslawischen Bürgerkrieg - nicht einer unerträglichen politischen Verfolgungssituation entkommen, sondern haben sich, teils unter Benutzung ihrer deutschstämmigen oder jüdischen Wurzeln, bewusst nach Deutschland begeben, um hier unter besseren Lebensbedingungen eine neue Heimat zu finden, in die sie sich auch weitgehend integrieren wollen, ohne deswegen allerdings ihre Herkunft und ihre heimischen Traditionen zu vergessen und ihre religiöse Bindung, ihren orthodoxen Glauben zu verleugnen.

Dies veranlasste in den letzten Jahren die Gründung zweier neuer orthodoxer Bistümer, die ihre Gemeinden in Deutschland betreuen: einmal der Rumänischen Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa, sodann der Bulgarischen Diözese von West- und Mitteleuropa. Erstere wurde aus dem 1949 gegründeten und 1974 zum Erzbistum erhobenen Bistum für die in West- und Zentraleuropa lebenden Rumänen ausgegliedert und 1993 als Metropolie mit Gemeinden in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Dänemark, Schweden und Norwegen organisiert. Die Bulgarische Diözese existierte schon länger, allerdings mit Sitz in Budapest, der jedoch 1994 nach Berlin verlegt wurde. Auch sie umfasst außer den Gemeinden in Deutschland jene in Ungarn, Österreich, Belgien, Frankreich, England, Schweden und Norwegen.

Seit ihrer Unterstellung unter das Ökumenische Patriarchat und deren Bestätigung durch den Ökumenischen Patriarchen am 12.März 1995 gehört auch die Ukrainische Orthodoxe Kirche im Ausland zur Familie der kanonischen orthodoxen Bistümer.

Heute ist dadurch die Bundesrepublik Deutschland - abgesehen von den traditionellen Heimatländern in Osteuropa und auf dem Balkan - das europäische Land mit der größten Zahl orthodoxer Christen. Damit ist die Orthodoxe Kirche nicht nur - wenn auch mit markantem Abstand zu den beiden traditionellen Konfessionen des Landes - die drittgrößste christliche Kirche. Von daher kommt der Festigung der Orthodoxie auf deutschem Boden für die Gesamtorthodoxie eine eminente zukunftsweisende Bedeutung zu, zumal - wie schon gesagt - die derzeitige Präsenz der orthodoxen Christen in Deutschland nach aller Wahrscheinlichkeit keine kurzfristige, vorübergehende Erscheinung ist, sondern auf Dauer angelegt sein dürfte.

Aus diesem Grunde bemühte sich die Orthodoxe Kirche in Deutschland auch um die Einrichtung des orthodoxen Religionsunterrichtes als ordentlichem Lehrfach an staatlichen Schulen. Dies konnte bislang in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen sowie für Bayern im Raum München realisiert werden. Ebenso gilt das Engagement der Präsenz orthodoxer Theologie im akademischen Bereich: Seit 1979 gibt es an der Universität Münster einen Lehrstuhl für orthodoxe Theologie und seit 1984 einen solchen in München, der inzwischen zu einer Ausbildungseinrichtung mit derzeit vier Lehrstühlen ausgebaut werden konnte.

Eine Orthodoxe Kirche - Acht nationale Bistümern

Aus der Überlegung heraus, dass die verschiedenen national strukturierten orthodoxen Bistümer in Deutschland Glieder der einen Orthodoxen Kirche sind und somit entsprechende organische Strukturen finden sollen, wurde nach entsprechender Vorbereitung am 1. Mai 1994 ein Organ geschaffen, das die orthodoxen Bistümer, die untereinander in kanonischer Gemeinschaft stehen, zusammenführt und - unbeschadet ihrer weiterbestehenden Bindung an die jeweiligen autokephalen Mutterkirchen - zu intensiverem gemeinsamen Handeln befähigt: die Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland (KOKiD). Sie bildet somit den Verband aller kanonischen orthodoxen Diözesen Deutschlands. Bis zur Gründung einer orthodoxen Bischofskonferenz ist die KOKiD das Zentralorgan der Orthodoxen Kirche in Deutschland, mit dem diese mit einer Stimme spricht.

Als Zielsetzungen und Aufgaben nennt die Kommission in § 2 ihrer Satzung u.a. die Zusammenarbeit in der Pastoral- und in der Jugendarbeit, ggf. in einer gemeinsamen Jugendverbandsarbeit, bei der Gründung einer Ausbildungsstätte für alle Orthodoxen sowie von Klöstern, Pilgerstätten, Bildungseinrichtungen und sonstigen Zentren und auf dem Feld diakonischer Arbeit, bei der Medienarbeit nach innen und außen sowie einegemeinsame Vertretung von Anliegen im ökumenischen, sozialen und kulturellen Bereich einschließlich des Bildungswesens gegenüber dem Staat und anderen Kirchen und gesellschaftlichen Organisationen.

Die Kommission ist dem Geist der Orthodoxen Kirche gemäß ein synodales Gremium. Entsprechend findet die Konsensermittlung und Beschlussfassung auf den Delegiertenversammlungen statt, von denen in den Jahren 1994-2000 bisher zwölf stattgefunden haben.

Die in der Präambel der Satzung der KOKiD angesprochene Wahrung der kanonischen Rechte der Mitgliedsdiözesen wird dadurch gesichert, dass nach § 6 der Satzung der jeweils zuständige Diözesanbischof für seine Kirche Beschlüssen der Delegiertenversammlung widersprechen kann. Erfolgt kein solches Veto, sind die von der Kommission getroffenen Beschlüsse für alle Mitgliedsdiözesen bindend. Angelegenheiten, die nicht nur für eine einzelne Diözese relevant, sondern von gesamtorthodoxem Belang sind, werden auf der Ebene der Kommission als des Verbandes der Diözesen behandelt und entschieden, die die Interessen aller Mitgliedskirchen berücksichtigt - der zahlenmäßig kleineren ebenso wie die der größeren. Aus diesem Grunde zählen auch bei Entscheidungen innerhalb der Kommission die Stimmen aller Mitgliedsdiözesen gleich und nicht etwa prozentual nach der Anzahl der jeweiligen Gläubigen.

Insofern vertritt der Vorstand der KOKiD bzw. ihr Vorsitzender im Auftrag der Bischöfe gegenüber anderen Kirchen und gesellschaftlichen Gruppen die Gesamtheit aller orthodoxen Diözesen in Deutschland und ihre gemeinsamen Belange. Ihre Aufgaben erfüllt die Kommission durch die regelmäßige Tätigkeit ihres Vorstandes und der einzelnen Referate. Solche Referate existieren derzeit für Theologie und Ökumene, Jugendarbeit, Information und Medien und für Religionsunterricht; weitere Referate sind in Planung.

In den sechs Jahren ihres Bestehens hat sich die Kommission zu einer erfolgreich arbeitenden Einrichtung beständiger Zusammenarbeit und gemeinsamer Konsensfindung aller in Deutschland vertretenen orthodoxen Diözesen entwickelt und hat eine Reihe von Aktivitäten entwickelt, die das gemeinsame Leben der orthodoxen Christen in diesem Lande betreffen.

Dazu gehören auch die ökumenischen Kontakte: Seit dem 1. März 2000 ist die Orthodoxe Kirche in Deutschland - vertreten durch die Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland / Verband der Diözesen - Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche auf Bundesebene. Zahlreiche Bistümer und Gemeinden sind zudem in verschiedenen regionalen und lokalen ökumenischen Kreisen und Arbeitsgemeinschaften vertreten. Daneben gibt es bilaterale Gespräche, so seit vielen Jahren im Rahmen einer "Gemeinsamen Kommission" der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, die bereits maßgebliche Stellungnahmen zu dringenden pastoralen Anliegen und ökumenischen Problemen erarbeitet hat.


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