Schule

Fastenbrief der orthodoxen Bischöfe in Deutschland im Jahre 2002 [17. Jan. 2006 - 15:32]

Daher ist es beunruhigend, dass der schulische orthodoxe Religionsunterricht bislang nur einen geringen Teil der orthodoxen Schülerinnen und Schüler in Deutschland zu erreichen vermag. Bislang haben lediglich vier der sechzehn Bundesländer den orthodoxen Religionsunterricht an allgemeinbildenden staatlichen Schulen eingerichtet, nämlich Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Hessen, und auch in diesen Bundesländern sind wir weit entfernt von einem flächendeckenden Angebot orthodoxen schulischen Religionsunterrichtes.

Hier fehlt es an vielem, nicht zuletzt an Religionslehrern aus allen orthodoxen Nationen, die in Deutschland leben, und zwar solchen, die in diesem Lande ausgebildet werden, die die Situation der Orthodoxen Kirche in Deutschland verstehen und auch die Lebenswirklichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler gut kennen. Auf diesem Hintergrund ist es einerseits erfreulich, dass ein Studiengang für zukünftige orthodoxe Religionslehrer und -lehrerinnen an der Universität München eingerichtet wurde, bleibt es aber unbegreiflich, warum der Lehrstuhl für Orthodoxe Theologie an der Universität Münster noch nicht wiederbesetzt und auch dort ein vergleichbarer Studiengang ermöglicht worden ist.

Wir sind Mitbürger in diesem Land geworden, und wir sind es gerne: Als solche tragen wir gemeinsam mit den staatlichen Institutionen Deutschlands die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder und heranwachsenden Jugendlichen in die hiesige Gesellschaft integriert werden und zugleich ihre eigene Identität, auch und gerade ihre orthodoxe religiöse Identität, nicht verlieren; dies ist auch eine wichtige Aufgabe des staatlichen Religionsunterrichtes. Von daher appellieren wir an die staatlichen Stellen, insbesondere die Kultusministerien der Länder, das in ihrer Macht Stehende zu tun, damit die orthodoxen Schülerinnen und Schüler einen eigenen Religionsunterricht erhalten, der in qualitativer und quantitativer Hinsicht dem der anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften entspricht.

Doch dürfen wir nicht nur auf den Staat verweisen und allein von ihm Lösungen erwarten: Im Blick auf die religiöse Bildung unserer Kinder sind der volle Einsatz und das Engagement aller orthodoxen Christen in Deutschland gefordert. Wo - noch - kein schulischer Religionsunterricht möglich ist, muss die gemeindliche Katechese umso besser organisiert werden.

Von daher fordern wir Euch alle auf, sich diesem Werk zu widmen:

 

* die Pfarrer, dass sie in ihren Gemeinden regelmäßige Sonntagsschulen und katechetische Kurse einrichten,

* die schon amtierenden Religionslehrer und -lehrerinnen, dass sie sich ständig weiterbilden, für ihr Fach einsetzen und möglichst viele orthodoxe Kinder dafür gewinnen

* die Eltern und Erziehungsberechtigten, dass sie jede Möglichkeit ausschöpfen, dass ihre Kinder im Glauben unterwiesen werden, sei es in den Gemeinden, sei es durch Einfordern eines orthodoxen Religionsunterrichtes in den Bundesländern, wo er schon offiziell errichtet wurde.

* die Religionspädagogen und Theologen, katechetische Materialien für den orthodoxen Unterricht zu erstellen oder für die Übersetzung qualitätvoller Literatur ins Deutsche Sorge zu tragen.

Es ist hohe Zeit, hier zu handeln, sonst besteht die Gefahr, dass eine Generation von jungen orthodoxen Christen heranwächst, die ihrem Glauben bzw. dem der Eltern immer mehr entfremdet wird. Es ist unbestritten, dass neben der Gemeindekatechese dem Religionsunterricht im deutschen Schulsystem eine wesentliche Funktion zur Wertevermittlung zukommt. Wir wollen unsere katechetische Unterweisung in den Gemeinden stärken, aber wir können auch auf den schulischen orthodoxen Religionsunterricht nicht verzichten, wenn wir erreichen wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen der Kirche und dem Glauben nicht verloren gehen bzw. sie auf eine folkloristische Besonderheit ihrer nationalen Herkunft reduzieren.

Mit Freude sehen und begrüßen wir erste Initiativen in dieser Hinsicht, so etwa, wenn katechetische Materialien entstehen - wie derzeit die Übersetzung und Bearbeitung eines orthodoxen Katechismus - oder wenn sich der Orthodoxe Jugendbund Deutschland auch intensiv um die Vertiefung der Kenntnisse seiner Mitglieder im Glauben bemüht.

 
Aber wir wissen, dass all dies noch nicht ausreicht und noch viele Anstrengungen auf allen Ebenen notwendig sind, denn nur wenn es uns gelingt, der heranwachsenden orthodoxen Generation in Deutschland aus dem gelebten orthodoxen Glauben und der genuinen orthodoxen Tradition heraus das notwendige Rüstzeug mitzugeben, das ihr einerseits die Integration in die Gesellschaft dieses Landes und ein tatkräftiges Mitgestalten ermöglicht, sie andererseits aber vor einer Assimilierung an eine immer mehr dem christlichen Glauben sich entfremdende Umgebung bewahrt, können wir hoffnungsvoll in die Zukunft der Orthodoxen Kirche in Deutschland blicken zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! 

München, am Sonntag der Orthodoxie 2002

 

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa

Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland

Ökumenisches Patriarchat

 

+ Erzbischof Sergius von Evkarpia

Erzbistum der orthodoxen russischen Gemeinden in Westeuropa

Ökumenisches Patriarchat

 

+ Bischofsvertreter Erzpriester Dr. Elias Esber

Metropolie für Westeuropa

Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien

 

+ Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland

Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche

Moskauer Patriarchat

 

+ Erzbischof Longin von Klin

Ständiger Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche in Deutschland

und bei der Europäischen Union

Moskauer Patriarchat

 

+ Bischof Konstantin für Mitteleuropa

Diözese für Mitteleuropa

Serbische Orthodoxe Kirche

 

+ Metropolit Dr. Serafim von Deutschland und Zentraleuropa

Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa

Rumänische Orthodoxe Kirche

 


back to all news
KOKiD© Webmaster

© 2007  KOKiD