Kirchliches Leben: Martyria: Orthodoxe Kirche und ökumenische Bewegung

Ende der Eiszeit?

Zum Stand der Beziehungen zwischen der
Russischen Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche nach dem Moskau-Besuch von Kardinal Kasper

von Nikolaj Thon

Hohe Erwartungen wurden schon im Vorfeld, vor allem in der römisch-katholischen Presse, laut, als bestätigt wurde, dass eine hochrangige vatikanische Delegation unter Leitung von Kardinal Walter Kasper, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, im Februar Moskau besuchen wolle, um mit dem Moskauer Patriarchen und den katholischen Bischöfen Russlands zusammenzutreffen. Allerdings gab es von Anfang an auch Irritationen. So teilte Joaquín Navarro-Valls, Leiter des vatikanischen Pressesaals, mit, der Kardinal reise auf „Einladung der katholischen Bischofskonferenz der Russischen Föderation“, und dass er „mit den Bischöfen der russischen Föderation und der katholischen Gemeinde in Moskau zusammentreffen wird“. Der Pressesaal teilte weiter mit: „Während des Besuches, der aufgrund der hohen Wertschätzung, die man der Russisch-Orthodoxen Kirche entgegenbringt, zustande kam, wird Kardinal Kasper von seiner Heiligkeit Aleksij II., Patriarch von Moskau und ganz Russland zu einer Audienz empfangen werden und Gespräche mit dem Metropoliten Kirill von Smolensk und Kaliningrad und mit der Abteilung für internationale kirchliche Beziehungen des Patriarchats Moskau über den ökumenischen Dialog der beiden Kirchen führen.“
Allerdings war die Position der Russischen Orthodoxen Kirche seit der Errichtung vier neuer katholischer Diözesen in der Russischen Föderation im Jahr 2002 eindeutig: Der Patriarch hatte immer wieder in verschiedenen Reden und Interviews betont, dass er zwar im Prinzip bereit sei, sich mit dem Papst zu treffen, wenn dieses Treffen helfen sollte, die Streitfragen zwischen den Orthodoxen und den Katholiken zu lösen, dass aber wirkliche Chancen auf Lösung der Sachfragen bestehen müssten und es sich nicht nur um ein TV-gerechtes Event handeln dürfe. Die Russische Orthodoxe Kirche sei die Kirche des russischen Volkes und besteh darauf, auf ihrem kanonischen Territorium auch die Arbeit des geistlichen Wiederaufbaus selbst zu leisten und die in der sowjetischen Zeit ihrer Kirche entfremdeten russischen Menschen zurückzugewinnen. In diesem Sinne richtete sich Metropolit Kirill am 27. Januar 2004 bei den so genannten Weihnachtslesungen in Moskau an die Katholiken: „Predigt vor Eurer Gemeinde, aber nicht Ihr seid die Ortskirche in Russland. Wir sind die Ortskirche. Wir tragen die Verantwortung vor Gott für unser Volk, wie Ihr die Verantwortung in Italien, Spanien und anderen Ländern tragt“. Er erinnerte daran, dass es in einer der größten katholischen Regionen der Welt - Lateinamerika - heute eine kolossale Zahl von Sekten gibt, die die Katholiken verdrängen: „Kämpft dort, aber drängt nicht nach Russland, wo die Russische Orthodoxe Kirche seit Tausend Jahren die Verantwortung vor Gott, vor der Geschichte, vor ihrem Volk trägt. Behindert uns nicht, bildet keine parallelen missionarischen Strukturen.“ In diesem Sinne betonte Metropolit Kirill, er halte es jedoch für eine „absolut normale Erscheinung“, dass es auf dem Territorium Russlands und anderer GUS-Staaten Katholiken unter den Deutschen, Litauern und Polen gibt, und meinte weiter, dass die Russische Orthodoxe Kirche „unter bestimmten Bedingungen mit der Römisch-Katholischen Kirche sogar zusammenarbeiten könnte“, denn „unsererseits gibt es keine Feindschaft oder Hass, wir haben uns nicht abgeschirmt. Aber wir lassen nicht zu, dass unter dem Vorwand eines Dialogs eine gut geplante und finanzierte missionarische Tätigkeit in unserem Land durchgeführt wird!“
Was ein mögliches und auf katholischer Seite immer wieder propagiertes Treffen zwischen dem Papst und dem Patriarchen angeht, das in den Medien diskutiert wird, so könne unter den jetzigen Bedingungen davon gar keine Rede sein: „Der Patriarch darf sich nicht mit dem Papst treffen, denn wenn sich solche Hierarchien treffen, müssen sie sich umarmen, müssen sie einander die Hand geben. Das wäre ein trügerisches Bild. Es würde diejenigen sehr zufrieden stellen, die eine missionarische Tätigkeit gegen unser Volk betreiben. Die werden sagen: Sehen Sie doch, es gibt keine Meinungsverschiedenheiten, der Patriarch und der Papst umarmen sich, womit sind Sie unzufrieden?“, meinte der oft als „Außenminister“ seiner Kirche apostrophierte Metropolit. Ähnlich hatte sich schon Ende Januar der Patriarch selbst geäußert: Nur konkrete Schritte des Vatikans zur Einstellung des Proselytismus auf dem Territorium Russlands und Maßnahmen zur Gewährleistung der Rechte der orthodoxen Minderheit in der Westukraine können einen Besuch von Papst Johannes Paul II. in Russland ermöglichen: „Es wäre falsch, sich vor den Fernsehkameras zu treffen und die öffentliche Meinung davon zu überzeugen, dass wir keine Probleme haben. Probleme sind vorhanden", sagte der Vorsteher der Russischen Orthodoxen Kirche damals bei einem Treffen mit britischen Reportern, die sich auf Einladung der Nachrichtenagentur RIA Nowosti über das religiöse Leben in Russland informierten. „Wenn ich mich mit dem Pontifex einfach vor den Fernsehkameras treffe, wird meine Gemeinde mich nicht verstehen. Diesem Treffen sollen unbedingt konkrete Vereinbarungen vorauskommen". Er habe aber keine antikatholischen Stimmungen. Trotz einer gewissen Verschlechterung der Beziehungen zum Vatikan pflege seine Kirche weiterhin aktive Kontakte zu mehreren katholischen Eparchien, Organisationen und Lehreinrichtungen, sagte er.
In der Tat gab und gibt es immer wieder – sogar sehr herzliche – Kontakte zwischen italienischen Katholiken und russischen Orthodoxen: Nur wenige Wochen vor dem geplanten Besuch von Kardinal Kasper in Moskau, nämlich vom 25. bis 28. Januar 2004, hielt sich beispielsweise der einflussreiche italienische Bischof Vincenzo Paglia von Terni-Narni-Amelia, der geistliche Berater der bekannten internationalen kirchlichen Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom, zu ökumenischen Gesprächen in der russischen Hauptstadt auf. Zwischen der Gemeinschaft von Sant’Egidio und der russischen Kirche bestehen bereits seit Mitte der 80er Jahre freundschaftliche Beziehungen, in deren Rahmen bereits zahlreiche Initiativen der Begegnung und des Dialogs stattfanden, darunter auch der Besuch einer Delegation der Gemeinschaft Sant’Egidio im Januar 2003 und die Übergabe einer Reliquie des heiligen Valentin, Bischof von Terni, an den Patriarchen sowie die Teilnahme von Metropoliten Kirill an dem von der Gemeinschaft Sant’Egidio im September 2003 in Aachen veranstalteten internationalen Treffen “Menschen und Religionen”. Anlässlich des jüngsten Besuchs traf er sich erneut mit dem Patriarchen wie auch mit Metropolit Kirill. Bei den gemeinsamen Gesprächen wurden verschiedenen Fragen zum gegenwärtigen Stand und zur Entwicklung der Beziehungen zwischen der katholischen und der Russischen rthodoxen Kirche erörtert. Außerdem wurden Möglichkeiten der künftigen weiteren Zusammenarbeit zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und der Gemeinschaft von St. Egidio in verschiedenen kirchlichen und kulturellen Bereichen in Betracht gezogen, die noch im Laufe des Jahres 2004 beginnen soll. Bei dieser Gelegenheit überreichte Bischof Paglia dem Patriarchen Aleksej und dem Metropoliten Kyrill auch das erste Exemplar des Buches “Heiligkeit und Nächstenliebe zwischen Orient und Okzident”, in dem die Beiträge zu einer im Oktober 2002 in Terni veranstalteten internationalen Konferenz gesammelt sind.
Einen großen Unterschied gibt es allerdings zwischen den Vertretern von Sant’Egidio oder – um einen anderen Namen zu nennen - dem katholischen Priester und Gründer des römischen „Zentrums ökumenisches Russland“, Sergio Mercanzin, auf der einen und manchen Stellen des Vatikan auf der anderen Seite: Erstere haben sich stets in aller Deutlichkeit von jeglicher Form des Proselytismus unter Orthodoxen, nicht nur, aber vor allem in Russland distanziert. Mercanzin etwa vertrat im Vorfeld der Kardinalsreise die Ansicht, die Katholische Kirche solle am besten überhaupt keine Kleriker und Ordensleute nach Russland schicken. Die Orthodoxie würde die Anwesenheit katholischer Geistlicher oder Ordensleute als Proselytismus empfinden, als katholischen Abwerbungsversuch. Die Reise des Kardinals, so Mercanzin, „wurde vor zwei Jahren im letzten Moment annulliert, bekanntlich weil sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen Orthodoxie und Vatikan vertieften. Mit Spannung erwarten wir Kaspers Reise auch deshalb, weil sie dann doch so rasch zustande kam.“ Im Moment könne er zwei wichtige Problemfelder im Dialog zwischen dem Vatikan und der Orthodoxie orten, nämlich das Ausbreiten der unierten griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine und eben den Proselytismus in Russland, und als Mittel zur Aussöhnung nur empfehlen: „Wir müssen die Orthodoxen lieben, noch bevor wir sie kennen. Und dann nicht glauben, dass wir besser sind als sie. Und als dritter Punkt: Wir sollten den Orthodoxen helfen, Orthodoxe zu sein - also IHRE Missionen unterstützen, nicht unsere vorantreiben.“
Die vatikanischen Erwartungen wurden im Vorfeld der Reise Kardinal Kaspers denn auch von Moskau gedämpft, indem der Besuch des deutschen Kurienkardinals zwar bestätigt, ein Treffen mit dem Patriarchen zuerst jedoch ausgeschlossen wurde. Der Patriarch werde sich zum Zeitpunkt des Besuchs „aus Gesundheitsgründen“ nicht in Moskau aufhalten, hieß es. Allerdings konnte dann der Kardinal doch bei den Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des Patriarchen diesem begegnen, ein kurzes Gespräch mit ihm führen und die Glückwünsche aus Rom direkt überbringen.
Die Kritik an der Tätigkeit der Römisch-Katholischen Kirche in Russland erneuerte Metropolit Kirill unmittelbar vor dem Besuch Kardinal Kaspers noch einmal gegenüber der Zeitung „Nezavisimaja Gazeta“: Die katholische Kirche betreibe "unter dem Deckmantel des Dialogs" Missionsarbeit in Russland. Ein Besuch von Papst Johannes Paul II. in Moskau sei daher auf absehbare Zeit nicht vorstellbar. Ähnlich äußerte sich auch sein Stellvertreter, Erzpriester Vsevolod Caplin in einem Interview mit der RIA „Novosti". Es gebe besonders zwei Probleme: „Das erste davon ist der Proselytismus, das heißt Missionarstätigkeiten der Katholiken unter den Menschen, die nach Taufe oder Kulturtradition zur Orthodoxie gehören". Das zweite Problem betreffe die Aktivitäten der Katholiken, die „nicht nur eine normale Entwicklung unserer Kirche in der Westukraine verhindern, sondern auch versuchen, ihre unierte Kirche in den Gebieten durchzusetzen, wo es sie nie gegeben hat, und zwar im Süden und Osten der Ukraine sowie in Russland und Kasachstan". Die Unierten „setzen auch den Vatikan unter Druck, indem sie ihn aufrufen, die Kathedra des Oberhaupts der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche von Lvov nach Kiev überzuführen und diesem Geistlichen die Patriarchenwürde zu verleihen", stellte Vr. Vsevolod fest und machte deutlich: „Die Fortschritte bei den bevorstehenden Gesprächen von Kardinal Kasper und Metropolit Kirill hängen davon ab, inwieweit der Vatikan für konkrete Vereinbarungen hinsichtlich dieser Probleme auf höchstem Niveau bereit sein würde".
Bei seiner Ankunft in Moskau verbreitete der Kardinal, der bei dieser seiner vierten Moskau- Reise von Bischof Brian Farrel LC, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, sowie von Jozef M. Maj, Fachreferent für den Osten im Einheitsrat, begleitet wurde, Optimismus: „Ich bin mit der Hoffnung gekommen, das alte Kapitel zu schließen und ein neues Kapitel freundschaftlicher Beziehungen zwischen uns zu öffnen“, sagte erJournalisten im Flughafen „Scheremetjewo-2“. „Es gibt eine Menge von Vorurteilen, eine Menge von Hindernissen, aber wir hoffen, dass man diese dank dem guten Willen und mit Gottes Hilfe überwinden kann. ... Wir wollen keine Polemik, wir wollen Freundschaft zwischen den beiden Kirchen. Unser Bestreben besteht darin, freundschaftliche Beziehungen zwischen beiden Kirchen herzustellen, da die Welt von zahlreichen Konflikten erschüttert wird. Wir müssen bei der Herstellung des Friedens zusammenarbeiten“, sagte der Kardinal und betonte, dass „die Katholische Kirche die Russische Orthodoxe Kirche hoch schätzt, wie auch ihre reiche geistliche Tradition und das reiche christliche Erbe“ und dass dementsprechend der Vatikan mit dem Moskauer Patriarchat in Europa zusammenarbeiten möchte: „Ich bin gekommen, um in der Geschichte der beiden Kirchen die alte Seite zu- und eine neue Seite der Freundschaft und Liebe aufzuschlagen“,
Trotzdem stand zuerst die Begegnung mit der Römisch-Katholischen Kirche in Russland auf dem Programm, schließlich war der Kardinal auf deren Einladung gekommen. “Diese Begegnung mit dem Kardinal ist von großer Bedeutung für die russischen Bischöfe, aber auch für die Priester, Ordensleute und unsere Gläubigen – es ist ein Zeichen der Hoffnung für uns alle”, unterstrich Metropolit Tadeusz Kondrusiewicz, der römisch-katholische Erzbischof der Diözese von der Mutter Gottes in Moskau, entsprechend – hob aber auch hervor, dass er Anzeichen für eine Verbesserung der Beziehungen sehe: “Jeder Weg, so weit er auch sein mag, beginnt mit einem ersten und kleinen Schritt. Wir beten genau dafür: Gestern haben wir in der Kathedrale gebetet, und wir beten jeden Tag, damit diese Beziehungen sich besser entwickeln.” Das Klima zwischen Orthodoxen und Katholiken während der Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar sei besser geworden: “Unsere orthodoxen Brüder waren in unseren Kathedralen; auch in St. Petersburg gab es ein schönes Gebetstreffen, an dem Vertreter anderer Kirchen und christlicher Gemeinschaften sowie orthodoxe Gläubige teilnahmen – das ist wichtig.” Eine Delegation des Moskauer Patriarchats habe anlässlich der Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. auch die römisch-katholische Kathedrale in Moskau besucht, betonte Kondrusiewicz: Sie hätten “schöne Worte der Wertschätzung für den Dienst des Heiligen Vaters gesprochen. Das sind sehr wichtige Zeichen!”
Es ist sicher noch zu früh für eine umfassende Analyse, aber offensichtlich ist der Besuch besser verlaufen, als von manchen angenommen. Jedenfalls sprach Kurienkardinal Kasper nach seiner Rückkehr von dem Aufenthalt in Moskau nach Rom von Tauwetter, Frühling und Enteisung im Verhältnis zwischen russischer Orthodoxie und römischer Kirche. Die Tatsache, dass der Besuch überhaupt zu Stande kam, sei schon ein Fortschritt gewesen und das Gespräch ein erster Schritt hin zur Wiederaufnahme eines Dialogs, erklärte er gegenüber Radio Vatikan und nannte auch konkrete Ergebnisse: „Die Gründung einer Arbeitsgruppe, die diese ganzen Vorwürfe des Proselytismus untersuchen soll. Dann die Zusammenarbeit in Europa auf akademisch-theologischem Feld. Das sind erste Ergebnisse. Wir hoffen, dass wir das umsetzen können und dass wir dann auch bald einen zweiten Schritt machen können. Aber ich glaube, es ist ein Fortschritt, insofern hat es mir Hoffnung und neuen Schwung gebracht“. So zeige die Übereinstimmung beider Kirchen in der Wertediskussion auf Europaebene sowie die Zusammenarbeit im akademischen Bereich, dass eine Kooperation in Sachfragen durchaus möglich sei.
Was die wieder aufgeflammte Diskussion über ein ukrainisch-katholisches Patriarchat in Kiev angehe, so liege die endgültige Entscheidung über die Errichtung eines solchen katholischen Patriarchates in der Ukraine bei Papst Johannes Paul II.: „Wir nehmen die Argumente aller orthodoxen Kirchen selbstverständlich ernst und müssen sie wirklich bedenken und können sie nicht vom Tisch wischen. Auf der anderen Seite wollen wir nicht, dass es darüber zu einem Bruch aller Beziehungen mit den orthodoxen Kirchen kommt. Das würde ja nun alles zerstören, was dieser Papst in 25 Jahren aufgebaut hat. Das kann ehrlicherweise niemand wollen. Aber welche Konsequenz im Einzelnen daraus gezogen wird, das steht mir nicht zu, das zu entscheiden. Ich hoffe nur, dass bald eine Entscheidung fällt, damit es endlich diese Diskussion, die sehr belastend ist für unsere Verhältnisse zu den orthodoxen Kirchen, an ein Ende kommt", meinte der Kardinal ebenso diplomatisch wie letztlich eine klare Aussage vermeidend, denn es ist ja nicht die Diskussion, die letztlich das Verhältnis belastet, sondern die Tatsache, dass offensichtlich auch in römischen Kreisen eine Konzeption immer mehr Freunde findet, der die gewachsene Patriarchatsstruktur in Frage stellt und von allen orthodoxen Kirchen als klarer Affront verstanden wird. Dies machte auch Patriarch Aleksij sehr deutlich, wenn er den Kardinal vor einem weiteren Expansionsstreben der Katholischen Kirche in Russland und der Ukraine warnte und besonders unmissverständlich vor der Errichtung eines solchen unierten Kiever Patriarchats.
Die Reise Kaspers hatte, wie eingangs erwähnt, offiziell auf Einladung der katholischen Bischöfe in Russland statt gefunden. Auch mit diesen hat Kasper intensive Gespräche geführt. „Ich wollte sie ermutigen. Sie sind in einer schwierigen Situation. Und da brauchen sie Mut und Zuversicht. Ich musste ein wenig die Prinzipien dieser alten Kommission pro Russia erklären - wenn das der Hauptstreitpunkt ist mit Moskau. Ich musste erklären, unsere Hauptaufgabe ist nicht, die Orthodoxen zu missionieren, sondern ihnen zu helfen, damit sie ihre Mission richtig ausführen können. Und das sind Prinzipien, die vom Papst gebilligt worden sind. Und deswegen war es auch wichtig und richtig, daran zu erinnern."
Hoffentlich trägt die Erinnerung Früchte und findet ihre Umsetzung im praktischen Handeln ... Nicht zuletzt die Frage des unierten Kiever Patriarchats wird ein Prüfstein sein, wie ernst es dem Vatikan und der Römischen Kirche mit der von Kardinal Kasper vorgetragenen Versicherung ist, Rom wolle die positiven Kontakte zur Orthodoxen Kirche bewahren und verstärken.


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