Schule

Orthodoxer Religionsunterricht in Deutschland - Perspektiven und Realitäten [25. Aug. 2007 - 17:20]

Dabei geht schon das GG nicht nur implizit, sondern expressis verbis von einem konfessionellen RU aus, wenn der vorstehend zitiert Art. 7 (3) fortfährt: „Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“. Auch in den Landesverfassungen wird diese konfessionelle Bindung des RU betont, besonders markant etwa in der schon angeführten von NRW, wo auch die Bindung des Lehrers bzw. der Lehrerin und der Lehrinhalte an die jeweilige Kirche bzw. Religionsgemeinschaft festgeschrieben wird, wenn es weiter heisst: „Für die religiöse Unterweisung bedarf der Lehrer der Bevollmächtigung durch die Kirche oder durch die Religionsgemeinschaft. ... (2) Lehrpläne und Lehrbücher für den Religionsunterricht sind im Einvernehmen mit der Kirche oder Religionsgemeinschaft zu bestimmen. (3) Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts haben die Kirchen oder die Religionsgemeinschaften das Recht, nach einem mit der Unterrichtsverwaltung vereinbarten Verfahren sich durch Einsichtnahme zu vergewissern, dass der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit ihren Lehren und Anforderungen erteilt wird.“

Es ist offensichtlich, dass damit der RU nicht nur an Bekenntnis-, sondern generell auch an öffentlich-rechtlichen Schulen einer Aufsicht der jeweiligen Kirche in inhaltlicher Hinsicht und in Bezug auf die Person des Lehrenden unterstellt wird. Anders gesagt: Es wird von einer konfessionellen Einheit der drei „L“, nämlich Lehrer, Lernende und Lehre, ausgegangen. Dies stellte – wiederum exemplarisch hier für das Land NRW belegt – ein bis heute gültiger Erlass des Kultusministeriums vom 28.1.1955[1] klar: „Der an den Schulen des Landes eingerichtete Religionsunterricht ... wird nach Bekenntnissen getrennt in Übereinstimmung mit den Lehren und Grundsätzen der betreffenden Kirche oder Religionsgemeinschaft erteilt. Daraus folgt, dass der katholische Religionsunterricht eine Einrichtung für katholische, der evangelische Religionsunterricht eine Einrichtung für evangelische Kinder ist. Hiernach ist in der Regel die staatskirchenrechtliche Zugehörigkeit zu einem bestimmten Bekenntnis, zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft (Kirche) zugleich die Voraussetzung für die Teilnahme am Religionsunterricht dieses Bekenntnisses. ... Abgesehen von ... besonders gelagerten Fällen[2] können Schüler am Religionsunterricht eines anderen Bekenntnisses nicht teilnehmen“.

Traditionell wurde und wird in den meisten Bundesländern flächendeckend römisch-katholischer und evangelischer[3] Religionsunterricht angeboten, an Orten, wo dies von der Zahl der Schülerinnen und Schüler her möglich ist, auch jüdischer. Auch wenn heute die Konfessionalität des RU teils äußerst kontrovers diskutiert wird,[4] wird man Reinhard Frieling zustimmen müssen, wenn  er nüchtern feststellt: „Gegen alle ökumenische Schwärmerei und gegen verbreiteten Indifferentismus in Lehrfragen ist davon auszugehen, dass es weiterhin selbständige Konfessionskirchen geben wird“,[5] und daraus für den RU folgert: „Er muss konfessionell getrennt geschehen, was eine ‚ökumenische Offenheit‘ und ‚Kooperation‘ bei gemeinsam interessierenden Themen nicht ausschließt“.[6]

Das aber bedeutet, dass die zunehmende Zahl orthodoxer Kinder in deutschen Regelschulen auch im Hinblick auf den RU eine angemessene Berücksichtigung finden muss. Angesichts von mehr als einer Million orthodoxer Christen in der Bundesrepublik Deutschland[7] mit einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter kann angesichts der konfessionellen Strukturiertheit des RU nur eine Alternative als befriedigend angesehen werden: die flächendeckende Einrichtung eines eigenständigen orthodoxen RU, der in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Orthodoxen Kirche von entsprechend ausgebildeten und qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern erteilt wird, denen der Staat ebenso wie die Kirche ihr Vertrauen durch die jeweilige Einstellung bzw. Beauftragung ausgesprochen haben und deren Dienst sich unter der Aufsicht von Staat und Kirche vollzieht. Nur so wird auch orthodoxen Kindern jene Möglichkeit einer schulischen religiösen Unterweisung eingeräumt, die in den eingangs zitierten gesetzlichen Basistexten angesprochen und von ihnen ausdrücklich beabsichtigt wird. Der früher gelegentlich geäußerte Vorschlag, orthodoxe Kinder könnten doch am Unterricht der ihnen – angeblich – nahestehendsten Kirche, nämlich der Römisch-Katholischen, teilnehmen, kann keineswegs befriedigen,[8] selbst wenn er ohne jeglichen Hintergedanken geäußert worden sein mag. Ihm zu folgen würde bedeuten, dass orthodoxe Kinder nach den Grundsätzen einer anderen Kirche unterrichtet würden; dass dies eine tiefgreifende Entfremdung gegenüber der eigenen Glaubenstradition, Kirche und Spiritualität bedeutet, braucht wohl kaum eigens erläutert zu werden.

Versuche des Aufbaus eines eigenen griechischen Schulwesens in Deutschland haben sich, wie Experten schon vor Jahren feststellten,[9] nicht als förderlich für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler erwiesen. So kann nur der ebenfalls schon vor Jahren erhobenen Forderung zugestimmt werden: „Alle griechischen Kinder und Jugendlichen besuchen ausnahmslos die deutschen Schulen.“[10] Was für Griechen gilt, gilt in noch größerem Maße für die Angehörigen anderer orthodoxer Völker, die ebenfalls in Deutschland eine langfristige bis dauernde neue Heimat gefunden haben, aber nie über ein eigenes Schulsystem verfügten und nach allem Ermessen auch nicht verfügen werden, wie Serben, Russen, Bulgaren, Rumänen und andere.

Daher kann die oben erhobene Forderung nach einem eigenen orthodoxen Religionsunterricht nur noch einmal in aller Dringlichkeit erhoben werden.

 

Erste Schritte auf dem richtigen Weg

 

Nach eingehenden Verhandlungen zwischen der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, damals der einzigen größeren und frei handelnden orthodoxen Körperschaft in diesem Lande, wurde in einem gemeinsamen Protokoll vom 3. Juli 1985[11] von Metropolit Augoustinos und dem damaligen Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Hans Schwier, „darin Übereinstimmung erzielt, dass mit Beginn des Schuljahres 1985/86 im Lande Nordrhein-Westfalen schrittweise der griechisch-orthodoxe Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach eingeführt wird“. Damit übernahm das Land NRW – damals wie heute das Bundesland, in dem der größte Teil der Orthodoxen Deutschlands, nämlich rund ein Drittel von ihnen, lebt - in der gesamten Bundesrepublik eine Vorreiterrolle, die sich auch in dem entsprechenden Runderlass des Kultusministers vom 28.6.1985[12] dokumentiert, der bestimmt, dass „für Schülerinnen und Schüler, die dem griechisch-orthodoxen Bekenntnis angehören, ... Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach entsprechend den Bestimmungen des Schulordnungsgesetzes eingerichtet“ und dieser von im Landesdienst  beschäftigten Lehrern erteilt wird, „die sich dazu schriftlich bereit erklärt haben“, wobei die förmliche Beauftragung kirchlicherseits durch die Griechisch-Orthodoxe Metropolie erfolgt.

Damit betrat auch der orthodoxe RU Neuland, denn in keinem anderen Land der Welt – auch nicht in den klassischen orthodoxen Heimatländern[13] – ist der RU in gleicher Weise wie in der Bundesrepublik Deutschland eine gemeinsame Angelegenheit von Staat und Kirche. Dies wurde deutlich, als eine aufgrund des genannten Protokolls eingesetzte Expertenkommission in NRW erstmals in der Geschichte Richtlinien für den orthodoxen RU erarbeitete. Diese aus orthodoxen Theologinnen und Theologen verschiedener Herkunft und Diözesanangehörigkeit zusammengesetzte Lehrplankommission erarbeitete unter Begleitung durch den zuständigen Dezernenten und Mitarbeiter des nordrhein-westfälischen Landesinstitutes für Schule und Weiterbildung in Soest mit dem Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes an der Westfälischen Wilhelms-Universität, Prof.Dr.Dr. Anastasios Kallis, als theologischem Berater in fast zehnjähriger Arbeit die Richtlinien für die Primarstufe und die Sekundarstufen.

Als erstes verabschiedet wurden 1992 die Richtlinien für die Gymnasiale Oberstufe,[14] die zugleich auch die Möglichkeit der Abiturprüfung im Fach Griechisch-Orthodoxe Religionslehre in Nordrhein-Westfalen erschlossen, wie sie erstmals im Juni 1994 am Städtischen Leibniz-Gymnasium in Düsseldorf , einem bilingualen Gymnasium mit griechisch-deutschem Zweig, durchgeführt worden ist, wo sechs Schülerinnen und Schüler erstmals in der Geschichte eine solche Prüfung ablegten.[15] 

In diesen Richtlinien für die Sekundarstufe II wird schon ausdrücklich die Multinationalität der orthodoxen Gemeinschaft in Deutschland angesprochen: „Griechisch-Orthodoxer Religionsunterricht ist Unterricht für junge orthodoxe Christen in Deutschland. Er basiert auf dem Glauben der einen, heiligen, katholischen und apostolischen orthodoxen Kirche und geht von der ekklesialen Wirklichkeit der Orthodoxie in Deutschland aus. Ein wichtiges Kennzeichen dieser ekklesialen Wirklichkeit der Orthodoxie in Deutschland ist ihre Multinationalität bei einer gemeinsamen kulturellen Grundlage. ... ‚Griechisch‘ ist weder ein geographischer noch ein nationaler, sondern ein kultureller, theologischer Begriff. Griechisch bedeutet hier nicht die Zugehörigkeit zu einer Nation, sondern zu einer Kulturtradition. ... Auf das Fach Griechisch-orthodoxe Religionslehrer bezogen ergibt sich daraus, dass der Griechisch-orthodoxe Religionsunterricht auf dem gemeinsamen Glauben der einen Orthodoxen Kirche basieren muss. Er sollte jedoch die legitimen, vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des einen Glaubens als Einheit in der Vielfalt berücksichtigen und den Schülerinnen und Schülern das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu der einen Orthodoxen Kirche unter Wahrung der kulturellen und nationalen Identität der jungen Menschen vermitteln.“[16]

Diese Lehrpläne für die Gymnasiale Oberstufe wie auch jener für die Grundschule und die Sekundarstufe I, der ebenfalls bereits 1995 von der entsprechenden Lehrplankommission fertiggestellt worden ist, stellt eine neue Errungenschaft in der deutschen Pädagogik dar. Nicht nur, dass sie sich nicht in ähnlicher Weise wie ihre römisch-katholischen oder evangelischen bzw. auch jüdischen Entsprechungen auf eine teils mehr als hundertjährige religionspädagogische Tradition stützen konnten: Im gesamten deutschen Sprachraum hat es vergleichbare orthodoxe Lehrpläne bislang nicht gegeben.[17]           Insofern ist auch die Charakterisierung des Faches und seiner Zielsetzungen von Interesse, wie sie beispielsweise die Oberstufen-Richtlinien vornehmen: „Orthodoxie versteht sich als Doxologie. Der orthodoxe Glaube ist demnach nicht abstrakte Doktrin sondern Lebensweise, die in der Doxologie ihren genuinen Ausdruck erfährt. Die Identität der Orthodoxie spiegelt sich in der Liturgie wieder, wobei unter Liturgie alles Tun, mit dem die Kirche die Welt begleitet und zur ‚Heiligung‘ der Welt beiträgt, zu verstehen ist. Aufgabe des Religionsunterrichtes ist es, einer Aufspaltung des menschlichen Lebens in eine ‚himmlische‘ und eine ‚irdische‘ Sphäre entgegenzuwirken, um einen ganzheitlichen Lernprozess und eine ganzheitliche Betrachtung der Welt zu ermöglichen. Daraus geht hervor, dass sich der junge Mensch mit der Kirche für die Gesamtschöpfung einsetzen muss. Deshalb ist nach orthodoxem Verständnis Orthodoxie immer zugleich auch Orthopraxie.“[18]

Bedauerlicherweise ist allerdings bis heute der Lehrplan, der den Großteil der orthodoxen Schüler in NRW betreffen würde, nämlich jener für die Sekundarstufe I (Klassen 5-10) aller Schulformen, nicht veröffentlicht worden, obwohl die Lehrplankommission ihn schon Mitte 1995 fertiggestellt hatte, sondern liegt immer noch zur Endbearbeitung beim Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest. In Anbetracht der Tatsache, dass dieser Plan dringend benötigt wird, fällt es einem schwer, hier nicht von Skandal und Verzögerungstaktik zu Lasten der orthodoxen Schülerinnen und Schüler wie Lehrerinnen und Lehrer und damit letztlich einer Benachteiligung einer religiösen Minderheit zu sprechen.

Angesichts der Tatsache, dass die erste Generation der orthodoxen Religionslehrerinnen und -lehrer in NRW fast ausschließlich aus dem Kreis der MEU-Lehrkräfte stammt und keineswegs alle von ihnen eine religionspädagogische Ausbildung durchlaufen haben, kommt der Lehrerfort- und Weiterbildung für das neu geschaffene Fach eine besondere Bedeutung zu. Diese wurde landesweit dem entsprechenden Dezernat des Regierungspräsidenten (heute: Bezirksregierung) in Münster anvertraut, welches seit den späten 80er Jahren eine ganze Reihe von zwei- oder dreitägigen Tagungen für Religionslehrerinnen und –lehrer in Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Forschungsgebiet Orthodoxe Theologie der Universität Münster durchgeführt hat. Dabei erwies sich allerdings schon bald, dass diese zeitlich eng terminierten Tagungen nicht ausreichend für eine dringend notwendige Nachqualifizierung der Philologen zu Religionspädagogen sein konnten. Die Forderung nach weitergehenden und intensiveren Maßnahmen wurde daher immer dringlicher erhoben.
Im Schuljahr 1994/95 konnte erstmals eine solche Fortbildungsmaßnahme zur Qualifikationserweiterung durchgeführt werden, nämlich ein Zertifikatskurs über ein ganzes Schuljahr, zu dem rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einmal wöchentlich zu einer ganztägigen Veranstaltung nach Münster kamen. Weitere Kurse – mit unterschiedlich großer Teilnehmerzahl - fanden in den Schuljahren 1995/96, 1997/98 und 1998/99 (teils wieder in Münster, teils in Düsseldorf) statt, mussten in anderen Jahren – wie auch dem laufenden – jedoch aus haushaltstechnischen Gründen ausfallen, sodass bis heute von den rund 120 orthodoxen RU erteilenden Lehrerinnen und Lehrern in NRW nur etwa ein Drittel an einem solchen Zertifikatskurs teilgenommen hat.[19]

Als Materialien für die diversen Fortbildungsmaßnahmen im Rahmen des orthodoxen RU hat in Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Forschungsgebiet Orthodoxe Theologie an der Universität Münster eine Arbeitsgruppe beim Regierungspräsidenten Münster unter Leitung von Professor Kallis zwei umfangreiche Schriften erstellt, die in der dortigen Schriftenreihe zur Lehrerfort- und –weiterbildung erschienen sind, und zwar einmal eine „Handreichung zum orthodoxen liturgischen Leben“,[20] sodann eine kirchengeschichtliche Einführung.[21] 

Im Sinne einer besseren Koordination der Gespräche mit dem Kultus- bzw. Schulministerium in NRW und dann auch in anderen Ländern haben die seit 1994 in der Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland (KOKiD) als dem Verband aller (kanonischen) orthodoxen Diözesen zusammengeschlossenen Bischöfe „als Hirten der orthodoxen Herde Christi in Deutschland, die in Gemeinschaft mit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Christi in aller Welt steht“, am 20. Dezember 1996 eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die den entsprechenden staatlichen Stellen unverzüglich zugegangen ist und von diesen auch zur Kenntnis genommen wurde. Darin wird der gemeinsame orthodoxe RU ausdrücklich begrüßt: „Der orthodoxe Religionsunterricht soll grundsätzlich allen orthodoxen Schülerinnen und Schülern offenstehen und von Lehrerinnen und Lehrern erteilt werden, die einer der Mitgliedskirchen der Kommission angehören“. Unter Berücksichtigung der Verhältnisse in NRW stellt die Vereinbarung weiter fest: „Die kirchliche Mitwirkung bei allen den orthodoxen Religionsunterricht betreffenden Fragen soll von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, Exarchat von Zentraleuropa, wahrgenommen werden“, fügt aber eigens hinzu: „Die innerorthodoxe Konsensbildung erfolgt bis zur Gründung einer orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland auf der Ebene der Kommission“. Zudem wird deren Vorsitzender, Professor Dr.Dr. Kallis, ermächtigt, „die zuständigen Ministerien der Länder der Bundesrepublik Deutschland davon in Kenntnis zu setzen bzw. die erforderlichen Verhandlungen zu führen, dass der obengenannte Beschluss der Kommission im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten realisiert wird.“

Somit ist seit 1996 die KOKiD der gemeinsame, für alle Fragen des RU zuständige Gesprächspartner der entsprechenden staatlichen Stellen. Zur effektiveren Gestaltung dieser Arbeit wurden von Seiten der KOKiD in den nächsten Jahren mehrere Länderbeauftragte ernannt. Dabei handelt es sich um Pfarrer Prof.Dr. Philippos Savvopoulos (Rüsselsheim) für das Land Hessen, Erzpriester Apostolos Malamoussis (München) für den Freistaat Bayern und Erzpriester Milan Pejic (Hannover) für das Land Niedersachsen. Die Gespräche mit Rheinland-Pfalz führt Pfarrer Johannes Nothhaas (Mainz). 

Die Arbeit der KOKiD und ihres Referates für Religionsunterricht bzw. der genannten Beauftragten in den jeweiligen Bundesländern trug inzwischen sichtbare Früchte: Als zweites Bundesland hat Niedersachen durch Erlaß des Niedersächsischen Kultusministeriums[22] vom 29. Juni 1998 den orthodoxen RU als ordentliches Lehrfach eingeführt,[23] und zwar ausdrücklich für alle „Schülerinnen und Schüler, die einer der orthodoxen Kirchen angehören, die in der Kommission der orthodoxen Kirchen in Deutschland vertreten sind“, wobei „Schülerinnen und Schülern, die einer den orthodoxen Kirchen nahestehenden Kirche angehören, die jedoch nicht in der Kommission der orthodoxen Kirchen vertreten ist,[24] die Teilnahme an dem orthodoxen Religionsunterricht freisteht“. Wie in NRW wird auch in Niedersachsen der orthodoxe RU im Hinblick auf die Unterrichtszeit dem anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften gleichgestellt, d.h. auch ihn „sind grundsätzlich zwei Wochenstunden vorzusehen“. Anders als NRW, das unter den Umständen von 1985 noch eine Koppelung des RU mit dem MEU – zumindest als Alternativlösung – zuließ, sieht der niedersächsische Erlass diese Regelung nur noch als Ausnahmefall vor und bestimmt ausdrücklich: „Der orthodoxe Religionsunterricht wird im Regelfall in deutscher Sprache erteilt. Über Anträge auf Ausnahmegenehmigungen entscheidet die Schulbehörde“. Bezüglich der Lehrkräfte, die den orthodoxen RU erteilen, wird als Bedingung vorgeschrieben, dass sie „einer der orthodoxen Kirchen angehören, die in der Kommission der orthodoxen Kirchen in Deutschland vertreten sind“. Dies bedeutet einmal eine Betonung des Kanonizitätsprinzips, andererseits aber implizit auch, dass die Lehrerinnen und Lehrer jeder orthodoxen Nationalität angehören können. Sie bedürfen natürlich einer kirchlichen Bevollmächtigung, die im Sinne der zitierten Vereinbarung der orthodoxen Bischöfe Deutschlands durch die Griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland, Exarchat von Zentraleuropa, erteilt wird. Im Hinblick auf die inhaltliche Gestaltung des Unterrichtes greift das Land Niedersachsen auf die nordrhein-westfälischen Vorarbeiten zurück und bestimmt: „Dem orthodoxen Religionsunterricht sind bis auf weiteres die Lehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen zur griechisch-orthodoxen Religionslehre zugrunde zu legen, soweit niedersächsische Bestimmungen nicht entgegenstehen“.

Auch andere Bundesländer haben inzwischen die offizielle und flächendeckende Einführung des orthodoxen RU als ordentliches Lehrfach ins Auge gefasst  bzw. schon erste Schritte dazu eingeleitet, wobei sich eine durchaus unterschiedliche Situation ergibt: Während etwa das Land Hessen nach niedersächsischem Vorbild bereit ist, die in Nordrhein-Westfalen erarbeiteten Lehrpläne praktisch unverändert zu übernehmen, legt man im Freistaat Bayern bei grundsätzlicher Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Forschungsgebiet Orthodoxe Theologie der Universität Münster auf der Basis der nordrhein-westfälischen Lehrpläne Wert auf eigene Lehrplangestaltung. Dies ist inzwischen für die Sekundarstufe II und die Primarstufe erfolgt und wird in absehbarer Zeit wohl auch für die Sekundarstufe I geschehen, sodass auch für Bayern eine flächendeckende Einführung des Faches, das bislang bereits an einigen Schulen in München erteilt wird, prinzipiell möglich ist.

 

Perspektiven und Desiderate

 

Der bereits zitierte Passus des nordrhein-westfälischen kultusministeriellen Erlasses über die Einführung des orthodoxen RU bestimmt in Absatz 4 unter Berücksichtigung der tatsächlichen Gegebenheiten des Jahres 1985 vorsorglich: „In Absprache zwischen den Schulen kann der griechisch-orthodoxe Religionsunterricht schul- bzw. schulformübergreifend eingerichtet werden. Er kann auch in Verbindung mit dem Muttersprachlichen Ergänzungsunterricht erteilt werden; in diesem Fall ist für den Religionsunterricht eine gesonderte Note festzusetzen“. Man ging also offensichtlich davon aus, dass der orthodoxe RU für eine bestimmte ethnische Minderheit – nämlich Griechen – und weitgehend im Rahmen der Stärkung ihrer eigenen sprachlichen und nationalen Wurzeln erfolgen sollte.

Inzwischen sind jedoch fast 15 Jahre vergangen und haben sich durch die bekannten Umbrüche in Osteuropa die Gewichte auch innerhalb der Orthodoxie in Deutschland verschoben:[25] 1985 gab es nur verschwindend kleine Gruppen russischer, rumänischer und bulgarischer Orthodoxer in der Bundesrepublik – zumeist Kinder und Enkel der Emigranten von 1917-1920 bzw. 1944/45 – und war die Serbische Orthodoxe Diözese aufgrund der prinzipiell religions- und besonders religionsunterrichtsfeindlichen Einstellung des jugoslawischen Staates gehindert, sich für einen RU für ihre Kinder – sogar noch in staatlichen Schulen! – einzusetzen,[26] so dass die Griechisch-Orthodoxe Metropolie als damals ohnehin deutlich mehr als die Hälfte aller Orthodoxen in Deutschland  umfassende Diözese die einzige orthodoxe Körperschaft war, die für ihre Kinder einen solchen RU durchsetzen konnte. Inzwischen ist durch die starke Zuwanderung von Orthodoxen anderer Nationalität[27] bzw. die Tatsache, dass immer mehr Orthodoxe auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben, eine andere Situation eingetreten, der die zitierte Regelung in Niedersachsen ja auch schon Rechnung trägt.

Es dürfte von daher keine Frage sein, dass die im Erlass von 1985 als Zwischenlösung anvisierte Bindung des RU an den – griechischen – MEU an den meisten Orten keinen wirklichen Sinn mehr macht:[28] In fast allen größeren Städten Deutschlands leben inzwischen Orthodoxe unterschiedlichster nationaler und staatlicher Herkunft, deren Kinder die deutschen Regelschulen besuchen, die aber an keinem MEU teilnehmen, sei es, weil ein solcher für die jeweiligen Nationalitäten gar nicht angeboten wird, sei es, dass der Wille zur baldigen Integration die Eltern davon abhält, ihre Kinder in einen solchen Sprachunterricht zu schicken.

Die Einrichtung eines sie möglichst alle erfassenden, zumindest ihnen allen angebotenen orthodoxen RU ist daher eine verfassungsrechtliche Notwendigkeit, wenn Art. 7 (3) GG ernst genommen wird. Dieser Unterricht wird – das ergibt sich aus den sachlichen Notwendigkeiten – im Regelfall in deutscher Sprache zu erteilen sein, damit auch wirklich alle orthodoxen Kinder an ihm teilnehmen können, die als Schülerinnen und Schüler deutscher Regelschulen dieser allgemein verwandten Unterrichtssprache ja mächtig und auch an sie gewohnt sind.[29]

Das setzt allerdings voraus, dass auch baldigst die Voraussetzungen für die dazu notwendige Aus- und Weiterbildung geeigneter Religionslehrerinnen und –lehrer geschaffen werden; der bislang mit nur wenigen Ausnahmen praktizierte Rückgriff auf die ohnehin vorhandenen MEU-Lehrkräfte erweist sich damit als eine im doppelten Sinne des Wortes „billige“ Lösung und kann nur noch in wenigen Ausnahmefällen befriedigen. Natürlich wird aus dem Kreis dieser Lehrerinnen und Lehrer auch weiterhin ein erheblicher Teil der zukünftigen RU-Lehrkräfte stammen, doch muss ihnen durch entsprechende Kurse die Möglichkeit zu einer echten Qualifikationserweiterung – und damit ist mehr gemeint als die bisherigen bescheidenen Zertifikatskurse! – gegeben werden, sowohl in theologischer wie auch in rein sprachlicher Hinsicht.

Doch wird man nicht nur lang-, sondern sogar schon mittelfristig den Bedarf an Religions-pädagogen aus dem Kreise der MEU-Lehrkräfte nicht decken können, zumal die geographische Verteilung der Griechen sich nicht unbedingt mit denen anderer Orthodoxer deckt, die – wie die Übersiedler aus der GUS - teils ihren Wohnsitz ja nicht frei wählen konnten, sondern zugewiesen bekamen. Insofern ist es eine dringende Notwendigkeit, dass an möglichst vielen Schulen unterschiedlicher Schulformen orthodoxe Lehrerinnen und Lehrer tätig sind, die neben anderen Fächern auch eine Fakultas für den orthodoxen RU besitzen und nach Bedarf in diesem eingesetzt werden können – sei es auch des öfteren nur in einzelnen und kleineren Kursen bzw. Gruppen. Die Konsequenz aus dem Gesagten ist offensichtlich: Die Ausbildung junger orthodoxer Theologinnen und Theologen aus allen orthodoxen Diözesen des Landes[30] zu Religionspädagogen, die bereit und fähig sind, junge Orthodoxe jeder nationalen Herkunft im gemeinsamen Glauben zu unterrichten, muss unverzüglich und energisch angegangen werden. Dies kann nur geschehen, wenn ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zum Studium auch eines oder mehrerer anderer Unterrichtsfächer gegeben wird. Angesichts der Tatsache, dass heutige Studentinnen und Studenten zu einem Großteil einen heimatnahen Studienplatz bevorzugen, ergibt sich die Notwendigkeit, an verschiedenen Orten Deutschlands eine Möglichkeit zu einer solchen religionspädagogischen Ausbildung anzubieten bzw. Fernstudiengänge einzuplanen. Die Einrichtung einer einzigen Orthodoxen Lehreinrichtung für ganz Deutschland, so wichtig und sinnvoll sie auch ist, vermag auf die Dauer sicher nicht den Bedarf an Religionspädagogen zu decken, der sich ergibt, sobald mit den verfassungsmäßig abgesicherten Rechten auch der orthodoxen Bürger und Bewohner dieses Landes auf einen Religionsunterricht ihres Glaubens endlich ernst gemacht wird.

Zu diesem Ernstmachen gehört auch die lange überfällige statistische Erfassung der Schüler-innen und Schüler orthodoxen Glaubens, die an deutschen Regelschulen unterrichtet werden; eine solche Erfassung kann, wenn sie einigermaßen exakt ausfallen soll, nur durch die Schulbehörden selbst geschehen, da gerade jene Diözesen, deren Mitgliederzahl derzeit einem rapiden Wachstum durch Zuwanderung aus Ost- und Südosteuropa unterliegt, weitgehend noch kein flächendeckendes Netz an Pfarreien und Seelsorgestellen haben aufbauen können und dies – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – auch in absehbarer Zeit noch nicht werden tun können; umso wichtiger aber ist die religiöse Unterweisung der orthodoxen Kinder in der einzigen Einrichtung, die sie mit Sicherheit erfaßt, nämlich der Schule.

Mit der – teils ja schon erfolgten - statistischen Erfassung der Schülerinnen und Schüler ist es natürlich nicht getan: Hieraus müssen endlich und eindeutig Konsequenzen gezogen werden, d.h. es müssen, wo immer es geht, Kurse und Lerngruppen für den orthodoxen RU eingerichtet und die entsprechenden Lehrkräfte eingestellt werden, auch wenn dies angesichts der in den meisten Kultus- bzw. Schulministerien herrschenden Sparpläne nicht leicht ist und Opfer verlangt.

Dabei geht es nicht um die Durchsetzung abstrakter Verfassungsrechte: Angesichts der Bedeutung des RU für die Gewissensbildung junger Menschen kann es auch dem Staat nicht gleichgültig sein, ob und wieweit junge Orthodoxe eine solche ethische Formung erhalten, die gerade im RU – und in vergleichbarer Form durch keinen wie auch immer gearteten Ersatzunterricht – vermittelt werden kann, denn - wie Brigitte Wiesen zu Recht anmerkte - „christliche Ethik, wie sie im konfessionellen Religionsunterricht vermittelt wird, hat dafür in ihrem Glauben feste Bezugspunkte. Ethische Orientierung im Philosophieunterricht kann und will ein solches Fundament nicht beanspruchen“.[31] Der RU ist daher nicht nur vom Interesse der Kirche, sondern auch vom Erziehungsauftrag der staatlichen Schulen her unverzichtbar. „Der junge Mensch braucht in einer immer komplexer und komplizierter werdenden Welt, angesichts eines weltanschaulich neutralen Staates und einer pluralistischen Gesellschaft ein Fach, das ihm Orientierung, Halt und Sinnfindung bietet. Er braucht ein  Korrektiv gegenüber Tendenzen zu einer oberflächlichen, rein materiellen, egoistischen, konsum- und profitorientierten Lebenshaltung.“[32] Dies gilt nicht nur irgendwie auch, sondern in einem besonderen Maße für den jungen orthodoxen Christen in Deutschland, der um seine Identität ringt: In der Regel ausländischer Herkunft, hat er in seiner neuen Heimat und ihren Wertvorstellungen seinen Platz zu finden, um in dieser Gesellschaft ein vollwertiger Partner zu sein und sie mitzugestalten.

Die Ermöglichung und echte Realisierung des orthodoxen RU ist kein Gnadengeschenk des Staates an die Orthodoxe Kirche in Deutschland, sondern liegt auch im ureigenen Interesse dieses Staates selbst, wenn er nicht zu einer weiteren Entwurzelung und Isolierung vieler junger Menschen beitragen will. Durch einen flächendeckenden orthodoxen RU in staatlichen Schulen wird jene Integration von Menschen ausländischer Herkunft gefördert, die nicht in einer gesichtslosen Assimilation besteht, sondern in Achtung der Würde dieser Menschen sie in ihrer Identität stärkt und zugleich in jene multikulturelle Gesellschaft integriert, zu der das Deutschland des ausgehenden 20. Jahrhunderts geworden ist.    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1]              ABI.KM.NW. S. 31 (BASS 12-52 Nr. 2)

[2]              Hiermit sind jene im Erlass auch ausdrücklich genannten Sonderfälle gemeint, in denen der Elternwille die Teilnahme am RU eines anderen Bekenntnisses als desjenigen, dem die Kinder angehören, ausdrücklich verlangt: „In derartigen Fällen muss es sich um eine klare Entscheidung der Erziehungsberechtigten oder des religionsmündigen Schülers für die religiöse Erziehung in dem betreffenden Bekenntnis handeln, dessen Religionsunterricht besucht werden soll“, d.h. es muss ausdrücklich nicht nur der Besuch eines bestimmten Unterrichtes, sondern die Erziehung nach den Grundsätzen eines anderen Bekenntnisses bejaht werden.  

[3]              Die Schüler der evangelischen Freikirchen können ebenfalls ohne weiteres am landeskirchlich bestimmten evangelischen RU teilnehmen; selbst die Erteilung des Unterrichtes durch freikirchliche Lehrer ist in den Vokationsordnungen einiger Landeskirchen  vorgesehen; so bestimmt etwa Art. 7 der Ausführungsbestimmungen zur Vokationsordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland vom 26. Februar 1981: „Lehrer, die nicht der Landeskirche, sondern einer anderen Kirche angehören, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland angeschlossen ist, können die Vokation erhalten. ... Diese Lehrer erklären schriftlich, dass sie die Vokationsordnung der evangelischen Landeskirchen ... anerkennen“.

[4]              Vgl. dazu als jüngste Veröffentlichung (mit reichen Literaturangaben und Dokumentation): R. Frieling / Chr. Th. Scheilke (Hrsg.), Religionsunterricht und Konfessionen (Bensheimer Hefte 88), Göttingen 1999. – Obwohl in der grafischen Umschlaggestaltung dieses Heftes auch die Orthodoxie (neben den Symbolen für das Judentum, die römisch-katholische Kirche, das Luthertum und die Ökumene durch das achtendige Kreuz) präsent ist, geht es im Text bezeichnenderweise nur um den römisch-katholischen und evangelischen RU. Die Existenz des orthodoxen RU wird praktisch nicht zur Kenntnis genommen. 

[5]              R. Frieling, Die Grundsätze der Konfessionen im Religionsunterricht – Zum Stand des ökumenischen Dialogs, in: Frieling / Scheilke, Religionsunterricht, 46.

[6]              Ebd., 45. 

[7]                        Vgl. zu den Zahlenangaben: N. Thon, Orthodoxe Christen in Deutschland - Versuch einer Statistik, in: Anastasios Kallis / Bischof Evmenios (Tamiolakis) von Lefka (Hrsg.), Orthodoxie in Begegnung und Dialog - Festgabe für Metropolit Augoustinos, Münster 1998, 227-233.

[8]              Vgl. dazu kritisch: A. Kallis, Ökumene am Ort – Fragen der Sakramentenpastoral zwischen Katholiken und Orthodoxen im deutschen Sprachraum, in: CistC 94 (1987), 15-23. 

[9]              Vgl. D. Hopf, Schulische Aspekte der griechischen Migration und Remigration, in: A. Kallis (Hrsg.), Dienst am Volk Gottes – Leben und Wirken der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland / Exarchat von Zentraleuropa, Herten 1992, 235-247.

[10]             Th. Nikolaou, Perspektiven der griechisch-orthodoxen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland, in: ebd., 219-233; Zitat: 232.

[11]             Vgl. den Wortlaut in: Volk Gottes, 339.

[12]             GABI.NW S. 468; Abdruck auch in: Volk Gottes, 340. 

[13]             In den damals noch sozialistischen Ländern Ost- und Südosteuropas war bis zur Wende ein schulischer RU undenkbar; bis heute ist er – von Ausnahmen wie der Respublika Srpska in Bosnien abgesehen – noch nicht allgemein eingeführt und bewegt sich sowohl in den Nachfolgestaaten der UdSSR wie in Rumänien oder Bulgarien vielfach noch in einer stark von örtlichen Bedingungen abhängigen Grauzone. In Griechenland hingegen ist der schulische RU zwar flächendeckend vorhanden, aber in den staatlichen Schulen eine rein staatliche Angelegenheit,  bei der die Kirche nur bedingt Einfluss hat.

[14]             Kultusministerium NRW – Gymnasiale Oberstufe – Richtlinien Griechisch-Orthodoxe Religionslehre, Sek. II, Stand: 15. Juni 1992 (Manuskriptdruck).

[15]             Vgl. Pressebericht: epd-info, 23 v. 9.6.1994, 10. 

[16]             Richtlinien, 21 f. - In ähnlicher Weise definieren auch die Richtlinien für die Primarstufe (Grundschule) die Bezeichnung des Faches als „Griechisch-Orthodoxe Religionslehre“ im Sinne einer Kulturnation und nicht einer Nation, sodass der Unterricht prinzipiell für orthodoxe Schülerinnen und Schüler jeder ethnischen Herkunft und diözesanen Zugehörigkeit offen ist.

 

[17]             Bei den sog. „Lehrplänen“, die das österreichische Bundesministerium für Unterricht und Kunst für den Syrisch-Orthodoxen Religionsunterricht an Pflichtschulen, mittleren und höheren Schulen (BGBI. Nr. 467/1988) am 2. August 1988 und für den griechisch-orientalischen (orthodoxen) Religionsunterricht (BGBI. Nr. 441/1991) veröffentlicht hat, handelt es sich nach hiesigen Begriffen nicht um eigentliche Richtlinien oder Lehrpläne, sondern lediglich um grobe Stoffpläne, wie sich aus einem Vergleich des Umfangs ergibt: Die österreichischen Pläne haben 4 bzw. 5 Seiten, der NRW-Oberstufenplan 97.

[18]             Richtlinien, 22 f.

[19]             Leider muss allerdings auch gesagt werden, dass das Interesse der Lehrer an der Teilnahme bei einem solchen Zertifikatskurs in einigen Jahren nicht allzu groß war. 

[20]             A. Kallis / N. Thon (Hrsg.), Doxologie – Eine Handreichung zum orthodoxen liturgischen Leben (Schriftenreihe zur Lehrerfort- und –weiterbildung, Heft 3/1992, hsg. Vom Dezernat 45.3 des Regierungspräsidenten), Münster, 1992, 140 S.

[21]             A. Kallis / N. Thon (Hrsg.), Die Orthodoxe Kirche und ihr Weg in der Geschichte – Teil 1: Begegnung und Auseinandersetzung (Schriftenreihe zur Lehrerfort- und –weiterbildung, Heft 18/1997, hsg. vom Dezernat 45.3 der Bezirksregierung), Münster, 1996, 206 S. 

[22]             Erl. d. MK vom 29. 6. 1998 - VORIS 224 10 01 00 40 056

[23]             Das Land Niedersachsen hatte übrigens am 9.7.1981schon einmal einen Erlass "Religionsunterricht für Schüler griechisch-orthodoxen Glaubens" - VORIS 22410 01 00 40 011 verabschiedet, der aber aus diversen Gründen unveröffentlicht geblieben und nie in die Praxis umgesetzt worden war.

[24]             Gemeint sind damit wohl einerseits Personen, die einer der nicht als kanonisch anerkannten Kirchen (Russische Orthodoxe Kirche im Ausland, Ukrainische Orthodoxe Kirche / Kiever Patriarchat, Makedonische Autokephale Orthodoxe Kirche u.a.) angehören, andererseits auch Mitglieder der orientalisch-orthodoxen Kirchen.

[25]             Vgl. dazu: EB Longin von Klin, Gelebte Gemeinschaft – Die Kommission der Orthodoxen Kirchen in Deutschland, in: B. Evmenios von Lefka / A. Kallis, Orthodoxie in Begegnung und Dialog (Festgabe für Metropolit Augoustinos), Münster 1998, 235-254, bes. 236-241. 

[26]             Das bedeutet nicht, dass es nicht nur das Engagement einzelner Geistlicher vor Ort zu anderen Lösungen kam, die allerdings einen Ausnahmecharakter trugen: So wurde beispielsweise in Dortmund schon Ende der 70er Jahre auf Grund einer entsprechenden Entscheidung des zuständigen Schulrates für serbische Kinder vom Ortspfarrer orthodoxer RU erteilt.

[27]             Allein in den Jahren 1997 und 1998, in denen erstmals in der Statistik der Religionszugehörigkeit für deutschstämmige Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR und ihre Familienangehörigen die orthodoxe Konfession eigens ausgewiesen wurde, sind rund 25.000 orthodoxe Christen aus den Ländern der früheren Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland gekommen, vgl. OA 3 (1999), Heft 8, 24. 

[28]             Ausnahmen bilden einige wenige Schulen mit stärkerer Konzentration von Kindern einer Nationalität und natürlich bilinguale Schulen wie etwa das Leibniz-Gymnasium in Düsseldorf, an dem orthodoxer RU in griechischer und inzwischen auch in deutscher Sprache erteilt wird.

[29]             Hinzu kommt, dass ein in der Regel mit deutscher Unterrichtssprache erteilter orthodoxer RU auch dazu beitragen wird, dass er selbst und darüber hinaus die Orthodoxe Kirche in Deutschland aus ihrer Nischenexistenz heraustreten und als gleichrangiger Partner in der Ökumene ernst genommen werden kann.  

[30]             Die Tatsache, dass ein erheblicher und nach allem Ermessen stetig wachsender Teil von ihnen selbst in Deutschland geboren, zumindest aufgewachsen sein dürfte, wird sich weiter positiv auf den RU auswirken, da die von ihnen unterrichteten Kinder ebenfalls inzwischen – nicht zuletzt durch ihre deutsche Schulerfahrung – in dieser Umwelt verwurzelt sind.

[31]             B. Wiesen, Philosophie als Ersatzunterricht, in: Bildung aktuell, 1/96, 18. 

[32]             R. Nöth, Religionsunterricht heute – Anspruch und Wirklichkeit, in: Anzeiger für die Seelsorge, 9/1996, 445.


                               Nikolaj Thon

(Stand: 2004)

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