Kommission: Aufgaben

Gelebte Gemeinschaft - Die Kommission der Orthodoxen Kirchen in Deutschland und ihre Aufgaben
von Erzbischof Longin von Klin


Ausgangsvoraussetzungen

Bereits seit Jahren zeigte sich, dass es auf die Dauer nicht ausreichend sein konnte, wenn Konsultationen zwischen den orthodoxen Bischöfen in Deutschland zwar nicht selten, aber doch sporadisch erfolgten, dass vielmehr ein Organ beständiger Zusammenarbeit und gemeinsamer Konsensfindung aller in Deutschland vertretenen orthodoxen Kirchen gefunden werden musste. Zudem haben dann die politischen Entwicklungen der nächsten Jahre die Lage der Orthodoxie in Deutschland so verändert, dass über neue Formen zur Institutionalisierung unserer Zusammenarbeit nachgedacht werden musste. So brachte der Fall der Berliner Mauer und die Vereinigung Deutschlands am 25. Dezember 1992 auch die Vereinigung der bis dahin drei russischen orthodoxen Diözesen mit sich. Auch die Serbische Orthodoxe Kirche in Westeuropa wurde neu gegliedert. 1986 wurde eine bulgarische Metropolie von Westeuropa geschaffen 1994 erfolgte auch die Gründung der rumänischen Metropolie von Deutschland.

Die Veränderungen der Bistumsgliederungen sind allerdings nur Ausdruck wesentlich bedeutenderer Veränderungen, die sich im Hinblick auf die Zusammensetzung der orthodoxen Herde in Deutschland in den letzten Jahren ergeben haben. Nur ein Beispiel: Als nach 1990 das Sowjetimperium zusammenbrach, kamen binnen weniger Jahre immer mehr ehemalige Sowjetbürger nach Deutschland, so dass sich binnen kürzester Zeit die Zahl der Gläubigen der Russischen Orthodoxen Kirche hierzulande nahezu verzehnfacht hat. Ähnliche markante Änderungen haben auch in anderen Kirchen stattgefunden. Es sei nur an die vergleichbar große Zuwanderung rumänischer oder bulgarischer Orthodoxer nach Deutschland erinnert oder auch an den Strom der serbischen orthodoxen Flüchtlinge aus den Konfliktzonen des ehemaligen Jugoslawien die hier wenigstens zeitweilig Zuflucht gefunden haben.

Noch ein wichtiger Aspekt ist dabei zu berücksichtigen: Die ersten großen Wellen orthodoxer Zuwanderung nach Deutschland bestanden aus Personen, die gewillt waren, dieses Land so rasch als möglich wieder zu verlassen, die sich hier ihren Aufenthalt nur als zeitweilige Gäste vorstellen konnten. Dies galt sowohl für die Emigranten nach der bolschewistischen Machtergreifung im Russischen Reiche 1917 wie für die "displaced people" am Ende des II. Weltkrieges; es galt auch für die griechischen und dann die serbischen Arbeitnehmer, deren Bezeichnung als "Gastarbeiter" zwar nie unproblematisch war, aber doch erkennen lässt, dass weder sie selbst noch ihre deutschen "Gast-", richtiger Arbeitgeber an einen langfristigen Aufenthalt gedacht haben.

Zwar ist in allen diesen Fällen - aus sehr unterschiedlichen Gründen! - oft aus dem geplanten kurzen "Gastaufenthalt" ein langfristiger Wohnsitz geworden, haben viele dieser Menschen in Deutschland eine neue Heimstatt gefunden, aber nichtsdestoweniger blieben ihre psychologischen Bindungen an die alte Heimat dominierend, was sich nicht zuletzt auch in ihren Erwartungen an die Kirchengemeinden ausdrückte und teils noch immer ausdrückt: Diese sichern einen wesentlichen Teil ihrer nationalen und ethnischen Identität, stellen gleichsam heimische Inseln in der deutschen Alltagswelt dar, in die diese Menschen ansonsten mehr und mehr integriert wurden.

Für viele der in den letzten Jahren neu aus Ost- und auch aus Südosteuropa nach Deutschland gekommenen Menschen allerdings stellt sich die Situation anders dar: Sie sind - mit Ausnahme der Flüchtlinge vor dem postjugoslawischen Bürgerkrieg - nicht einer unerträglichen politischen Verfolgungssituation entkommen, sondern haben sich bewusst nach Deutschland begeben, um hier unter besseren Lebensbedingungen eine neue Heimat zu finden, in die sie sich auch weitgehend integrieren wollen, ohne deswegen allerdings ihre Herkunft zu vergessen und ihre religiöse Bindung, ihren orthodoxen Glauben zu verleugnen.

Ähnliches gilt wohl auch für die zweite und dritte Generation der "Gastarbeiter": Auch für sie ist Deutschland zur neuen Heimat geworden, die sie bei aller Bindung an die Herkunft ihrer Familie nicht mehr verlassen wollen. Somit hat sich - den Beteuerungen zahlreicher Politiker, Deutschland sei kein Einwanderungsland, zum Trotz - in aller Stille etwas ergeben, das so nicht geplant war, aber Faktum ist: Deutschland hat inzwischen nicht unbeträchtliche Bevölkerungsgruppen, die aus anderen Ländern und Kulturen stammen, die aber hier bleiben wollen, die bereit sind, sich zu integrieren, wenn man sie nur lässt, und doch zugleich auch ihre nationalen Traditionen und nicht zuletzt auch ihren angestammten Glauben bewahren wollen.

Eine auf offiziellen Daten der deutschen Statistischen Ämter basierende Berechnung kommt für den Jahresbeginn 1997 auf eine Gesamtzahl von 1,2 Millionen orthodoxer Christen in Deutschland. Damit ist die Orthodoxe Kirche - wenn auch mit markantem Abstand zu den beiden traditionellen Konfessionen des Landes - die drittgrößste christliche Kirche.

All dies zeigt, welche Bedeutung einer Festigung der Orthodoxie auf deutschem Boden zukommt, deren Präsenz Deutschland zu einem Land mit einem beträchtlichen und beachtenswerten orthodoxen Bevölkerungsanteil macht, zu einem Land, dessen Zahl orthodoxer Christen deutlich größer ist als die mancher alter historischer Sitze und auch neuerer autokephaler Kirchen.

Allerdings ist die angesprochene Festigung der Orthodoxie in diesem Lande erst in ihrem Anfangsstadium: Es galt eine Form zu finden, die einerseits den Bedürfnissen der Integration in Deutschland Rechnung trägt, die aber andererseits auch nicht versucht, die Bindungen an die Heimatkirchen gewaltsam zu kappen und eine ungesunde Eile an den Tag legt, die weder der Sache noch den Menschen gerecht werden würde. Es kann nicht das Ziel sein, überstürzt eine "deutsche Orthodoxie" zu schaffen, sondern es geht um eine genuine, wenn auch kontinuierliche Entwicklung: Die zukünftige Orthodoxie in Deutschland wird, wenn sie ihre Chancen nutzt, eine Orthodoxie sein, die sich ihrer östlichen Herkunft nicht schämt, die bewusst die heimischen Traditionen pflegt, soweit sie noch lebendig sind, die im Kontakt steht mit ihren Mutterkirchen, die aber ebenso weiß, wo sie lebt und in welcher Gesellschaft sie eine wichtige Rolle zu spielen hat. Es wird eine Orthodoxie sein, die ebenso die Gefahr vermeidet, zu einem Folkloreverein zu verkommen, wie jene, gesichtslos und angepasst um jeden Preis zu sein.

Dabei ist es unbedingte Voraussetzung, dass die Stimme der Orthodoxen Kirche eine gemeinsame Stimme aller Orthodoxen ist, die in diesem Lande leben. Es muss die Stimme einer Kirche sein, die in diesem Lande Wurzeln geschlagen hat, ohne deshalb ihre Treue zu den jeweiligen Mutterkirchen in Frage zu stellen.

Gründung der Kommission der Orthodoxen Kirchen

Aus all diesen Überlegungen ergab sich schon seit längerem die Notwendigkeit zur Schaffung eines gemeinsamen Organs aller Orthodoxen in Deutschland - und wurden auch bereits über einen längeren Zeitraum entsprechende Überlegungen angestellt. Unmittelbarer Anlass zur Intensivierung dieser Planungen war dann Ende Mai 1993 eine Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing, an der Vertreter der verschiedenen inzwischen in Deutschland beheimateten orthodoxen Kirchen teilnahmen. Gemeinsam wurde noch einmal der Wunsch artikuliert, das schon mehrfach angedachte Gremium der Zusammenarbeit endlich zu realisieren und im Anschluss an die Tagung der Leiter des Forschungsgebietes Orthodoxe Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, Prof.Dr.Dr. Anastasios Kallis, durch den Konsens der orthodoxen Bischöfe mit der Erarbeitung eines Satzungsentwurfes für eine gemeinsame Kommission der Orthodoxen Kirchen in Deutschland und den grundlegenden Konsultationen beauftragt.

Drei vorbereitende Sitzungen fanden (am 17. September, 17. Dezember 1993 und am 1. Februar 1994, jeweils im Zentrum der Griechisch-Orthodoxen Gemeinde in Dortmund) statt.

Am 1. Mai 1994 war es dann soweit: Ebenfalls in Dortmund konnte, nachdem bereits im Vorfeld die Zustimmung sämtlicher Diözesanbischöfe eingeholt worden war, die Satzung der Kommission verabschiedet werden, die das Selbstverständnis des Organs und die Intentionen der Mitgliedskirchen dahingehend erläutert, dass diese "in der gemeinsamen Überzeugung, dass sie Glieder der einen orthodoxen Kirche sind, die in geschichtlich bedingten Ausprägungen unterschiedlicher Herkunft heute in Diözesen und Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland organisiert und beheimatet sind; einig darin, dass die Zusammenarbeit der orthodoxen Kirchen auf der Arbeitsebene in Gestalt einer gemeinsamen, ständigen Konferenz organisiert werden sollte; im Bewusstsein, dass bei einer gemeinsamen Vertretung und Zusammenarbeit die kanonischen Rechte der Mitgliedskirchen nicht beeinträchtigt werden dürfen; unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland den Kirchen grundlegende Betätigungsrechte einräumt, die insbesondere auf dem Gebiet des Sozial- und Bildungswesens wahrgenommen und ausgeübt werden sollen; im Bemühen darum, im Bildungswesen dafür zu sorgen, dass orthodoxe Identität bei Kindern und Jugendlichen entstehen und gelebt werden kann, insbesondere der schulische orthodoxe Religionsunterricht eine panorthodoxe Basis erhält und die dafür nötigen weiteren Voraussetzungen schaffen werden; in der Überzeugung, dass kirchliche Einrichtungen des Sozial- und Bildungswesens in ihrer konfessionellen Prägung einen unverzichtbaren Bestandteil der im freiheitlichen Rechtsstaat organisierten und plural entfalteten Gesellschaft darstellen, dass von freien, kirchlichen Trägern geprägte Einrichtungen gleichberechtigt neben den entsprechenden Einrichtungen des Staates und der kommunalen Körperschaften stehen und dies im partnerschaftlichen Zusammenwirken zwischen Staat, kommunalen Gemeinden und freien, auch kirchlichen Trägern zu entwickeln ist", ein Organ der Zusammenarbeit der orthodoxen Kirchen in Deutschland gegründet haben.

Als ihre Zielsetzungen und Aufgaben nennt die Kommission in § 2 ihrer Satzung :

 

a. Zusammenwirken unter Berücksichtigung lokaler und regionaler Gegebenheiten, Zusammenarbeit in der Pastoral- und in der Jugendarbeit, ggf. in einer gemeinsamen Jugendverbandsarbeit,

b. Zusammenarbeit bei der Gründung einer Ausbildungsstätte für alle Orthodoxen sowie von Klöstern, Pilgerstätten, Bildungseinrichtungen und sonstigen Zentren und auf dem Feld diakonischer Arbeit,

c. gemeinsame Vertretung von Anliegen im ökumenischen, sozialen und kulturellen Bereich einschließlich des Bildungswesens gegenüber dem Staat und anderen Kirchen und gesellschaftlichen Organisationen,

d. gegenseitige Unterrichtung über den Dienst der Kirchen im sozialen und kulturellen Bereich,

e. Abstimmung der Planungen zur Erreichung einer möglichst großen Effizienz der Arbeit,

f. Zusammenwirken bei der Medienarbeit nach innen und außen".

Die in der Präambel angesprochene Wahrung der Eigenständigkeit der einzelnen Mitgliedskirchen und ihrer kanonischen Rechte wird dadurch gesichert, dass nach § 6 der Satzung der jeweils zuständige Diözesanbischof für seine Kirche Beschlüssen der Delegiertenversammlung widersprechen kann, die nur dann bindende Kraft erhalten, wenn kein solcher Widerspruch erfolgt ist.

Die Wahlen zum Vorstand erfolgten bei der gleichen Sitzung und ließen die Vielfalt der Orthodoxie in Deutschland erkennen: Der Vorsitzende, Prof.Dr.Dr. Kallis, gehört - wie in § 7 b der Satzung der Kommission vorgesehen - dem Ökumenischen Patriarchat (in diesem Fall der Griechisch-Orthodoxen Metropolie) an, die Stellvertretenden Vorsitzenden bzw. der Geschäftsführer und Schatzmeister vertraten das antiochenische, russische, serbische und zeitweilig auch das bulgarische Bistum. Doch muss hervorgehoben werden, dass die Wahlen nicht nach dem Proporzsystem erfolgten, sondern die persönlichen Eigenschaften der jeweiligen Kandidaten für das entsprechende Vorstandsamt berücksichtigten. Es kann in der Kommission nicht darum gehen, primär Sonderinteressen einzelner Diözesen zu vertreten, sondern jedes Mitglied des Vorstandes und jeder Delegierte weiß sich - bei aller Bindung an sein jeweiliges Bistum und bei aller unbezweifelbaren Treue zu seiner Heimatkirche - dem Ganzen, der gemeinsamen Zukunft der Orthodoxie in Deutschland verpflichtet, der seine Arbeit zu gelten hat. Dabei versteht sich von selbst, dass diese Arbeit nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Interessen aller Mitgliedskirchen berücksichtigt werden - der zahlenmäßig kleineren ebenso wie die der größeren. Aus diesem Grunde zählen auch die Stimmen aller Mitgliedskirchen gleich und nicht etwa prozentual nach der Anzahl der jeweiligen Gläubigen. Inzwischen ist der Vorstand für eine weitere Amtsperiode, also bis 2002, wiedergewählt worden.

Im Laufe der praktischen Arbeit zeigte sich deutlich, dass für die Arbeit eine ausreichende gemeinsame ekklesiologische Basis notwendig ist, nämlich die Verpflichtung gegenüber der Kanonizität sein, wie die III. Delegiertenversammlung der Kommission in Düsseldorf am 11. März 1995 betonte, wenn sie eigens beschloss, "dass Prinzip der Arbeit der Kommission und Kriterium der Mitgliedschaft die Kanonizität sein soll" (Protokoll, TOP 4.4).

Die Verpflichtung auf das Prinzip der Kanonizität hat der Kommission ermöglicht, eine deutliche Grenze zu ziehen zwischen den Kirchen, die zum Pleroma der Orthodoxie gehören und miteinander die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche Christi bilden, und allen möglichen Splittergruppen und selbsternannten Hütern der Orthodoxie, die leider auch in diesem Lande auftreten, den Namen der Orthodoxen Kirche für sich in Anspruch nehmen, aber oft eher am Rande der Vagantenszene anzusiedeln sind.

Bisherige Arbeit der Kommission

Die Kommission ist dem Geist der Orthodoxen Kirche gemäß ein synodales Gremium. Entsprechend findet die Konsensermittlung und Beschlussfassung auf den Delegiertenversammlungen statt; solche haben bisher stattgefunden am 12. Mai 1994 in Dortmund (Griechisch-Orthodoxes Gemeindezentrum), am 20. September 1994 in Bonn (Griechisch-Orthodoxe Metropolie), am 11. März 1995 in Düsseldorf (Griechisch-Orthodoxes Gemeindezentrum), am 13. Mai 1995 in Münster (Lehr- und Forschungsgebiet Orthodoxe Theologie), am 24. Juni 1995 erneut in der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Bonn, am 3. Oktober 1995 in Aachen (Griechisch-Orthodoxes Gemeindezentrum), am 8. Juni 1996 in Düsseldorf (Ständige Vertretung der Russischen Orthodoxen Kirche), am 13. September 1997 in Köln (Gemeindezentrum der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien) und schließlich zuletzt am 6.-8. März 1998 (Gemeindezentrum der Serbischen Orthodoxen Kirche).

Inzwischen kann die Kommission wohl als wichtigten Erfolg etwas an Anspruch nehmen, was insgesamt eher als stiller Prozess verläuft - nämlich die Tatsache, dass in diesen wenigen Jahren das Gefühl der gesamtorthodoxen Zusammengehörigkeit und gesamtorthodoxen Verantwortung bedeutend gewachsen ist. Sie hat erreicht, dass wir aufs Ganze gesehen wesentlich "gesamtorthodoxer" denken, dass auch bei den Entscheidungen innerhalb der einzelnen Bistümer der Blick auf die Gesamtheit der Orthodoxie in diesem Lande immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird. Sicher hat jeder Oberhirte für sein Bistum die unabgebbare Verantwortung, sicher hat er diese auch gegenüber der Mutterkirche, die ihn auf dieses Amt erhoben hat, aber es wird uns in zunehmendem Maße klar, dass wir alle auch eine gemeinsame Verantwortung tragen für die Zukunft der gesamten Orthodoxen Kirche in dieser Republik.

Darüber sollen die konkret erreichten Ziele nicht vergessen werden: So werden seit 1996 alljährlich zum Sonntag der Orthodoxie von allen Mitgliedsbischöfen unterzeichnete Fastenbriefe veröffentlicht, die gemeinhin ein positives Echo in der deutschen Öffentlichkeit und auch eine entsprechende Aufnahme in den kirchlichen Medien fanden.

Ein weiterer Erfolg der Arbeit der Kommission ist - ebenfalls seit 1996 - die einmal jährliche regelmäßige Übertragung einer Göttlichen Liturgie durch das Zweite Deutsche Fernsehen (1996 aus der Griechisch-Orthodoxen Metropolitankirche der Heiligsten Dreieinigkeit in Bonn-Beuel, 1997 am Sonntag der Orthodoxie aus der russischen Hl.-Nikolaus-Kirche in Gifhorn, 1998 am Fest des serbischen Nationalheiligen und Erleuchters Serbiens, des hl. Sava, am 25. Januar 1998 aus der gleichnamigen serbischen Kirche in Hannover). Für den 1. Maisonntag 1999 ist die Übertragung aus der Gemeinde des Patriarchats von Antiocheia in Köln vorgesehen.

Es wird zu den Aufgaben der Kommission in der Zukunft gehören, in neuen Gesprächen mit verschiedenen Fernseh- und Rundfunkanstalten eine noch größere Repräsentanz der Orthodoxen Kirche bei Übertragungen unterschiedlicher Art zu erreichen und orthodoxen Gottesdiensten, aber auch anderen Sendungen aus der Welt der Orthodoxie einen festen Platz in der Programmstruktur der Sender zu erstreiten.

Wichtigstes permanentes Organ der Öffentlichkeitsarbeit der Kommission ist der in ihrem Auftrag edierte Informationsdienst "Orthodoxie aktuell", der auf monatlich über 20 Seiten authentisch aus dem Leben der Orthodoxen Kirche berichtet. Das Team von "Orthodoxie aktuell" erstellte sodann im Auftrag der Kommission Anfang 1998 das erste umfassende Verzeichnis der orthodoxen Bistümer und Gemeinden in Deutschland, in dem auch die inzwischen erreichte innere Einheit im Leben des orthodoxen Volkes Gottes in Deutschland konkret deutlich wird, indem nämlich die einzelnen Gemeinden nach Orten und nicht mehr nach "Jurisdiktionen" gegliedert sind, wie dies in Klerusverzeichnissen früherer Jahre üblich war.

Ein weiteres Feld der Darstellung der Orthodoxen Kirche Deutschlands in der Öffentlichkeit, in diesem Falle sogar der Weltöffentlichkeit, wurde durch die Einrichtung einer eigenen Web-Seite im Internet zum Pfingstfest 1998 erschlossen

Auf der Basis der zitierten Einheit der kanonischen Kirchen war es auch möglich, dass die Kommission über ihren Vorsitzenden Gespräche mit den Schul- bzw. Kultusministerien verschiedener Bundesländer aufnahm, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass der orthodoxe Religionsunterricht Kindern aller orthodoxen Nationen offen steht und von Lehrern erteilt wird, die einer der Mitgliedskirchen der Kommission angehören. Hierzu haben die orthodoxen Bischöfe - basierend auf entsprechenden Vorlagen des Vorstandes der Kommission und vorausgegangenen Beschlüssen der Delegiertenversammlungen - im Herbst 1997 eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Entsprechend wurden inzwischen Länderbeauftragte ernannt, die die Interessen aller in den jeweiligen Bundesländern lebenden Orthodoxen im Hinblick auf die Einrichtung des Religionsunterrichtes vertreten.

Ein weiteres Arbeitsfeld der Kommission ist die Förderung deutscher Übersetzungen der wichtigsten orthodoxen liturgischen Texte ins Deutsche, die dann nach Billigung durch die Bischöfe nach Möglichkeit in allen deutschsprachigen orthodoxen Gottesdiensten Verwendung finden sollen. Hierzu wurde das Lehr- und Forschungsgebiet Orthodoxe Theologie der Universität Münster mit der Einrichtung einer Arbeitsgruppe beauftragt, die Ende 1996 ihre Tätigkeit aufgenommen hat und der Experten aus den verschiedenen Mitgliedskirchen der Kommission angehören, die sich bereits, teils seit längerem, mit der Übersetzung von liturgischen Texten und ihrer musikalischen Umsetzung beschäftigt haben.

Perspektiven und Hoffnungen

Der Vorsitzende der Kommission, Prof.Dr.Dr. Kallis, hat aus Anlass des Erscheinens der ersten Ausgabe des Informationsdienstes "Orthodoxie aktuell" deren Bedeutung so charakterisiert: "Der Versuch der orthodoxen Diözesen in Deutschland, unter Berücksichtigung ihrer sprachlichen, kulturellen und nationalen Unterschiede gemeinsame organisatorische Strukturen zu schaffen, entspricht dem orthodoxen Kirchenverständnis und steht im Kontext der konziliaren Bemühungen der orthodoxen Kirche um eine kanonische Regelung der organisatorischen Struktur der Diaspora-Orthodoxie, die in ihrer Vielfalt die sichtbare Wirklichkeit der einen orthodoxen Kirche vor Ort ist" (OA 1/1997, 2).

Im Sinne der hier angesprochenen kanonischen Regelung der organisatorischen Struktur der Orthodoxie vor allem in der westeuropäischen Diaspora hat die Interorthodoxe Vorbereitungskommission für das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche, die im Zentrum des Ökumenischen Patriarchates in Chambesy vom 7.-13. November 1993 tagte, die Schaffung von Bischofsversammlungen für bestimmte Länder, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, ins Auge gefasst, in denen alle kanonischen Bischöfe mitwirken sollen, die Gemeinden in diesem Lande haben. Allerdings stehen vor der Errichtung einer solchen Bischofsversammlung in diesem Lande noch einige Aufgaben an, die es im Vorfeld zu lösen gilt, so dass wohl noch einige Zeit vergehen wird, bis ein solches Gremium in erfolgversprechender Weise seine Arbeit aufnehmen kann.

Insofern stellt die Kommission zumindest bis auf weiteres ein wertvolles Organ auch der bischöflichen Zusammenarbeit dar, was auch daran deutlich wird, dass bei fast allen bisherigen Delegiertenversammlung einige, bei mehreren Versammlungen besonderer Wichtigkeit sogar alle Delegationen von den jeweiligen Diözesanbischöfen geleitet worden sind. Die Kommission ist sicher noch keine Bischofskonferenz, sie tastet auch die Souveränität der einzelnen Bistümer nicht an, sie ist aber auch in keiner Weise eine parakirchliche Einrichtung, sondern sie wird getragen vom Kollegium der Bischöfe und handelt mit dem Segen der Bischöfe: Sie ist ein Organ der Bischöfe und will und kann somit der Kirche dienen.

Der bisher zurückgelegte Weg war nicht immer leicht, der kommende wird es nicht weniger sein, denn das prinzipiell von allen bejahte gemeinsame Handeln macht uns zwar stärker, es kann aber manchmal auch unbequem sein, weil es verlangt, in gemeinsamer Verantwortung zu handeln, um auch der deutschen Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass wir Orthodoxen in der Tat nicht ein Konglomerat von allenfalls theoretisch verbundenen Bistümern, sondern wirklich eine Kirche sind.

Wir müssen dahin kommen, dass etwa in ökumenischen Gremien gemeinsame Vertreter für alle orthodoxen Bistümer sitzen, die rein nach ihrer fachlichen Kompetenz ausgewählt worden sind.

Wir brauchen gemeinsame Lehrbücher für die Katechese wie für den schulischen orthodoxen Religionsunterricht, der für alle orthodoxen Kinder von Lehrern aus allen orthodoxen Kirchen erteilt wird. Ein Anfang ist gemacht, aber es bedarf noch etlicher weiterer Schritte und Anstrengungen, damit in der Tat eine gesamtorthodoxe religiöse Unterweisung unserer Kinder und Jugendlichen in den öffentlichen Schulen erfolgt.

Wir müssen unsere gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit in Fernsehen, Funk und Presse, auch im neuen Medium des Internets, intensivieren, müssen auch dort "Fahne zeigen", nicht nur hinter Kirchenmauern.

Wir müssen mit einer Sprache sprechen - auch und gerade im Zentrum unseres kirchlichen Lebens, im Gottesdienst. Von daher muss die Übersetzung der liturgischen Texte ins Deutsche intensiv weitergetragen werden, damit in baldiger Zukunft in allen orthodoxen Gottesdiensten, bei denen Texte in der hiesigen Landessprache Verwendung finden, ein und derselbe Wortlaut zu hören ist als ein weiteres Band der Einheit aller in Deutschland heimisch werdenden Orthodoxen.

Wir haben eine Verantwortung wahrzunehmen für die Kranken und Einsamen unter unseren Gläubigen, die es mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Deutschland auch in vermehrtem Maße geben wird. All diese Aufgaben können in sinnvoller Weise nur durch eine gesamtorthodoxe Zusammenarbeit in gemeinsamen sozialen und karitativen Werken gelöst werden, denn auf die Dauer werden wir unserer diesbezüglichen Verpflichtung nur gerecht werden können, wenn wir sie uns nicht durch nicht-orthodoxe Einrichtungen abnehmen lassen, sondern wenn wir selbst hier aktiv tätig werden.

Wir tragen die Sorge für die Zukunft unserer immer in diese Gesellschaft integrierten Jugend, für die das Deutsche zu seiner Bildungs- und Hauptsprache wird: Die Gründung eines gesamtorthodoxen Jugendverbandes und die Intensivierung einer orthodoxen Jugendarbeit in diesem Lande sind von daher dringend und baldigst geboten.

Diese Reihe von Desideraten ließe sich noch lange fortsetzen ... Sie alle zeigen, wie wichtig die Tätigkeit der Kommission der Orthodoxen Kirchen in diesem Lande ist!

Gekürzte Fassung des gleichnamigen Beitrages in: Anastasios Kallis / Bischof Evmenios von Lefka, Orthodoxie in Begegnung und Dialog - Festgabe für Metropolit Augoustinos, Theophano Verlag, Münster 1998, 227-233.


Ständige Informationen zur Tätigkeit der Kommission finden Sie im Informationsdienst Orthodoxie aktuell .


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