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Bayerisches Wissenschaftsministerium gibt grünes Licht

München - Studenten und Dozenten an der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) können aufatmen: Das Studium kann auch über das Wintersemester 2005/06 hinaus ohne Einschränkung aufgenommen werden. Das ursprüngliche Zukunftskonzept der LMU, den Studiengang aus Spargründen zu streichen, wurde berichtigt. „Trotzdem bereitet uns die zukünftige Perspektive der Orthodoxen Theologie Sorgen, weil man nicht weiß, in welcher Form der Studiengang erhalten bleibt - zumal die Universitätsgremien auf eine eventuelle Kürzung weiter bestehen“, wie der Vorsitzende des Orthodoxen Studiengangs, Professor Dr. Konstantin Nikolakopoulos, befürchtet. Mit der Entscheidung des Kabinetts vom 2. Juni 2005 entgeht damit die einzige Lehrstätte an einer staatlichen Universität in Westeuropa dem Schicksal von 13 anderen Studiengängen der LMU, die fortan keine Studierenden mehr aufnehmen können. Ausschlaggebend dabei: Empfehlungen der unabhängigen „Mittelstraß-Kommission“, die von Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel zur Entwicklung des bayerischen Hochschulsystem eingesetzt wurde. Diese sprach sich letzten Mai für den Erhalt der Orthodoxen Theologie aus. Mit diesem Beschluss wurden die Strukturkonzepte der Hochschulen teilweise korrigiert, die seit Juli 2004 vorlagen. Ein Kriterium für die Vorbehalte der Hochschulleitung gegen die orthodoxe Lehranstalt waren bisher die niedrigen Studentenzahlen (etwa 60 im letzten Semester). „Seit ihrer Gründung 1997 konnte sich die Ausbildungseinrichtung jedoch nie frei entfalten“, so Nikolakopoulos. Experimentierphasen mit Gastprofessuren und erschwerte Studienbedingungen verschreckten viele Studenten. So gab es zeitweise den Eindruck fehlender Rechtssicherheit, einen Abschluss zu bekommen. Zwar ist der Hochschulausschuss von den ursprünglichen Sparplänen abgerückt, den Studiengang zu schließen. Doch bei der Suche eines wettbewerbsfähigen Profils der Uni München sind ökonomisch weitsichtige Projekte gefragt. Dazu werden Fächer und Fächergruppen unter dem Aspekt „Qualität und Internationalisierung“ gezielt gebündelt und vernetzt. Neue Elitestudiengänge, wie die im letzten Wintersemester eingerichteten „Osteuropa-Studien“, sollen die Uni München bayernweit und international erfolgreich positionieren. „Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern ein Elitestudiengang Osteuropa-Studien sich mittelfristig profilieren kann, wenn gleichzeitig die Orthodoxe Theologie mittelfristig abgebaut werden sollte“, so Erzpriester Dr. Vladimir Ivanov, Professor für Praktische Theologie der orthodoxen Einrichtung. Die Tendenz in mehreren osteuropäischen Ländern sei eindeutig: Werte-Orientierung erfolge auf der Basis orthodoxer Tradition, die nicht nur das spirituelle und kulturelle, sondern eben auch das soziale, politische und ökonomische Umfeld berücksichtige. Gerade in Fragen der Ost- und Südosterweiterung der EU können religiöse und ökumenische Impulse dienlich sein, die aus den Erfahrungen der Orthodoxie schöpfen. Zumindest unter den christlichen Fakultäten der LMU herrscht Einigkeit - seit Jahren wird eine enge Zusammenarbeit gepflegt. So bieten orthodoxe, evangelische und katholische Professoren gemeinsame Lehrveranstaltungen und Oberseminare an. Deutliches Zeichen dieser gemeinsamen Dialoge ist die Gründung des „Zentrums für ökumenische Forschung“ vor drei Jahren: Ein Beispiel für gelungene Integration, das alle drei christliche Konfessionen vernetzt und europaweit als Aushängeschild dienen kann, so der gemeinsame Tenor. In der orthodoxen Ausbildungsstätte unterrichten derzeit vier Professoren die Studenten, die aus neun vorwiegend ost- und südosteuropäischen Ländern kommen. Ob Rumänen, Griechen, Bulgaren, Russen, Ukrainer, Weißrussen, Serben oder Georgier, aber auch Franzosen und Deutsche – in Münchens orthodoxer theologischer Ausbilkdungsstätte ist nationale Vielfalt unter einem Dach vereint. Die meisten Studenten sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Einige werden später als Priester oder Religionslehrer arbeiten. Allein in München leben etwa 50.000 orthodoxe Christen von etwa einer Million in ganz Deutschland.

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