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Verabschiedung von Professor Theodor Nikolaou

München - Nach 34 Jahren fruchtbarer Lehrtätigkeit an deutschen Universitäten, davon 21 an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, geht der bekannte orthodoxe Theologe Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Theodor Nikolaou, Gründer und Vorstand des Instituts für Orthodoxe Theologie, am 1. Oktober 2005 in den Ruhestand. Aus diesem Anlass veranstalteten die Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie und die Katholisch-Theologische Fakultät der LMU, der Professor Nikolaou zugeordnet war, am Dienstag, dem 5. Juli 2005, im Hauptgebäude der Universität einen Festakt. Während der Veranstaltung, bei der hochrangige Vertreter aus Wissenschaft und Kirche ein Grußwort sprachen, hielt Prof. Nikolaou seine Abschiedsvorlesung mit dem Thema „Theologische Konstanten in der patristischen Tradition und die Einheit der Kirchen“ . Seit seinem Studienabschluss dient Prof. Nikolaou der theologischen Wissenschaft und der Orthodoxen. Als Höhepunkt seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Präsenz in der deutschen Universitätslandschaft darf sein Beitrag zur Gründung der „Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität“ München betrachtet werden. Diese bundesweit einmalige Einrichtung bietet in erster Linie Orthodoxen aus allen Ländern, aber - wegen ihres Standortes mitten im Herzen Europas - auch weiteren Interessenten orthodoxe und darüber hinaus interkonfessionelle theologische Studien und eröffnet damit ökumenische Perspektiven. Besonders auf diesem Gebiet hat Prof. Nikolaou durch seine Teilnahme an vielen ökumenischen Kommissionen auf nationaler und internationaler Ebene eine reges Engagement aufzuweisen. Um Prof. Nikolaou zu ehren und ihm für seine vielfältigen Verdienste zu danken, nahmen mehrere prominente Vertreter aus Kirche, Wissenschaft und Politik ihre Teilnahme an der Abschiedsvorlesung teil, darunter neben den Vertretern der beiden großen Kirchen und vielen orthodoxen Geistlichen mit dem Metropoliten Augoustinos von Deutschland an ihrer Spitze unter anderen der ehemalige Bundestagspräsident, Dr. Rainer Barzel, die ehemalige bayerische Justizministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, Dr. Mathilde Berghofer-Weichner und der ehemalige bayerische Kultusminister, Prof. Dr. Hans Maier. Aus orthodoxen Ländern waren außer dem Griechischen Generalkonsul auch die Generalkonsule von Rumänien, Bulgarien und von Serbien und Montenegro vertreten. Zu Beginn der Veranstaltung richtete der Rektor der Universität, Prof. Dr. Bernd Huber, ein Grußwort an die zahlreichen Gäste, insbesondere die vielen Ehrengäste aus Wissenschaft, Kirche und Politik und kündigte zur Freude aller Anwesenden die Fortführung des Studienganges Orthodoxe Theologie an. Die Laudatio sprachen der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Stephan Leimgruber, und der designierte Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Gunther Wenz, die das vielschichtige und umfangreiche Wirken von Prof. Nikolaou herausstellten; vor allem betonten sie sein ökumenisches Engagement. Die ökumenische Komponente spiegelte sich auch im Thema der anschließenden Abschiedsvorlesung von Nikolaou „Theologische Konstanten in der patristischen Tradition und die Einheit der Kirchen“ wieder . Als besondere Leistung seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Präsenz in der deutschen Universitätslandschaft ist die Gründung der „Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie“ der Universität München, der er 21 Jahre lang angehörte, zu bewerten. Diese bundesweit einmalige Einrichtung bietet in erster Linie Orthodoxen aus allen Ländern, aber - wegen ihres Standortes mitten im Herzen Europas - auch weiteren Interessenten orthodoxe und darüber hinaus interkonfessionelle theologische Studien und eröffnet damit ökumenische Perspektiven. Außerdem dient Prof. Nikolaou seit vier Jahrzehnten der Orthodoxen Kirche durch hervorragende Leistungen. Genau darauf nahm der Vorsitzende des Fachbereichsrates der Ausbildungseinrichtung, Prof. Dr. K. Nikolakopoulos, in seinem Dankeswort an Prof. Nikolaou Bezug. Den Höhepunkt des Festaktes bildete die abschließende Ansprache des Metropoliten Augoustinos von Deutschland, der dem Jubilar eine besondere Überraschung und Freude bereitete. Um ihm für seinen vielfältigen „Beitrag in Worten und herausragenden und fruchtbaren Taten im Dienst der Kirche“ (so der Wortlaut der Urkunde) zu danken, überreichte er ihm das Goldene Kreuz erster Klasse des Ökumenischen Patriarchats, Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa. Der Festakt endete für die über 200 Gäste mit einem Empfang im Senatssaal der Universität. Professor Nikolaou wurde 1942 in Anawra/Magnesia, Griechenland, geboren. Von 1961 bis 1965 studierte er mit einem Stipendium des Ökumenischen Patriarchats orthodoxe Theologie an der Theologischen Hochschule in Chalki, wo er im Juli 1965 sein Diplom der Theologie mit dem Prädikat „Auszeichnung“ machte. Im Anschluss daran setzte er sein Studium der Theologie, der Klassischen Philologie und der Philosophie an den Universitäten Bonn und Thessaloniki fort. In Bonn war er 1965-1968 Stipendiat der Römisch-Katholischen Kirche in Deutschland. Sein Studium hat er dort im Jahr 1968 mit der Promotion an der Philosophischen Fakultät abgeschlossen, und zwar mit dem Prädikat: „Magna cum laude“. Im Jahr 1971 bekam er ein Forschungsstipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und ab 1. Oktober 1971 die Stelle eines wissenschaftlichen Assistenten im Altkatholischen Seminar der Universität Bonn; bereits 1972 erhielt er einen Lehrauftrag für orthodoxe Theologie. 1975 habilitierte er sich an der Universität Bern für das Fach "Griechische Patristik und Byzantinische Geistesgeschichte" und 1976 erfolgte seine Umhabilitation und Ernennung zum Privatdozenten an der Universität Bonn. Dort wurde er 1978 zum außerplanmäßigen Professor ernannt und wirkte bis zu seiner Berufung nach München als Oberassistent. Im Jahr 1981 promovierte er zum Dr. theol. an der Universität Thessaloniki mit dem Prädikat „summa cum laude“. Seit dem 1. November 1984 war Prof. Nikolaou Inhaber des Lehrstuhls für "Orthodoxe Theologie" und Leiter des Instituts für Orthodoxe Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Daraus entwickelte sich – nicht zuletzt durch seinen Einsatz – die „Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie“ der Universität München, die er als Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission, dem Fachbereichsrat der Ausbildungseinrichtung, von 1997 bis 2003 leitete. Als Vertreter der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und des Ökumenischen Patriarchats war und ist er Mitglied verschiedener ökumenischer Kommissionen, u. a. der Internationalen Kommission für den offiziellen Orthodox/Lutherischen Dialog und einiger Delegationen für Gespräche mit römisch-katholischen Kirche; er ist Mitglied vieler weiterer wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland. Des Weiteren gehört er zu den Gründern und dem Vorstand des „Zentrums für ökumenische Forschung“ der L.-M.-Universität München. Im Sommersemester 1995 nahm er eine Gastprofessur am Ökumenischen Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg wahr. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Vorträge gehalten bei verschiedenen internationalen Kongressen und Symposien, an in- und ausländischen Universitäten, bei ökumenischen Fachtagungen sowie am Ökumenischen Institut Bossey/Genf, am Institut für Ökumenische Forschung des Lutherischen Weltbundes in Straßburg etc. Mehrfach hat er an Diskussionen im Rundfunk und Fernsehen im In- und Ausland teilgenommen sowie viele Interviews über aktuelle Themen im Rundfunk und Fernsehen im In- und Ausland gegeben. Neben dem Austausch mit der Theologischen Fakultät der Aristoteles-Universität Thessaloniki im Rahmen des Sokrates-Programms seit Mitte der 90er Jahre ist er seit dem Jahr 2000 Mitorganisator und nimmt teil am Dozentenaustausch mit der Theologischen Fakultät der Universität Cluj Rumänien im Rahmen des Erasmus-Programms „Dozentenmobilität“ der Europäischen Union. Reich ist das literarische Wirken von Professor Nikoalou: Er hat ü ber 200 Abhandlungen über patristische, theologisch-philosophische und ökumenische Themen in deutscher und griechischer Sprache verfasst. Einige seiner Abhandlungen sind auch in andere Sprachen übersetzt worden. Seit 1987 gibt er das „Orthodoxe Forum. Zeitschrift des Instituts für Orthodoxe Theologie der Universität München“ (bisher 18 Bände mit über 6.000 Seiten), seit 1993 die Reihe der Münchener Universitätsschriften „Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie“ (bisher 8 Bände) und seit 1995 die Reihe „Liturgische Texte und Studien“ (bisher 5 Bände) heraus. Er ist Mitherausgeber weiterer Reihen bzw. Jahrbücher. Seit April 1971 ist er mit der Oberstudienrätin Helene Nikolaou, geb. Thiel, verheiratet; im Juni 1972 wurde seine Tochter Tanja (heute Regierungsrätin im Justizministerium) und im November 1973 sein Sohn Konstantin (heute Dr. med., wiss. Assistent am Institut für Radiologie der L.-M.-Universität München) geboren.

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