Universität: Dokumente


Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie - Aufruf zur Hilfestellung

Bei den letzten Sitzungen der Reformkommission für „Abbau und Profilierung“ der LMU am 04. und 29. März 2004 befasste man sich – dem Vernehmen nach - auch mit der Weiterentwicklung der Orthodoxen Theologie. Dabei ergab es sich, dass im Rahmen der geplanten Einschnitte die Hochschulleitung den Studiengang für Orthodoxe Theologie nicht weiter zu führen gedenkt . Somit wird nun die Existenz der Ausbildungseinrichtung explizit in Frage gestellt und bedroht. Bedauerlicherweise war die Orthodoxe Theologie durch keinen ihrer vier Professoren - die drei Professoren sind extra facultates und Prof. Nikolaou gehört mit eingeschränkten Rechten der Katholisch-Theologischen Fakultät an - in der Reformkommission vertreten.
Mit dieser nun konkret negativen Nachricht aus der Universität München setzt sich die Kette von Problemen, Stolpersteinen und Unwegsamkeiten für die einzige universitäre Einrichtung dieser Art, nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern in Westeuropa überhaupt, seit ihrer Errichtung bzw. der Genehmigung der Studien- und Prüfungsordnung im Jahre 1997 konsequenterweise fort.
Seit ihrer Gründung und bis zum 06. Februar 2003, als ihre Verstetigung vom Senat zum zweiten Mal (zuerst einmal am 20.06.2002) beschlossen wurde, befand sich nämlich die Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie offiziell in einer so genannten Experimentierphase, die ihrem Betrieb enorme Schwierigkeiten bereitete und bei den bereits immatrikulierten Studenten und anderen interessierten Studienkandidaten verständlicherweise Unsicherheit und Unattraktivität hervorrief. Nach vielen Bemühungen, nach einer sehr positiven externen Evaluation des Faches, nach der Doppelverstetigung und einer bisweilen soliden Entwicklung befindet sich die Orthodoxe Theologie immer noch in einer schwebenden Situation an der LMU München. Ihr fehlen bis heute jene konstanten Rahmenbedingungen, die bei jedem Fach üblich sind und die Attraktivität bzw. Konkurrenzfähigkeit dieses Studiengangs entschieden steigern könnten. Anstatt dass diesem neuen Fach Überlebensperspektiven gewährt werden, werden nun im Rahmen der angekündigten Kürzungsmaßnahmen nicht nur seine Funktionsfähigkeit, sondern auch seine Existenz und Weiterführung ernsthaft bedroht.
Die orthodoxe Ausbildungseinrichtung in München ist die einzige universitäre Ausbildungsstätte der verschiedenen Diözesen der Orthodoxen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland (und darüber hinaus in ganz Westeuropa), die für die lebenswichtige Aus- und Weiterbildung ihres theologischen Nachwuchses (Priester, Religionslehrer, Katecheten und übrigen kirchlichen Mitarbeiter) zur Verfügung steht. Es erweist sich auch als enorm wichtig, dass die Studierenden neben den Kenntnissen der Orthodoxen Theologie auch mit der abendländischen Theologie- und Geistesgeschichte, aber nichtsdestoweniger mit der Geschichte, Kultur und Eigenart dieses unseres Landes vertraut gemacht werden. Verständlicherweise hat dies positive Auswirkungen im Hinblick auf die angestrebte Eingliederung der über 1,5 Millionen orthodoxen Mitbürger in die deutsche Gesellschaft. In einer Zeit, in der richtigerweise Ausbildungszentren und Studiengänge für den Islam eröffnet werden, ist es unangebracht und unverständlich, die Existenz der einzigen Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie im Lande in Frage zu stellen und somit ihren Beitrag zur Integration der orthodoxen Mitbürger und zur Verständigung und engeren Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in Deutschland und darüber hinaus nicht zu berücksichtigen.
Die Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie kann trotz ihres kurzen und stets ungewissen Lebens auf eine solide Entwicklung, eine bemerkenswerte Vielfalt an interdisziplinären Aktivitäten, an Funktionsfähigkeit und Leistung, aber auch an Integrationsfähigkeit im Rahmen der Universität zurückblicken. Sie hat inzwischen die ersten zwölf Diplome verliehen und die zurzeit ca. 60 immatrikulierten Studenten repräsentieren 9 Nationalitäten (die meisten kommen aus orthodoxen Ländern). Im Rahmen ihrer Brückenbauerfunktion und gemäß intensiven Austauschprogrammen mit Hochschulen in Ost- und Südosteuropa bietet unsere Einrichtung mehreren ausländischen Studenten die Möglichkeit eines zwei- bis viersemestrigen Aufbaustudiums an. Dementsprechend genießt die Orthodoxe Theologie Münchens seitens der orthodoxen und weiteren theologischen Fakultäten eine weltweite Anerkennung und Wertschätzung. Darüber hinaus kann unsere orthodoxe Einrichtung zum Profil der LMU und zur Bewältigung der Herausforderungen, vor welche unsere Universität durch die am 01.05.2004 stattfindende Osterweiterung der EU gestellt wird, noch vieles beitragen.
Dass die LMU München – als einzige Universität in Europa und vielleicht auch in der ganzen Welt – die Ausbildung in der Theologie aller drei großen Kirchen (der römisch-katholischen, evangelischen und orthodoxen) anbietet, ist nicht dem Zufall zu überlassen. Zwischen den drei christlichen Theologien an der LMU hat sich eine enge, feste und effektive Zusammenarbeit entwickelt und etabliert, so dass man nun von der Vertretung der vollen Ökumene in ihrer tatkräftigen Wirkung sprechen darf. Es darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass wir Orthodoxen sowohl der Römisch-katholischen Kirche und Fakultät, die bereits 1984 mit einem Lehrstuhl den Anfang der Orthodoxen Theologie ermöglichte, wie ebenfalls der Evangelischen Kirche und Fakultät, die 1994 zusammen mit ihrer Katholischen Schwesterfakultät zwei weitere Professuren zur Verfügung stellten und damit ein Minimum an Ausstattung für das Studium der Orthodoxen Theologie schufen, zutiefst dankbar sind. E ine weitere besondere Qualität an der LMU erlangt die christliche Ökumene zum einen durch die Organisierung und Wahrnehmung interdisziplinärer Lehrveranstaltungen zwischen Kollegen aller drei Theologien und zum anderen durch die Gründung des „Zentrums für ökumenische Forschung“ (ZöF) durch die Professoren Peter Neuner (römisch-katholisch), Gunther Wenz (evangelisch) und Theodor Nikolaou (orthodox). Die Existenz der drei großen christlichen Theologien nebeneinander stellt gewiss eine Innovation sowohl für die LMU als auch für die Stadt München dar.
Die Errichtung der „Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist darüber hinaus zweifellos ein konkretes Zeichen bayerischer und deutscher Politik zur Realisierung des Konzepts von der europäischen Einheit in Vielfalt und dem gemeinsamen europäischen Haus. Unsere gemeinsamen christlichen Wurzeln sollten hierfür eine feste Grundlage sein.

- Wir bitten um Ihre Unterstützung zur Rettung der Orthodoxen Theologie -

Prof. Dr. Konstantin Nikolakopoulos

Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission für Orthodoxe Theologie

Dieses Dokument ist hier ebenfalls im pdf-Format erhältlich


[ zum Seitenanfang ] [ Universität (Übersicht) ]


© 2004  KOKiD