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Professor Theodor Nikolaou - 60 Jahre
von Prof. Dr. Konstantin Nikolakopoulos

Es wäre keine rhetorische Hyperbole zu behaupten, dass Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Theodor Nikolaou das Jahr 2002 in vielfältiger Hinsicht vieles bedeutete. Der Münchener orthodoxe Theologe, Vorsitzender der für alle Orthodoxen in Deutschland lebenswichtigen "Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität München"beging am 24. März 2002 seinen 60. Geburtstag. Hierbei muss noch erwähnt werden, dass  der Jubilar auf heurigem gutem Zufall einen Tag zuvor, am 23. März, zusätzlich seinen Namenstag beging, denn laut orthodoxem Festkalender fällt das bewegliche Fest des hl. Theodoros stets auf den Samstag vor dem 1. Fastensonntag oder Sonntag der Orthodoxie, den die Orthodoxen 2002 am 24. März prachtvoll gefeiert haben.Aus diesem gewichtigen Geburtstagsanlass des renommierten Theologen veranstalteten die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und die Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie am selben Tag einen Festakt, während dessen dem Jubilar neben mehreren Glückwunschansprachen, der Vorstellung seines Curriculum vitae und einer Laudatio weiterhin eine umfangreiche Festschrift überreicht wurde. Die Jubiläumsfeier wurde seitens der kirchlichen und akademischen Organisationskommission vom bischöflichen Vikar in Bayern, Protopresbyter Apostolos Malamoussis, und den drei weiteren orthodoxen Professoren der Ausbildungseinrichtung organisiert und fand im Gemeindesaal der griechischen Allerheiligenkirche in München statt. Der Titel der ökumenisch bedeutsamen Festschrift "Orthodoxe Theologie zwischen Ost und West" spiegelt am trefflichsten die Wirkungsbreite des theologischen Engagements von Nikolaou wider. Der Jubilar dient seit seiner Jugend durch hervorragende Leistungen der Orthodoxen Kirche. Sein langjähriges vielseitiges Engagement in den Bereichen der Theologie, der griechischen Bildung, der ökumenischen Verständigung und des gesellschaftlichen Aufbaus wird von Vertretern aller drei großen christlichen Kirchen geschätzt und anerkannt.Die inhaltlich vielfältige Festschrift stellt eine würdige Gabe für einen orthodoxen Theologen dar, der seit 1965, als er nach seinem abgeschlossenen Theologiestudium in der patriarchalischen Hochschule von Chalki nach Bonn kam, bis heute ununterbrochen der Orthodoxen Kirche dient und ihre akademische Theologie erfolgreich pflegt. Von den vielen wichtigen Stationen der akademischen Laufbahn des in Anavra/Magnesien geborenen orthodoxen Theologen könnte man seine erste Promotion an der Philosophischen Fakultät über den Neid bei Johannes Chrysostomos im Jahre 1968, seine 1975 an der Christkatholisch-theologischen Fakultät der Universität Bern abgeschlossene Habilitation über "Die Ansichten über Staat und Kirche des Georgios Plethon Gemistos" und die 1976 erfolgte Umhabilitation an die Universität Bonn, sowie seine 1978 erfolgte Ernennung zum außerplanmäßigen Professor und 1979 zum Oberassistenten erwähnen. Nach dieser ersten Phase seiner theologischen Karriere in Deutschland kam die Zeit der orthodoxen Promotion. 1981 wurde Nikolaou zum Dr. theol. an der Theologischen Fakultät der Aristoteles-Universität in Thessaloniki mit dem Thema "Die Willensfreiheit und die Affekte der Seele nach Klemens von Alexandrien" promoviert. Niemand kann aber bezweifeln, dass die neue und entscheidende Ära für Theodor Nikolaou wie auch für die Orthodoxe Theologie in Deutschland überhaupt im Jahre 1984 aufbrach, als er den Ruf zur Besetzung eines C 4 - Lehrstuhls für Orthodoxe Theologie an der historischen Ludwig-Maximilians-Universität in München annahm. Als Höhepunkt seiner bisherigen jahrzehntelangen erfolgreichen Präsenz in der deutschen Universitätslandschaft darf sein Beitrag zur Gründung der "Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität" zu München betrachtet werden. Sie bietet in erster Linie Orthodoxen aus allen Ländern, aber - wegen ihres Standortes mitten im Herzen Europas - auch weiteren Interessenten orthodoxe und darüber hinaus inter­konfessionelle Studien und eröffnet damit ökumenische Perspektiven. Es ist zwar eine Tatsache, dass bis heute noch der Studiengang Orthodoxe Theologie eine Experimentierphase mit vorbestimmtem Ende durchläuft, ohne auf eine gesicherte Zukunft noch blicken zu können. Angesichts der bevorstehenden endgültigen Entscheidung des Akademischen Senats über die Zukunft der Orthodoxen Theologie in München bleiben wir aber optimistisch und hoffen auf eine positive Entscheidung, die den weiteren Betrieb und die langfristige Zukunft der Ausbildungseinrichtung gewährleistet. Diese Festschrift bedeutet Anerkennung und Würdigung der theologischen Leistung und der Verdienste eines Mannes, der zum Voranbringen der orthodoxen Theologie und zur Verständigung zwischen Christen verschiedener Traditionen am meisten beigetragen hat. Selbstverständlich hat Theodor Nikolaou für sein wissenschaftliches und kirchliches Engagement bereits gewichtige Ehrungen seiner Person nachzuweisen. Im Jahre 1972 wurde er mit dem Preis der Akademie der Wissenschaften in Athen für seine Arbeit über Plethon Gemistos ausgezeichnet. Im April 1992 erhielt er in Alexandrien vom Patriarchen von Alexandrien und ganz Afrika, Parthenios II., die Ehrenmedaille des Apostels Markus, des Gründers der Kirche (des Patriarchats) von Alexandrien. Darüber hinaus wurde ihm am 3. Dezember 1998 die Ehrendoktorwürde der "Hll. Kyrill und Method" Universität von Veliko Tarnovo in Bulgarien verliehen. Dabei war Nikolaou der erste nicht bulgarische orthodoxe Theologe, der diese Auszeichnung der betreffenden Universität erhielt. In diesem Zusammenhang sollte eine zweite Ehrenpromotion von Theodor Nikolaou,  mit der er am 13. März 2002 von der Orthodoxen Theologischen Fakultät der rumänischen Babes-Bolyai-Universität in Cluj (Klausenburg) ausgezeichnet wurde, erwähnt werden.Die 716 Seiten umfassende Festschrift kam durch Initiativen der drei orthodoxen Kollegen von Nikolaou, den Professoren Nikolakopoulos, Vletsis und Ivanov, zustande und wurde beim Frankfurter Lembeck Verlag (2002: ISBN 3-87476-401-X) herausgegeben. Sie zeichnet sich durch zahlreiche internationale Beiträge aus allen Bereichen der Theologie und der Geisteswissenschaften allgemein aus. Außer dem Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten von Deutschland Augoustinos tragen weitere orthodoxe Hierarchen der Bundesrepublik, sowie Friedrich Kardinal Wetter und der Landesbischof Johannes Friedrich mit Grußworten zum Festband bei. Insgesamt 42 Autoren, orthodoxe Gelehrte und Weggefährten von Nikolaou, aber auch römisch-katholische und evangelische Theologen und andere Persön­lichkeiten kommen in diesem Band zu Wort und bringen mit ihren wissenschaftlichen Aufsätzen ein farbenreiches Mosaik hervor: ein Zeugnis der Bandbreite und des Widerhalls bewegten Wirkens und vielfältigen Interesses eines hochgeschätzten Menschen. So trägt dieser Jubiläumsband dem Engagement von Theodor Nikolaou Rechnung, der im Geiste orthodoxer Überlieferung wirkte und wirkt und zugleich ökumenische Brücken ins dritte Jahrtausend geschlagen hat. Im Rahmen des am 24. März 2002 erfolgten Festaktes wurde Nikolaou für seinen bisherigen Beitrag zur Orthodoxen Kirche und Theologie geehrt. "Es wäre aber ganz unrealistisch zu behaupten, Theodor Nikolaou hätte mit seinen 60 Jahren den Höhepunkt seiner Verdienste erreicht. Jeder, der ihn gut kennt, ist sicherlich der Meinung, dass er sich in den kommenden Jahren für die Orthodoxie noch mehr und noch intensiver einsetzen und somit noch Weiteres vorbringen wird", wie im Festband (S. 29) charakteristisch betont wird. Unter den etwa 120 Festgästen haben hohe orthodoxe Würdenträgern in Deutschland und viele orthodoxe Geistliche sowie Vertreter der Römisch-katholischen und Evangelischen Kirche in Bayern,  politische Persönlichkeiten Bayerns, Mitglieder des Universitätskollegiums und weitere Akademiker wie auch Festgästen aus dem Familien- und Freundeskreis des Jubilars mit ihrer Anwesenheit Herrn Nikolaou geehrt. Nach dem Vorlesen einer Glückwunschbotschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomais I. sprachen einschlägige Grußworte der Griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Augoustinos, der Vertreter des Kardinals Friedrich Wetter, Domkapitular Prälat Dr. Lothar Waldmüller, der Ständige Vertreter des Landesbischofs Dr. Johannes Friedrich, Oberkirchenrat Franz Peschke, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Alois Baumgartner, wie auch der Vertreter des Evangelischen Dekans, Prof. Dr. Dr. h.c. Ferdinand Hahn.Gott möge dem Hauptprotagonisten der Münchener orthodoxen Lehrstätte, Herrn Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Theodoros Nikolaou, Gesundheit, Mut und Kraft geben, um der Orthodoxie für viele weitere Jahre noch seine wertvollen Verdienste zu erweisen. Und die jüngeren Theologen der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie in München werden dazu aufgerufen, - außer ihren Gebeten für die noch nicht fest gesicherte Zukunft dieser Einrichtung - mit Eifer und großem Willen zur Verherrlichung der Orthodoxen Theologie und Kirche den Spuren und den großartigen Bemühungen des ersten Lehrstuhlinhabers, den wir hiermit ehren wollen, auf würdiger Weise zu folgen.


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